Auf welche Zeit bezieht sich Offenbarung 6,3-8?

Auf welche Zeit bezieht sich Offenbarung 6,3-8?

Antwort A

Die Offenbarung ist das Buch der Gerichte. Zuerst beginnt das Gericht am Hause Gottes (1. Petr. 4,17 und Off. 2 u. 3), und sobald die hienieden im Hause Gottes befindlichen Erlösten aufgenommen sind nach 1. Thess. 4,17 in den Himmel, sagt Sich der HERR von den äußerlichen Bekennern los (Off. 3,16).
Heute leben wir noch in der Zeit der Gnade und Annahme. Wie lange noch? Sobald der HERR die Seinen hinaufgenommen hat, folgen im Himmel die Ereignisse von Kap. 4 u. 5, dann erst Kap. 6 die Gerichte Gottes über die Erde und die Menschen. Deshalb: „Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!” (Off. 2 u. 3; Hebr. 3,7.) „Die Nacht ist weit vorgerückt und der Tag ist nahe!” (Röm. 13,12; siehe noch Off. 3,10; 22,20!)
F. B.

Antwort B

Vers 3-8 von Off. 6 gehören in dieselbe Zeit hinein, in der Vers 1 und 2 sowie Vers 9-17 desselben Kapitels in Erfüllung gehen. Die Frage müßte also eigentlich lauten: Auf welche Zeit bezieht sich das ganze 6. Kapitel der Offenbarung? Die Antwort ist in dem Kapitel selbst gegeben. Vers 17 heißt es: „Gekommen ist der große Tag des Zornes.” Demnach geschehen diese Dinge am großen Tage des Zornes. Vom Tage des Zornes schreibt Paulus auch Röm. 2,2-10. Besonders Vers 5 erwähnt er ihn als einen Tag, an dem das gerechte Gericht Gottes offenbar werden wird Bösen wie Guten gegenüber. (Vgl. 1. Thess. 1,10: Jesus errettet die Gläubigen, „die bekehrt sind, zu dienen dem lebendigen Gott und den HERRN vom Himmel her zu erwarten, vor dem kommenden Zorn” (siehe auch 1. Thess. 5,9 und Apg. 17,31!). Meiner tiefen Überzeugung nach handelt es sich beim Tage des Zorns um die große Trübsalszeit auf Erden nach Mt. 24,21. Schon Dan. 12,1 ist diese Zeit erwähnt. Es ist die Versuchungsstunde, die nach Off. 3,10 kommen wird, die auf Erden Wohnenden zu versuchen. Sobald die Gemeinde des HERRN, der Leib Christi, entrückt ist, dem HERRN entgegen in die Luft, um bei Ihm zu sein allezeit (1. Thess. 4,16.17), wird der Teufel auf die Erde geworfen (Off. 12,7-12), und die große Drangsalszeit beginnt. Während die sieben Siegel im Himmel von dem Lamm gebrochen werden, geschehen auf Erden all die Dinge, die in Off. 6 beschrieben sind. Also Off. 6 geht in der Zeit der großen Trübsal in Erfüllung. Heute sind diese Dinge noch zukünftig, da ja die Gemeinde noch auf Erden ist. Das Geheimnis der Bosheit aus 2. Thess. 2 kann noch nicht in die Erscheinung treten, weil der Leib Christi es noch aufhält. - Den augenblicklichen europäischen Krieg als eine endgültige Erfüllung von Off. 6,3-8 ansehen hieße doch wohl dem Worte seinen Inhalt rauben. - Freuen wir uns, dass der HERR uns erretten will vor dem kommenden Zorn (1. Thess. 1,10). Sorgen wir aber auch dafür, dass wir würdig werden, dem allen zu entfliehen und zu stehen vor des Menschen Sohn (Lk. 21,36).
A. E.

