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Die Schwalbe

In der Frühlingszeit nahm Gotthold in Acht, wie die Schwalbe an einem Kirchenfenster ihr Leimenhaus anzuhängen und zu bauen geschäftig war; sie trug den Koth mit ihrem Schnabel zusammen, mit welchem sie ihn auch verarbeitete, und wie wenig sie auch auf einmal führen kann, so brachte doch ihr unermüdeter Fleiß und die stetige Arbeit es in kurzem dahin, daß sie ihr Gebäude in die Runde schloß und ausführte. Hier hab ich, sagte er bei sich selbst, eine artige Vorstellung eines arbeitsamen gottseligen Menschen; mancher fängt seine Nahrung wol so gering an, als dieses Vöglein, welches nichts hat, als was ihm Gott beschert und es mit seinem Schnabel zusammenträgt, jedennoch aber, wenn er nicht müde wird im Gebet, Gottseligkeit und fleißiger Arbeit, so beschert ihm der milde Geber aller Güter heute einen Pfennig, morgen wieder einen, bis er sich einen Vorrath sammelt, daß man sich wundern muß. Und halt ich gänzlich dafür, daß eben darum der Höchste oftmals reicher Leute Kinder läßt verarmen und armer Leute Kinder reich werden, daß die Welt lerne verstehen, es sei alles an seinem Segen gelegen. Wenn nun aber, mein Gott! vermittelst deines milden Segens die stetige Arbeit so viel vermag, so habe ich solches auch in Sammlung des geistlichen Reichthums in Acht zu nehmen; mein Vermögen ist gering, mein Glaube ist schwach, jedennoch will ich im Vertrauen auf deine gnädige Hülfe nicht zweifeln, daß durch stetige Uebung und gottselige Arbeit mein Christenthum täglich wachsen und sich bessern wird. Du hast doch im Gebrauch, daß, wenn du etwas Großes machen willst, du vom Geringen, ja von nichts den Anfang machst, auf daß allein deiner überschwenglichen Kraft und unverdienten Gnade der Ruhm verbleibe. So will ich auch am glücklichen Zunehmen meiner Gottseligkeit, wie gering sie auch jetzt ist, nicht verzagen, so lange dein guter Geist in mir zu wirken und an mir stets zu bessern nicht nachläßt. Lehre mich, mein Gott! allezeit thun nach deinem Wohlgefallen, dein guter Geist führe mich stets auf ebner Bahn! Ps. 143, 10.

Quelle: Christian Scriver - Gottholds zufällige Andachten
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