Wer sind die 24 Ältesten und die 4 lebendigen Wesen?

Wer sind die 24 Ältesten und die 4 lebendigen Wesen in Offb. 4,4.6 und 5,6.8?

Antwort A

Nicht gering ist die Zahl der Ausleger, welche meinen, dass unter den 24 Ältesten Engelfürsten zu verstehen seien, indem sie sagen, dass sie nicht von sich als Erlöste reden, sondern von anderen (vgl. Off. 5,10: „sie”).

Letzterer Beweis ist ein sehr schwacher, da doch zur Zeit der anbetenden Ältesten auch Heilige auf der Erde sein werden, die wie die Ältesten durch Blut erkauft sind, wofür sie das Lamm anbeten; übrigens finden wir in Vers 8 „die Gebete der Heiligen”, nicht aber die Gebete der 24 Ältesten, da letztere keine Bedürfnisse mehr haben wie die Heiligen auf der Erde; darum finden wir auch in Verbindung mit den Ältesten: Ruhe, Sicherheit und Anbetung (4,10; 5,14).

Es ist leicht nachzuweisen, dass unter den Ältesten nicht Engel zu verstehen sind, weil uns schon im A. T. der Thron Gottes wohl mit den lebendigen Wesen, aber nie mit den 24 Ältesten gezeigt wird, was der Fall sein müßte, wenn darunter Engelfürsten zu verstehen wären, da dieselben doch immer den Thron umgeben haben würden. Sie waren ja schon zur Zeit der Weltschöpfung da (vgl. Hiob 38,7). Dazu sagt man noch, dass die Priester- und Sängerabteilungen in 1. Chr. 24 und 25 Bilder von einer schon damals bestehenden himmlischen Priesterschar gewesen wären.

Nur merkwürdig ist es, dass wir nie etwas davon hören noch sehen, bis wir zum vierten Kapitel des letzten Buches der Bibel kommen, obwohl uns auch im A. T. Blicke vom Thron Gottes und Blicke in die Himmel gegeben werden (vgl. Jes. 6; Hes. 1; Dan. 7; N. T. Apg. 7). Auch finden wir nie in der Bibel, dass Engel oder Engelfürsten in der Gegenwart Gottes eine sitzende, d. h. ruhende Stellung einnehmen, sondern stets eine stehende, d. h. dienende Stellung (vgl. Lk. 1,19; 1. Kön. 22,19; Jes. 6,2; Dan. 7,10; Hebr. 1,14). Auch finden wir nicht, dass Engel priesterlichen Dienst ausüben; dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Es ist das Vorrecht Erlöster, weil Christus, ihr Heiland und HERR, der große Hohepriester ist. Ich hege nicht den geringsten Zweifel, dass unter dem Engel Off. 8,3 und 10,1 sowie Mal. 3,1 Christus Selbst zu verstehen ist. Auch werden, soviel ich weiß, Engel nie „Älteste” genannt, noch sehen wir sie geschmückt mit goldenen Kronen, dem Zeichen königlicher Würde (vgl. Hebr. 2, 5-8; 1. Kor. 6,2.3; 1. Petr. 2,5.9). Engel sind gekennzeichnet durch Macht (Ps. 103,20), doch Älteste, Erlöste durch Weisheit (vgl. Off. 5,14 und 7,13; Eph. 3,10). Ferner singen die Ältesten (was nicht, ja nie von Engeln gesagt wird) ein neues Lied: das Lied der Erlösung, sie kennen Gott durch Jesum Christum in Seiner wunderbaren Gnade und sind im Genuß Seiner unendlichen Liebe, so dass sie in Wahrheit nur anbeten können (Off. 4,11; 5,14).