Antwort C

Die Ereignisse, von denen in den angeführten Versen die Rede ist, bilden einen Teil der „großen Drangsal”, wie der Herr Jesus in Mt. 24 (V. 9.21.29) jene Seinem Kommen in Macht und Herrlichkeit vorausgehende letzte Zeit nennt, in der Gott die schwersten Gerichte über diese Erde gehen lassen wird, die sie je treffen werden. (Siehe auch Off. 7,14!) Die Ereignisse jener Zeit sind in Kap. 6 und den folgenden Kapiteln der Offenbarung beschrieben. Sie sind alle in den sieben Siegeln enthalten. Von diesen schließt das siebente Siegel die sieben Posaunen ein (s. Kap. 8,1.2), und die siebente Posaune wiederum die sieben Schalen (s. Kap. 10,7; 11,15; 15,1; 16,1), in denen „der Grimm Gottes vollendet” ist (Kap. 15,1). In den verschiedenen Gerichten, die in den Siegeln, Posaunen und Schalen vor unser Auge geführt werden, ist deutlich eine Steigerung hinsichtlich ihrer Schwere sowohl als auch hinsichtlich der Erkennbarkeit der Hand Gottes wahrzunehmen.
Bei all den Vorgängen auf dieser Erde (von Kap. 6,1 an) finden wir nie die Versammlung oder Gemeinde des HERRN erwähnt, auch nicht ihre Entrückung, aus dem einfachen Grunde, weil sie sich dann nicht mehr auf der Erde befindet, sondern ihre Entrückung dem Beginne dieser Ereignisse vorausgegangen ist. Diese für unsere Frage entscheidende Tatsache ist in der Offenbarung selbst - wiewohl diese ihrem ganzen Charakter entsprechend mit der Versammlung oder Gemeinde sich überhaupt nur in ihrer verantwortlichen Stellung auf der Erde beschäftigt (Kap. 1-3) und von ihrer Entrückung überhaupt nicht spricht - dennoch ganz deutlich zu sehen, und zwar in den „vierundzwanzig Ältesten”, die wir von Kap. 4 an (V. 4,10; 5,5 usw.) erwähnt finden. Wohl gibt es Kinder Gottes, die in diesen Ältesten „Engelfürsten” sehen wollen, doch ist meiner Überzeugung nach eine solche Annahme nicht der Schrift entsprechend, schon darum nicht, weil das, was von den Ältesten gesagt ist, nie auf Engel - auch nicht Engelfürsten - zutreffen kann. Von Engeln sagt das Wort nie, dass sie „goldene Kronen” auf ihren Häuptern tragen und „auf Thronen sitzen rings um denThron Gottes” (Kap. 4,4). Dagegen ist das Bild völlig zutreffend auf die Erlösten: sie sind „Gott zu Königen und Priestern gemacht” (s. Kap. 1,6; 5,10), was durch die goldenen Kronen und die weißen Kleider dargestellt wird, und sie allein können einen solchen erhabenen Platz in der Gegenwart Gottes und eine solche vertraute Stellung zu Ihm einnehmen - auf Thronen rings um den Thron Gottes sitzend - auf Grund der wunderbaren Stellung und Beziehung, in die sie durch den HERRN als Seine Erlösten gebracht sind. Das ist nie der Platz und das Verhältnis eines Geschöpfes - auch nicht des höchsten und erhabensten - als solchem Gott gegenüber, sondern nur derer, die Er dazu erwählt und passend gemacht hat durch Seinen geliebten Sohn zu Seiner eigenen Verherrlichung! - Die Zahl 24 drückt nach 1. Chr. 24,1-19 die Summe der Priesterschaft, die Gesamtheit der Priesterschar aus; die gesamte Priesterschaft war durch die 24 Häupter vertreten. So stellen die vierundzwanzig Ältesten die Gesamtheit der diese Stellung einnehmenden Erlösten, also die Versammlung oder Gemeinde des HERRN, dar. Dass sie als „Älteste” bezeichnet sind, drückt aus, dass ihnen Weisheit verliehen ist, was wieder völlig auf die Erlösten zutrifft, denen der Geist Gottes gegeben ist, damit sie durch denselben Erkenntnis und Verständnis haben (s. 1. Kor. 2,9-12). (Vgl. zu obigem im Jahrg. 1914 Fr. 50! Der Herausgeber.) Diese die Versammlung oder Gemeinde des HERRN darstellenden vierundzwanzig Ältesten nun werden, nachdem mit Schluß des Kap. 3 mit der Versammlung oder Gemeinde auf der Erde abgeschlossen ist, von Kap. 4 an im Himmel gesehen. Von da an hat also die Gemeinde des HERRN, und zwar nicht etwa nur die Entschlafenen, sondern die gesamte Gemeinde, ihren Platz im Himmel, wohin sie also entrückt ist und wo in ihrer Gegenwart und unter ihrer Teilnahme die Vorgänge der Kap. 4 und 5 sich abspielen, also insbesondere auch erst das Lamm das Buch mit den sieben Siegeln empfängt, deren Öffnung danach in Kap. 6 beginnt. Hieraus ergibt sich also völlig klar, dass die Entrückung der Gemeinde des HERRN erfolgt sein muß, ehe die Ereignisse in Kap. 6 stattfinden können, und dass diese Ereignisse folglich noch nicht begonnen haben können, sondern nochzukünftig sind, da die Gemeinde des HERRN noch nicht entrückt, sondern noch hienieden ist.

