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Predigten zu Apostelgeschichte 9,1

"Saulus aber, noch Drohung und Mord wider die Jünger des Herrn schnaubend, ging zu dem Hohenpriester"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Philippus ward gefunden zu Asdod und predigte das Evangelium."

In unserem Text sehen wir zwei Personen, die bemüht sind, ihre Mitmenschen auf einen anderen Weg zu bringen. Lasst uns beide vergleichen. - Da ist der irrende Saulus. Er ist fest davon überzeugt, dass die Christen auf dem Irrweg sind. Er ist entschlossen, sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zum väterlichen Gesetz zurückzuführen. Dass dieses Tun aus dem eigenen menschlichen Geist fließt, ist schnell zu erkennen. Er ist voll Ärger und Zorn. Er schnaubt und droht. Er scheut nicht einmal zurück vor Blutvergiessen. Er wendet fleischliche Gewaltmittel an, wie ungeistliche Menschen sie zu allen Zeiten als Hauptwaffe im Kampf gegen Gottes Reich anzuwenden pflegen. - Schauen wir daneben die Arbeit des Philippus an. Auch er sucht Menschen auf einen anderen Weg zu bringen. Aber er droht und schnaubt nicht wie Saulus. Er holt nicht Waffen aus des Teufels Rüstkammer. Er hat die wirksamste Waffe, die es gibt - das Evangelium, die frohe Kunde von dem Heiland. Und nun beobachte die beiden Arbeiter: den einen, im stillen Geist des Friedens beglaubigt von Gott; den anderen, im wilden Zorn und Grimm, wütend darüber, dass nicht alle Leute seine Überzeugung teilen. - Wem gleichen wir? - - Und nun ein Wunder! Der Mann voll schnaubender Wut arbeitet bald darauf im gleichen Friedensgeist wie Philippus. Was war geschehen? Gott hatte ihm Licht gegeben darüber, dass er auf dem Irrweg war. Gedemütigt, zerbrochen und begnadigt war er ein Eigentum Jesu geworden. Und wie er selber durch die unverdiente Güte Gottes überwunden war, so arbeitete er jetzt in der Kraft eben dieser Gnade, die ihn umgewandelt hatte. - Möge Gott noch viele solche Arbeiter wecken wie Philippus und Paulus waren.


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Die Christenverfolgung durch Saulus

Unser Text zeigt uns das Toben des Saulus gegen die Gemeinde Jesu. Lasst uns seinen Kampf gegen die Christen näher ansehen, indem wir 1. den Verfolger, 2. die Verfolgten, 3. die Verfolgung betrachten.

1. Der Verfolger.

Mit einem eigentümlichen Ausdruck wird uns das Bild des verfolgenden Saulus gezeichnet. Er "schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn". Dies Wort erinnert an die Art und Weise eines Raubtiers. Wenn es sein Opfer sieht, so schnaubt es bisweilen in glühendem Eifer, um sich dann im Sprung auf dasselbe zu stürzen. Ähnlich war Saulus von einem feurigen Eifer erfüllt, sich gegen die Christen in den Kampf zu werfen. Er glich einem Raubtier, das von einem kaum zu bändigenden Blutdurst erfüllt ist. Welch ein furchtbares Bild!

Man erzählt von der Frau eines armen Trinkers: Als ihr sinnlos betrunkener Mann heimkehrte, kam sie auf den Gedanken, ihn gerade jetzt photographieren zu lassen. Nachher zeigte sie dem nüchtern gewordenen Mann das Bild. Die Folge war, dass er sich entsetzt von dem Laster abwandte und Hilfe dagegen suchte.

Das Bild dieses raubtierartigen Saulus könnte vielen ehrbaren Namenschristen zurechthelfen, die aber von Hass und Abneigung gegen die Gläubigen erfüllt sind. Wie abscheulich macht uns doch der Hass gegen das Volk des Herrn! (Psalm 109, 16).

2. Die Verfolgten.

Nicht gegen eine besondere Art und Richtung von Christen wandte sich der Hass des Saulus. Sein Verfolgungseifer erstreckte sich auf alle, die Jesus anhingen und an ihn glaubten ("gegen die Jünger des Herrn"). Er machte keinen Unterschied zwischen ihnen. Auch die besten und lautersten fanden keine Gnade bei ihm. Wenn sie noch so behutsam wandelten, wenn sie sich noch so treu und vorsichtig im Leben bewiesen, wenn sie noch so liebevoll und freundlich gegen andere auftraten, alles half nichts. Er hasste nun einmal die ganze Gesellschaft.

Ein Christenfeind sagte einmal im Blick auf die Gläubigen: "Von dem ganzen Geschmeiss will ich nichts wissen." So stand auch Saulus. Weder der liebevolle Johannes, noch der feurige Petrus, noch irgendein Jünger galten etwas bei ihm. Wie blind macht doch der teuflische Hass gegen die Jünger Jesu! Wie nimmt er jede Klarheit und Gerechtigkeit im Urteil über sie hinweg! (Psalm 35, 20; 2. Timotheus 3, 12).

3. Die Verfolgung.

In der großen Christenverfolgung (Kapitel 8) wird eine Anzahl von Jüngern bis nach Damaskus gekommen sein, so dass auch dort eine Christengemeinde vorhanden war. Gegen diese richtete sich Saulus. In seinem Eifer wartete er nicht, bis seine vorgesetzte Behörde, der Hohe Rat, ihm einen Auftrag übertrug. Er drängte sich selbst vor. ("Er ging zum Hohenpriester und bat ihn um Vollmachtsbriefe.")

Hier wollen wir auf einen wichtigen Unterschied zwischen der späteren richtigen Arbeit des Paulus und seiner falschen Tätigkeit vor seiner Bekehrung achten. Der bekehrte Saulus konnte trotz all seines natürlichen Feuereifers in der Stille warten, bis ihm ein Auftrag auch durch Menschen zuteil wurde. Er blieb in der Verborgenheit in Tarsus, bis Barnabas ihn in die Arbeit nach Antiochien rief (Kap. 11, 25. 26). Er drängte sich nicht selbst vor. Hier aber tat er selbst, was er konnte, um nach Damaskus gesandt zu werden. Er konnte nicht sagen, dass diese Aufgabe ihm ohne eigenes Zutun zugefallen sei.

Ein derartiger Eifer stammt aus dem eigenen Geist. Hüten wir uns vor demselben, zumal er auch später im Gnadenstand leicht zum Vorschein kommt! Die rechte Art erkennt man an der Geduld, die auf Gottes Weisung und menschliche Berufung warten kann. Die falsche Art merkt man an der Ungeduld, die sich vordrängt und etwas Besonderes leisten will, ohne gerufen zu sein.