In des Meeres grüne Wogen

1) In des Meeres grüne Wogen
sinkt der Tag mit goldner Pracht,
und mit leisem Tritt gezogen
kommt die stille, ernste Nacht.
Hin der Tag! Er kehret nimmer!
Schatten schweben rasch herein;
doch es strahlt im Sterngeflimmer
einen Tagmarsch näher heim!

2) Sehnend auf die Abendstille
hofft der müde Wandersmann;
näher kam er heut dem Ziele,
und sein Werk ist fast getan.
So durchströmt manch gläub'ges Herze,
pilgernd über Dorn und Stein,
dieser Trost im herben Schmerze:
einen Tag ist's näher heim.

3) Näher heim und näher schauen,
näher meinem Ziel im Licht,
näher jenem Strom und Auen,
wo man nicht mehr weint und siecht.
Heller glänzt in Ätherbahnen
schon der Sterne holder Schein.
Näher darf mein Zelt ich spannen;
einen Tag ist's näher heim!

4) Wenn der Schiffer, müd der Reise,
späht der Heimat trauten Strand,
jauchzt er auf in froher Weise:
Grüß dich Gott, mein Vaterland!
Und der Christ, die Fahrt bestanden,
wallt entzückt zum Hafen ein;
singt befreit von Erdenbanden:
"Preis dem Lamm! Ich kehre heim."


Text: Philipp Bickel
Melodie: Christian Gregor

Quelle: https://www.evangeliums.net/lieder/lied_in_des_meeres_gruene_wogen.html