Wenn jetzt Vorgänge sich abspielen, die dem in Off. 6,3-8 und manchen anderen Schriftstellen Vorhergesagten sehr nahe zu kommen scheinen, so sollte kein Kind Gottes sich dadurch an dem klaren Zeugnis des Wortes Gottes irre machen lassen, sondern wissen, dass der Gang der Ereignisse unbedingt so sein wird, wie das untrügliche Wort Gottes uns sagt. Die Dinge, die sich jetzt abspielen und noch abspielen werden, solange die Gemeinde des HERRN noch hienieden ist, können also immer nur Vorläufer jener großen Ereignisse und Schatten sein, die sie vor sich hersenden. Aber lasst uns wachen und nüchtern sein, die Lenden umgürtet und die Lampen brennend, auf Ihn wartend mit sehnsuchtsvollen Herzen, dass Er uns dort einführe, wo Er uns die Stätte bereitet hat! Ja: „Amen; komm, Herr Jesu!” (Off. 22,20b.)
Th. K.

Antwort D

Die Ereignisse in Off. 6 beziehen sich auf die Zeit nach der Entrückung der Gemeinde; denn was in Off. 4 und 5 beschrieben ist, muss vollendet sein, ehe Off. 6 seine Erfüllung finden kann. Ehe der HERR die Siegel öffnet, muss Er das Buch in Seine Hand genommen haben, ein Akt, der uns in Off. 5,7 beschrieben wird und der eine Bewegung im Himmel hervorruft. Die 24 Ältesten sind schon im Himmel und bei diesem Ereignis zugegen. Im Jahrgang II (1914), S. 191ff. ist bereits darauf hingewiesen, dass uns in dem Gesichte der 24 Ältesten die ganze Schar der Heiligen (Alten und Neuen Testamentes) gezeigt wird. In ihnen sehen wir die Gemeinde und die Gläubigen der früheren Zeiten verherrlicht im Himmel, in weißen Kleidern, gekrönt, erlöst durch das Blut des Lammes. Ehe also die Ereignisse in Off. 6 sich erfüllen können, muss Off. 4 u. 5 erfüllt sein, das heißt: die Gemeinde muss von der Erde entrückt, schon droben im Himmel sein!

Auch die göttliche Einteilung des Buches bestätigt dies. Der HERR gibt uns in Off. 1,19 gleichsam den Schlüssel zur Offenbarung in die Hand: 1. Schreibe, was du gesehen hast. Was sah Johannes? Den HERRN in richterlicher Majestät (Off. 1,12-16). So hatte er Ihn nie zuvor gesehen. 2. Schreibe, was (gegenwärtig) ist: das ist die Gemeinde Gottes auf der Erde (Off. 2 und 3). 3. Schreibe, was nach diesem geschehen muß: das sind die zukünftigen Dinge. (Off. 4-22. Beachte in Kap. 4,1 zweimal das Wort: „Nach diesem”.) „Nach diesem:” schließt eben in sich, dass das, was (gegenwärtig) ist (Kap. 2 und 3), seinen Abschluß gefunden hat. Solange das, „was ist”, noch da ist, können eben die Dinge, die „nach” diesem geschehen müssen, noch nicht da sein. Mit Kap. 4 beginnen die zukünftigen Ereignisse nach der Aufnahme der Gemeinde - das, was geschehen muß, wenn das, „was ist” (die Gemeinde als Leuchter, Kap. 2 u. 3), von der Erde weggenommen ist. (Den Augenblick der Entrückung bringt die Offenbarung nicht. Die Vorsätze Seiner Gnade sind nicht der Inhalt dieses Buches.)