Dass sich die Ältesten von den Engeln (Off. 5) und den lebendigen Wesen unterscheiden, zeigt nur zu klar, dass man in ihnen die verwandelten, auferweckten und verherrlichten Heiligen zu verstehen hat. Die Beweise dafür könnten leicht vermehrt werden. Was wir unter den vier lebendigen Wesen zu verstehen haben, darüber gibt das A. T. reichlich Aufschluß (vgl. 1. Mose 3,24; 2. Mose 25,17-22; Hes. 1,4-14).
Der HERR gebe uns allen Gnade, Sein Wort und Seine Gedanken und über alles Ihn selbst besser kennen zu lernen!
K. O. St.

Antwort B

Die Zahl 24 umfaßt die ganze Priesterordnung, alle Abteilungen (1. Chr. 24). So hatte Gott es David im Muster sehen lassen und ihn unterwiesen durch Geist und Schrift (1. Chr. 28,11-13 und 19). Viele treue Schriftforscher sehen in den 24 Ältesten, und wohl mit Recht, die ganze Schar der Gläubigen Alten und Neuen Testamentes, die ganze Schar derer, die des Christus sind bei Seiner Ankunft. So wie wir in der Zahl 24 die ganze Priesterordnung - und so wie wir in den Häuptern der Stämme das ganze Volk sehen (4. Mose 7,2; 17,6), so sehen wir in den 24 Ältesten die ganze Schar derer, die unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht sind. Nicht einer fehlt, der dieser Schar und Ordnung angehört. Nicht 23, sondern 24 - alle -, die ganze bluterkaufte Schar wird vor dem Throne Gottes gesehen in königlichem und priesterlichem Schmucke, ehe auch nur eins der Gerichtssiegel (Off. 6) geöffnet ist und über die Erde geht. Die Kronen zeigen ihre königliche Würde und die Schalen voll Rauchwerk ihren priesterlichen Charakter. Sie haben Einsicht und Erkenntnis über das Walten Gottes und aus ihrem Munde wird Anbetung dargebracht.

Man hat versucht, diese Auslegung, dass in den 24 Ältesten die Erlösten aller Zeiten zu sehen seien, mit dem Hinweis zu entkräften, dass das „uns”, welches Luther in Off. 5,9 zugefügt, im Wortlaut fehle. Solche Folgerung ist völlig haltlos. Das Fehlen des „uns” ändert durchaus nichts. Es zeigt nur, dass in dem Jubelgesang nicht ihr Teil, was sie empfangen haben, sondern Gottes Seite, die herrliche Vollendung Seiner Absichten im Vordergrund steht. „Du hast für Gott erkauft ...” Der Gesang feiert, was das Lamm ist und was das Lamm getan, und dass es für Gott ist. Das „Uns” verschwindet dort - unsere Segnungen sind nicht das Hauptthema dort. Wir sind hienieden so sehr und oft nur mit der einen Seite der Erlösung: was sie uns gebracht hat, beschäftigt, und zeigen für die andere Seite: was sie für Gott ist, oft wenig Verständnis. Der himmlische Gesang zeigt uns, dass es dort oben anders ist.

Während wir in den 24 Ältesten die Familien der Heiligen aller Zeiten erkennen, führen uns die vier lebendigen Wesen zu einer Klasse von himmlischen Wesen. Die vier lebendigen Wesen sind nicht Engel, denn sie werden in Off. 5,11 von den Engeln unterschieden. In Hes. 1,5ff.

