Hüter, ist die Nacht verschwunden?

1) Hüter, ist die Nacht verschwunden? Hüter! ist die Nacht schier hin?
Ach, wir zählen alle Stunden, bis die Morgenwolken blühn,
bis die Finsternis entweichet, bis der Sterne Schein erbleichet
und der Sonne warmer Strahl leuchtet über Berg und Tal.

2) O Du Gott der Macht und Stärke! Sieh uns hier verwundert stehn
über Deinem großen Werke, das vor unserm Blick geschehn!
Manches Tor hast Du entriegelt, viele Seelen Dir versiegelt,
gabst uns für das Heidenland manches teure Unterpfand.

3) Immer tiefer, immer weiter in das feindliche Gebiet
dringt das Häuflein Deiner Streiter, dem voran Dein Banner zieht.
Wo wir's kaum gewagt zu hoffen, stehn nun weit die Türen offen;
Mühsam folgt der schwache Tritt Deinem raschen Siegesschritt.

4) Langsam und durch Schwierigkeiten waren wir gewohnt zu gehn;
plötzlich bricht aus allen Weiten Deine Hand aus lichten Höhn.
Staunend sehn wir Dein Beginnen; keine Zeit ist's, lang zu sinnen,
geh voran, wir folgen nach, wo Dein Arm die Bahnen brach!

5) Breitest Du in unsern Tagen, Herr, Dein Werk noch weiter aus:
Lass uns mutig Steine tragen zu dem großen Tempelhaus!
Aber lass es unsern Seelen nicht an tiefrer Gründung fehlen!
Gib uns den Verleugnungssinn, nimm die Herzen völlig hin!


Text: Christian Gottlob Barth
Melodie: Justin Heinrich Knecht

Quelle: https://www.evangeliums.net/lieder/lied_hueter_ist_die_nacht_verschwunden.html