Eine nachträgliche Anfrage, ob der erste Reiter in Off. 6 Christus oder das Evangelium sei, mag hier gleich eine Beantwortung finden.
Dass der Reiter nicht Alexander noch Napoleon usw. sein kann, braucht nach dem Vorhergehenden nicht mehr gesagt zu werden. Wohl aber können wir solche Sieger als Schatten und Vorbilder ansehen, in denen Gott der Welt zeigt, dass es Ihm ein Geringes ist, die angekündigten Ereignisse in ungeahnter Schnelle kommen zu lassen.

Mit Donnerstimme ruft Er durch die lebendigen Wesen: „Komm!”, und sofort erscheint das Instrument Seines Gerichtes auf dem Plan. (Die Worte: „und sieh” [V. 1.3.5.7] fehlen in zuverlässigen Handschriften und bringen neue Übersetzungen nicht mehr oder bezeichnen sie derart [s. Wiese und Elberf.].) Jeder Reiter ist ein Werkzeug in der Hand des HERRN, um Seine Gerichte auszuführen. An Christus kann nicht gedacht werden. Er ist der Brecher der Siegel und der Veranlasser des Rufes: Komm!, aber nicht der Reiter des Siegels, der auf den Ruf der Donnerstimme zu erscheinen hat.

Der Reiter in Off. 19,11ff. ist Christus (der Name beweist es); aber diese Stelle gibt keinen Grund dafür, dass der Reiter in Kap. 6 auch Christus sei. Ein „weißes Pferd” allein gibt uns ebensowenig wie ein „Löwe”, ein „Thron” oder eine „Krone” das Recht, zu sagen, es sei Christus, wenn es nicht durch den Zusammenhang oder andere Aussprüche erwiesen ist; denn die Schrift spricht sowohl von Christus als auch vom Satan als dem „Löwen”, und ebenso von Satans „Thron” und „Krone”. Der HERR öffnet die Siegel, nicht aber ist Er der erscheinende Reiter in dem Siegel. Dieser ist die Rute des Gerichtes in Seiner Hand.

Ebensowenig, ja noch weniger kann an das Evangelium gedacht werden. Das hieße den ganzen Zusammenhang zerreiben. Das Schriftganze zeigt uns, dass die sieben Siegel Gerichte sind. Bei sechs Siegeln wird dies ohne weiteres anerkannt; aber welches Recht haben wir, ein Siegel aus der Reihe abzusondern und als Segen zu stempeln? Das Evangelium des Reiches wird verkündigt. Sicher! Gott hält auch in dieser Gerichtszeit treu an Seinen Verheißungen und Vorsätzen. Aber hat das etwas mit dem Siegel zu tun? Donnerstimme, Schlachtroß, Bogen finden wir nicht in der Schrift als Symbole des Evangeliums. Wird das Evangelium durch Donnerstimme herbeigerufen oder durch Schlachtrosse zum Siege geführt? Wie haltlos für solche Auslegung, die Vollzahl (7) der Siegel zu zerreiben und sechs als Gerichte und eines als Segen zu erklären, also: Roß und Reiter, ein und dasselbe Symbol in zwei ganz verschiedener, sich entgegengesetzter Weise (als Segen und als Gericht) zu deuten, und dazu noch in einem Zusammenhang in dem geschlossenen Ganzen der Vollzahl „7”!

