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Auf dass sie sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen

Wie ist das Wort Matth. 13,14f. zu verstehen, insbesondere, wenn es in den Parallelstellen heißt: „... auf dass sie sehend nicht sehen und hörend nicht verstehen“? (Mark. 4,12 und Luk. 8,10.)

Antwort

Es ist meines Erachtens genau so zu verstehen, wie es da steht, auch wenn wir zugeben müssen, daß es in unseren Gedankenaufbau nicht hineinpaßt. Die Jünger „traten herzu und sprachen zu Ihm: Warum redest Du in Gleichnissen zu ihnen“? (Mt. 13,10.) Darauf lautet die Antwort zunächst: „Weil euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu wissen, jenen aber ist es nicht gegeben.“ (Vers 11.) Auf den ersten Blick, d. h. ohne Beachtung des weiteren Textes, würden wir das so verstehen, daß die Gleichnisse den Nicht-Jüngern, d. i. der Masse des Volkes, die Geheimnisse des Reiches Gottes veranschaulichen und enthüllen sollten; doch das Gegenteil ist der Fall, sie sollten sie verhüllen. Die Fassung der Stelle bei Markus macht dies ganz deutlich (Kap. 4,11): „... jenen aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen, auf daß sie sehend sehen und nicht wahrnehmen, und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.“ So sagt das Wort des Gottes, der „reich ist an Barmherzigkeit“, der „keinen Gefallen an dem Tode des Gesetzlosen hat“, sondern „daran, daß er von seinen Wegen umkehre und lebe“, der da „reich ist an Vergebung“! (Eph. 2,4; Hes. 18,23; Jes. 55,7.) Wie kommen wir über diese Schwierigkeit hinweg? Ich sage nochmals: Indem wir das Wort genau so stehen lassen, wie es dasteht. „Auf daß ...“, das will sagen: Zu diesem ausdrücklichen Zweck. Bisher hatte der HErr das Evangelium von der „sich nähernden“ Königsherrlichkeit Gottes offen und unverhüllt gepredigt (und Er setzte dies auch fort); aber der Masse des Volkes würde es nun in einer Form dargeboten werden, die ein Verständnis mehr oder weniger ausschloß; Das Gericht der Verstockung, der Verhärtung des Herzensbodens war eingetreten; sie hatten den Heiligen Geist gelästert, und dies konnte nicht vergeben werden, „weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen“. (Mt. 12,31f.)
Gerade Matthäus ist es, der uns den Grund zu dieser furchtbaren Wendung nennt. Die Frage der Jünger, warum der HErr in Gleichnissen zu jenen rede, beantwortet Er ja weiter wie folgt: „Darum rede Ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören, noch verstehen ... denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört.“ (Mt. 13,13ff.) Erst da, wo die unverhüllte Verkündigung abgewiesen wurde, so sagt ein Ausleger, „zieht Sich Jesus, soweit Er vor den Ohren der Volksmenge predigt, auf die verhüllende Predigt in dunklen Gleichnissen zurück“.

Wenn wir uns in diese Gedanken hineinvertiefen, dann ist es, als ob wir die Heiligkeit und Unumschränktheit Gottes noch nie so gesehen hätten. Wie ernst ist Sein Wort! Welche Verantwortung, Sein Wort zu hören! „Denn das Land, welches den häufig über dasselbe kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt ..., empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbewährt und dem Fluche nahe.“ (Hebr. 6,7f.) Und in dem gleichen Briefe lesen wir: „Deswegen sollen wir um so mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa (am Ziel) vorbeigleiten!“ (Hebr. 2,1.)
v. Kietzell.

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Quelle: Handreichungen - Band 23 (1938)