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Haltet euch der Sünde für tot!

Wie ist die Schriftstelle Röm. 6,11 zu verstehen: „Haltet euch der Sünde für tot!“?

Antwort

Wenn die Gnade Gottes in uns die Sündenerkenntnis bewirkt hat, nach dem, was uns in Römer 3 vorgestellt wird, so ist das der Anfang des Werkes Gottes. Dieselbe Gnade führt uns dann weiter zur Erkenntnis der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Diese Gnade der Erlösung wird unser durch den Glauben an „Sein Blut“. Der Glaube ist das Mittel, das uns das Heil ergreifen und uns schließlich aufjauchzen läßt. Die Schuld ist weggetan. Wir sind gerechtfertigt aus Glauben, wir haben Frieden mit Gott, und wir dürfen nun die Liebe Gottes genießen. (Röm. 3,24 - 5,10.)

Wie wir nun früher durch die natürlichen Bande lediglich mit dem natürlichen Haupt der Menschheit, mit Adam, verbunden waren, so sind wir nunmehr auch mit dem Haupte der neuen Schöpfung, unserem Herrn Jesus Christus, verbunden und mit Ihm in Lebensgemeinschaft getreten. Die Annahme des Erlösungswerkes Christi bedeutet auch ein „Einsgemachtsein“ mit dem gekreuzigten, gestorbenen und auferstandenen Heiland. Diese Wahrheit müssen wir, gleicherweise wie die von der Vergebung und Rechtfertigung, durch Glauben aufnehmen. Die biblische Wassertaufe ist der äußere Ausdruck unseres Einsseins mit Ihm in Seinem Tode und Begrabensein, woran sich - ohne daß die Taufe selbst das ausdrückt - der Gedanke des Mit-Ihm- Einsseins auch in Seiner Auferstehung unwillkürlich anschließt. (Vgl. V. 5.) Doch liegt der Schwerpunkt auf dem Wort Tod. „Wisset ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden, auf Seinen Tod getauft worden sind?“ Mit Ihm gestorben, sind wir nun freigesprochen von der Sünde. Für einen Gestorbenen kann die Sünde nicht mehr in Frage kommen; er ist ja tot. An uns ist es nun, durch Glauben in einem gleichen Zustand zu sein in bezug auf das Wirken der Sünde in uns. Die Sünde wirkt noch in uns, ja, bisweilen sehr arg; aber wir sollten uns wie Tote zu ihr verhalten. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, und die Frage taucht auf: Was ist zu tun, um diese Aufforderung in die Tat umzusetzen?

Ich wüßte von keiner Stelle, die uns ermahnt, gegen die Sünde zu kämpfen, sondern wir sollen sie fliehen. (Siehe 1. Kor. 6,18; 10,14; 1. Tim. 6,11a; 2. Tim. 2,22a.) Würde uns gesagt, gegen die Sünde zu kämpfen, so wäre die Folge, daß wir aus eigener Kraft einen Kampf beginnen würden, der sicherlich in den meisten Fällen mit unserer Niederlage endete. Immerhin ist das „Für-tot-Halten“ oder, wie es Röm. 8,13 heißt, das „Töten“ für die alte Natur schmerzlich und in gewisser Hinsicht ein Kampf; aber nicht ein Kampf in eigener Kraft. „Wenn ihr durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben.“ Darin scheint mir das Schwergewicht zu liegen. Dieses „Töten“ umschließt eine starke Willensäußerung. Der Apostel sagte von sich: „Ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft, auf daß ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.“ (1. Kor. 9,27.) Er lebte enthaltsam. In nichts ließ er dem Fleische Raum. Durch die Energie des Heiligen Geistes war er Herr darüber.

Lassen wir dem Wirken des Geistes Raum in uns, ruhen wir in der Gemeinschaft Dessen, der, um uns von der Knechtschaft der Sünde zu befreien, am Kreuze für uns sterben mußte, ist das Wort unsere tägliche Speise, beharren wir im Gebet, so ist der Weg gegeben, um die alte Natur im Tode zu halten. Deshalb: „Wachet und betet!“
In Röm. 6,11 heißt es aber nicht nur: „haltet euch der Sünde für tot“, sondern es heißt weiter: „Gott aber lebend in Christus Jesus“. Beides gehört zusammen. Ist es nicht ein herrlicher Gedanke, daß wir, mit Christus gestorben, jetzt in Ihm, in der innigen Verbindung mit Ihm, für Gott leben dürfen? Dazu sind wir berufen. Wie von Christus gesagt wird: „Was Er aber lebt, lebt Er Gott“, so soll auch unser Leben in der Kraft der Auferstehung ein Leben für Gott sein.

Römer 7 zeigt uns noch eine andere Seite des Erlösungswerkes, nämlich die Befreiung vom Gesetz. Auch diese Wahrheit fußt auf der Tatsache, daß wir, weil wir Gestorbene sind mit Ihm, nunmehr frei sind von den Forderungen des Gesetzes. Das Strafrecht des Gesetzes ist erfüllt worden in dem Tode unseres HErrn. Das Gesetz herrscht über den Menschen nur, solange er lebt. Auch hat es kein Strafrecht mehr an den Erlösten, weil dieser „dem Gesetz getötet worden ist durch den Leib des Christus“ und darum „von dem Gesetz losgemacht“ worden ist. (Röm. 7,4a u. 6a.)

Gepriesen sei der Name unseres HErrn und Heilandes, der dieses große Werk der Erlösung und der Befreiung vollbracht hat!
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Beantwortet von: Team Handreichungen   Hits: 1160
Quelle: Handreichungen - Band 23 (1938)