In den Siegeln sehen wir die Wege Gottes mit der Erde, wenn der Tag Seines Zornes angebrochen ist. Es war einst eine feierliche Stunde, als der HERR in Nazareth (Lk. 4,17-21) das Buch aus der Hand des Dieners nahm, es öffnete und erklärte, dass das, was sie eben mit ihren Ohren gehört hatten (soweit Er vorgelesen), erfüllt sei. Damit war das Jahr der Annehmung, der Tag der Gnade eröffnet (zunächst für Israel). Er hörte beim Vorlesen der Jesaiasstelle mitten im Satz vor den Worten: „und der Tag der Rache” auf. Hier schloß Er das Buch, legte es in die Hand des Dieners, setzte Sich, und aller Augen waren auf Ihn gerichtet. Das ist der heutige Tag! Das Buch, geöffnet bis zum Tag der Gnade, ist in die Hand des „Dieners” gelegt. Er hat Sich „gesetzt” droben zur Rechten der Majestät in der Höhe, und „aller Augen sind auf Ihn gerichtet”. (Wohin sind unsere Augen gerichtet? Die Welt schaut nach Menschen aus und nach den nächsten großen Ereignissen. Wir aber richten unser Auge auf Ihn und erwarten das nächste große Ereignis vom Himmel, von Ihm aus, Ihn Selbst!) - Aber es kommt ein anderer feierlicher Augenblick, wenn Er wieder „das Buch” nimmt, nicht aus der Hand des Dieners, sondern aus der Hand Dessen, der auf dem Throne sitzt (nicht dem Throne der Gnade, sondern dem Throne der „Blitze, Stimmen und Donner”), und dann folgt die Fortsetzung der Stelle im Jesaiasbuche: „und der Tag der Rache...”, dann beginnt der „Tag Seines Zornes” (vgl. Stellen wie Jes. 13,13; Zeph. 2,1 und viele andere!).

Wenn der heutige Tag der Gnade sein Ende gefunden hat, wird Gott den Erstgeborenen in den Erdkreis einführen - Er soll das Erbe jetzt in Besitz nehmen. Durch Gerichte reinigt Er das Erbe, und Gerichte bahnen den Weg zum Tag Seiner Herrschaft. Nicht das Evangelium leitet das Kommen des Sohnes des Menschen und Sein Reich ein, sondern Gerichte. Wenn der Unterschied nicht beachtet wird zwischen der jetzigen Zeit der Gnade und der kommenden Zeit Seines Zornes, so kommt man dahin, dem Evangelium das zuzuteilen, was Gott durch Gerichte wirken will, und beim ersten Siegel von dem Siegeslauf des Evangeliums zu reden, der das Kommen des Sohnes des Menschen und Seines Reiches einleiten soll. Die solches sagen, verkennen ganz den Charakter des Tages Seines Zornes und unterscheiden nicht die verschiedenen Verwaltungsperioden Gottes. Gewiß, durch die Predigt des Evangeliums des Reiches werden Seelen gerettet, aber Seine Vorsätze für jenen Tag werden durch die Hand Seiner Macht in Gericht ausgeführt, von dem Throne aus, aus dem Blitze hervorgehen.

Als das erste Siegel geöffnet wird, ertönt die Donnerstimme über die Erde. Der erste Reiter erscheint auf weißem Pferde. Weiß ist die Farbe der Überwinder (Off. 3,5 u. a.), und mit dem Rosse ist der Gedanke der Macht und Stärke verbunden (Hiob 39,19-25; Ps. 147,10 u. a.), so dass wir in dem ersten Reiter eine überwindende Macht erkennen, deren Siegeslauf, wie es scheint, weniger durch Blut als durch die Macht einer gewaltigen Person und Diplomatie gekennzeichnet ist. Die unverkennbare Ähnlichkeit des Reiters mit Christo in Off. 19,11-13 leitet schon zu dem Gedanken, dass wir hier das erste Auftreten der dämonischen Antichristusmacht haben, mit der auch die späteren Gerichte verwoben sind, dieser satanischen Macht, die sich in zwei Personen, dem Fürsten und dem Antichristen, verkörpert (Off. 13 u. 19,20). (Vergl. Fr. 43, Jahrg. 1914!)

