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Das Huhn

Gotthold sah eine Gluckhenne mit ihren Küchlein daher ziehen, und als er eine Weile zugesehen, wie sehr sie ihr Häuflein sich ließ angelegen sein, gerieth er darüber in folgende Betrachtung: es wird, sprach er bei sich selbst, von wenigen erkannt, wie viel Wohlthaten der milde Schöpfer aller Dinge uns an diesem einigen Vogel erwiesen und verliehen hat. Wir haben an demselben eine niedliche und schmackhafte Speise, maßen denn ein junges Huhn vielem andern Fleisch vorgezogen wird. Es legt uns die Eier, welche ohne einige Widerrede für Junge und Alte, für Kranke und Gesunde dienen, und damit wir ihrer nicht leicht Mangel haben möchten, hat Gott das Huhn mit sonderlicher Fruchtbarkeit begabt, daß es etliche Monate nach einander fast alle Tage legen muß. Die Gluckhenne ist von unserm Erlöser gewürdigt, sein Bild zu sein, maßen er sagt, er habe das ungehorsame Jerusalem oft wollen versammeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt, Matth. 23, 37., und ist fürwahr an ihr zu sehen ein rechtes Wunder der natürlichen Liebe, weil sie, also zu reden, ihrer Natur Gewalt thut, ihre Stimme ändert, an die Erde wider ihre Gewohnheit sich setzt, aufs fleißigste scharrt und, wenn sie ein Körnlein oder Würmlein gefunden hat, es unter ihre Küchlein theilt, dieselben mit ihren Flügeln deckt, wider die feindlichen, schädlichen Thiere sie fast über Vermögen schützt und allerlei Beschwerde und Angelegenheit ihrethalber ganz willig vorlieb nimmt. Der Hahn ist als eine lebendige Uhr, ein Wetterprophet, ein Wächter, der den Tag anmeldet und die Menschen zur Arbeit weckt und aufmuntert, der auch, wie aus der Geschichte vom Fall des h. Apostel Petrus bewußt, uns mit seinem Geschrei der Buße und Besserung unseres Lebens erinnern kann. Herr, mein Gott!, deiner Wohlthaten sind sehr viele, der Herzen aber sind wenig, die ihrer achten und dir dafür danken. Ich will mir festiglich einbilden, so oft ich bei Tag oder Nacht einen Hahn schreien höre, daß er ruft: Lobe Gott, den Herrn! so oft ich ein Huhn ansehe, will ich, mein Herr Jesu! deiner Güte und Treue mich erinnern und in allen Begebenheiten unter deinen Gnadenflügeln Zuflucht haben; wer will mir dann schaden können?

Quelle: Christian Scriver - Gottholds zufällige Andachten
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