finden wir auch vier lebendige Wesen. Diese vier lebendigen Wesen, welche Hesekiel am Flusse Kebar sah, werden Hes. 10,15 Cherubim genannt. In der Schrift finden wir Cherubim und Seraphim. Mit beiden haben beim Vergleich die vier lebendigen Wesen Einzelheiten gemeinsam, sowohl in der Erscheinung als auch in der Beschäftigung. Die Cherubim finden wir bei der Ausführung der Gerichte Gottes (1. Mose 3,24), ebenso auch die vier lebendigen Wesen. (Siehe Off. 6 u. a.) Die Seraphim finden wir mit dem Thron Gottes und mit dem Rühmen Seiner Heiligkeit und Herrlichkeit verbunden, ebenso die vier lebendigen Wesen. (Vergl. Off. 4,8.9 mit Jes. 6,1-3.) Wie wenig wissen wir von den wunderbaren, himmlischen Wesen, die alle bereit stehen zu Seiner Ehre und zur Ausführung Seines Willens!
Die Offenbarung ist das Buch der Gerichte und des Triumphes Gottes über jede Macht des Bösen zu der Zeit, wenn der jetzige Tag der Gnade sein Ende gefunden hat. Die vier lebendigen Wesen umgaben den Thron, aus welchem die Gerichte hervorgehen, und ihre Erscheinungen gleich einem Löwen, Stiere usw. geben den Gerichten bestimmte Charakterzüge. Gleiche Anklänge finden wir auch in den vier Evangelien. Doch handelt es sich dort um Gnade, hier um Gericht - dort um den Fleisch gewordenen Sohn Gottes, hier um den Thron Gottes. In Matthäus können wir den Löwen aus Juda, den König der Juden, - in Markus den Stier, den unermüdeten Diener und Arbeiter, - in Lukas den Sohn des Menschen - in Johannes den Adler, den, der im Himmel ist, den Sohn Gottes, unterscheiden. Und ebenso wie die Gnade Gottes, im Sohn erschienen, ein vierfaches Gepräge trägt, so tragen auch die aus dem Throne Gottes hervorgehenden Gerichte ein vierfaches Gepräge, die den Charakterzügen der vier lebendigen Wesen entsprechen. Diese Gerichte dürften das Gepräge der 1.) unwiderstehbaren Macht in 2.) unermüdeter Kraft mit 3.) vollkommener Einsicht in 4.) überirdischer Schnelligkeit tragen, welch weitere und andere Züge in der Gestalt der vier lebendigen Wesen auch außerdem noch gefunden werden mögen.
v. d. K.

Anmerkung des Herausgebers

Diesen klaren Antworten haben wir nichts Wesentliches mehr hinzuzufügen. Wir möchten nur noch einmal darauf hinweisen, dass diese Gesichte, die Johannes sieht, Abbilder („Zeichen”) dessen sind, „was bald geschehen muß” - „nach diesem” (Off. 4,1), d. h. nach Abschluß der Gemeinden auf Erden, also nach der Entrückung. Als Johannes diese Gerichte sah, waren sie zeitlich noch nicht eingetreten, wie sie es heute noch nicht sind. Aber Gott steht über der Zeit, von Ihm aus gesehen ist das Ende mit dem Anfang da (Jes, 46,10). Darum sind diese Gesichte, die Johannes „im Geiste” sah, auch mehr als nur Visionen, Erschein ungen, es sind Tatsachen, die in Zeichen oder Abbildern, dem Verständnis des Schauers entsprechend, dargestellt sind.

So sah Johannes nicht die Erlösten selbst, aber in den 24 Ältesten die Abbilder der Erlösten. Warum „Älteste?” Wie die Ältesten in den Gemeinden des HERRN auf Erden gewissermaßen die Vertreter der Glieder der Gemeinde waren, so sind in diesen sich wesenhaft als „Älteste” Darstellenden gewissermaßen die Vertreter der aus jedem Stamm usw. Erkauften (V. 9.10) abgebildet.

Johannes sah die vier „lebendigen Wesen”, aber er sah sie in einer ihm faßlichen Darstellung (V. 7). Kurz: Er sah Tatsachen, aber in Zeichen oder Abbildern, die ihm und durch ihn uns ein Abbild geben von dem, was bald geschehen muß! Je mehr wir „mit Geist erfüllt” sind (Eph. 5,18: „seid!”), desto köstlicher werden uns diese gewaltigen Dinge werden, und wir werden schon jetzt staunend anbeten, und um so mehr, als wir gegenwärtig durch die Leiden dieser Zeit beschwert sind, uns sehnen nach der tatsächlichen Erfüllung dieser uns geschenkten Offenbarungen! „Was bald geschehen muß!” - So bitten und flehen wir: „HErr Jesu, komme bald!


Beantwortet von: Team Handreichungen
Quelle: Handreichungen - Band 2 (1914)