In dem ersten Siegel, glaube ich, haben wir es zunächst mit dem ersten Auftreten des Tieres zu tun, mit dem kommenden Fürsten des neu erstehenden römischen Reiches, der im Anfang der Woche den Bund mit Israel macht, was auch schon daraus hervorgeht, dass er bereits in der Mitte der Woche die Opfer aufhören lässt (Dan. 9,27) und in dessen Macht etwas später „der” Antichrist auftritt. Eine Krone - die Königswürde - wird ihm gegeben, so dass es scheint, er habe solche (ähnlich einst Napoleon) vorher nicht gehabt. Es muss eine gewaltige Person sein, diese kommende Geisel der Menschheit! Er hebt das Gleichgewicht der Mächte völlig auf, von dem heute so viel geredet wird.

Auch andere Schriftstellen, glaube ich, bestätigen es, dass wir mit dem Anfange des Tages Seines Zornes auch gleich das Auftreten der Antichristusmacht zu erwarten haben. In 2. Thess. 2,7.8 spricht der Apostel von dem gegenwärtigen „Jetzt” und dem zukünftigen „Dann”, und das Erste, was dem „Jetzt” folgt, ist das Erscheinen des „Gesetzlosen”, der dann später durch den Herrn Jesus vernichtet wird. - Wenn der Heilige Geist und mit Ihm die Gemeinde (Seine Wohnstätte) von der Erde weggenommen ist, dann ist das Hindernis, „das, was zurückhält”, beseitigt und die Bahn frei für den Antichristen (V. 6 u. 7). Das Salz ist hinweg, und das Verderben kommt schnell. Wie furchtbar, wenn der „Christus” der Welt kommt - dem fällt sie zu Fuß, und ihm gibt sie die Krone; als aber der „Christus Gottes” kam, da rief sie: „Hinweg mit diesem!” - Auch in Mt. 24 beginnt der HERR mit dem Antichristentum. Er Selbst bringt Seine Belehrungen in diesem Kapitel mit der 70. Woche Daniels in Verbindung (V. 15). Es müßte uns deshalb befremden, wenn wir darin keine Übereinstimmung mit Off. 6 fänden. Bis zum 14. Vers spricht Er von dem „Anfang der Wehen”, die das „Ende”, die „große Drangsal” einleiten (s. V. 6.8.14.21.28-30). Mit dem 15. Vers zeigt Er uns die „Hälfte der Woche” (Dan. 9,27) und damit das siebente Siegel der Offenbarung, welches die sieben Posaunen, Schalen usw. in sich birgt, während die ersten sechs Siegel mit den Versen 5-14 übereinstimmen. (Natürlich abgesehen von anderen Gesichtspunkten in diesem Abschnitt.) Wir sehen also: auch der HERR beginnt die Zeit der Gerichte mit dem Antichristentum: V. 5 (1. Siegel).
Dann folgt V. 6 u. 7: Krieg (2. Siegel), Hungersnot (3. Siegel), Seuchen (4. Siegel), Erdbeben (6. Siegel). Der 9. Vers beginnt mit einem „Dann” (d. h. dann in dieser Zeit, während diese Dinge vorgehen und das V. 10-14 Gesagte geschehen wird, werden sie euch töten) (5. Siegel). Es ist die Verfolgung des Überrestes. Der HERR zeigt, welches Los die Gläubigen haben in der Zeit, während das Böse fortschreitet. Ihr Schrei nach Rache (Off. 6,10) ist Gericht für die Welt.
v. d. K.

Anmerkung des Herausgebers

Off. 6 wird heute vielfach auf die gegenwärtigen Kriegswirren bezogen, wie wir überzeugt sind, durchaus mit Anrecht, was ja auch die obigen reichhaltigen Antworten bezeugen. Wir beabsichtigen nicht, die in vorstehenden Antworten gegebenen Beweise dafür zu wiederholen, aber wir möchten auch unsererseits denen zu helfen versuchen, die dies Kapitel, im Grunde es entleerend, auf die jetzige Zeit beziehen; wir möchten auf einige Tatsachen des Kapitels selbst eingehen.
Das ganze Kapitel ist, was außer anderem schon die in V. 1 angegebene Vollzahl 7 beweist (vgl. Seite 116, Absatz 1!), ein einheitlich geschlossenes; es bezieht sich auf eine Zeitperiode; alle sieben Siegel, von denen sechs in Kap. 6, das siebente in Kap. 8 eröffnet werden, werden nacheinander in einer Zeitperiode statthaben, die vom Anfang bis Ende den gleichen Charakter trägt, den der Gerichte!

Wenn also die Zeitperiode, in die Off. 6 fällt, die gegenwärtige wäre, so müßten im Verlaufe der jetzigen Zeit die beiden eigentümlichen Gebete des 5. und 6. Siegels gebetet werden auf Erden (Vers 10 und 16.17)! Wie sehr aber widersprechen beide, vorzüglich das erste, dem Charakter der gegenwärtigen Gnadenzeit! Die Bitte um Rache ist nicht die Bitte dieser Zeit! Diese jetzig Gnadenzeit mit denen, die ihr angehören (vgl. Eph.2-3!), muss erst abgelöst sein durch eine andere Zeitperiode, und das erfolgt am Schlusse von Kap. 3, worauf in Kap. 4 und 5 die Gläubigen der Jetztzeit im Himmel gesehen werden. Diese Ablösung kann nicht mitten in Kap. 6 geschehen (wo etwa?), da sonst der einheitliche Charakter desselben zerrissen würde und Kapitel 4 und 5 bedeutungslos würden. Ferner: Vers 8 ist höchstens ein Schatten von dem Zukünftigen, wenn etwa 500 Millionen Menschen (der vierte Teil) untergehen, und zwar auch durch die wilden Tiere! - Weiter zurück V. 5 u. 6! Eine solche ungeheure Teurung auf der ganzen Erde, wie dort angegeben, ist nicht in der jetzigen Zeit zu erwarten - warum nicht? Weil wir eben noch in der Gnadenzeit leben und Gott „Seine Sonne aufgehen lässt und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte”; das ist kein Zeichen von Gerichtszeit! Diese kommt aber, und dann gibt's keine Ernte mehr, wie wir sie erwarten können; - und wenn wir sie in Deutschland nicht hätten, so hätten andere Länder gute Ernte, und es gäbe also keine allgemeine Teurung, wie sie hier in diesen Versen gemeint ist. - Auch der Wortlaut von V. 4 ist gegen die Annahme, dass wir jetzt mitten in der Eröffnung der Siegel stünden; noch gibt es Frieden auf Erden, und die Friedlosigkeit heute zwischen etlichen der zwar bedeutendsten Länder ist ein wohl doch nur schwaches Abbild von dem Zustand in der Zeit, wo der Friede tatsächlich von der Erde weg genommen ist!

Viele Gläubige übersehen auch völlig, dass die mit Off. 6-19 in Verbindung stehenden kriegerischen Ereignisse religiösen, und zwar antichristlichen Charakter (Wesen) tragen, wie schon Kap. 6,9.10 deutlich zeigen (vgl. auch Mt. 24, besonders V. 15; siehe auch Antwort D!). Schon deshalb haben die gegenwärtigen rein weltlich-politischen Kriege nichts damit zu tun! Noch wichtiger aber vielleicht sind die Beweise gegen die Annahme, als befänden wir uns in der Zeit der Siegeleröffnung, die, welche in dem Aufbau der Offenbarung liegen, und darüber ist in obigen Antworten viel Licht gegeben.

Lassen wir uns durch nichts erschrecken! (2. Thess. 2,1ff.) Was wir zu erwarten haben in der Gegenwart, ist nicht die „große Trübsal”, noch sind wir bereits am Anfang oder mitten in derselben! Kriege hat es immer gegeben, solange die Sünde ist, und je schlimmer es mit dieser wird, desto schlimmer auch mit den Folgen derselben! Aber wir erwarten den Herrn Jesus, der uns errettet vor dem zukünftigen Zorn (1. Thess. 1 u. 4). Er nimmt uns aus der Welt, in der wir in Kriegs- wie auch in Friedenszeiten allezeit Drangsal haben (Joh. 16,33), und Er tut es vor der Erfüllung von Off. 6! Denn wir sind nicht von der Welt und haben daher auch nichts mit den Gerichten über dieselbe zu tun! (Lies noch 1. Thess. 5,8-11.) - Gepriesen sei Sein herrlicher Name!


Beantwortet von: Team Handreichungen
Quelle: Handreichungen - Band 3 (1915)