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Predigten zu 1. Könige 18,45

"Und es geschah unterdessen, da ward der Himmel schwarz von Wolken und Wind, und es kam ein starker Regen; und Ahab bestieg den Wagen und ging nach Jisreel."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Das Wölkchen wie eines Mannes Hand

"Und beim siebten Mal sprach er: Siehe, es geht eine kleine Wolke auf aus dem Meer wie eines Mannes Hand."

Wir schauen das kleine Wölkchen an, das aus dem Meer aufgeht, das dem Elia gemeldet wird und diesem die Gewissheit gibt, dass nun der Regen komme. Was predigt uns dieses Wölkchen?

1. Das Gebet des Glaubens wird endlich dennoch erhört

Sechsmal kam der Diener mit der Meldung, nichts sei da. Vom siebenten Gang auf die höchste Spitze kommt er mit der frohen Botschaft zurück: "Eine Wolke geht auf." Dieses Wölkchen ruft uns zu: "Bruder, Schwester, gib dein Flehen nicht auf!" Es kommt die Zeit, wo die Erhörung naht, so gewiss, wie hier endlich das Regenwölkchen erschien. Hat nicht Josua "bis auf den Abend" (Jos. 7, 6) vor der Lade Gottes liegenbleiben müssen, bis die göttliche Antwort kam und ihm den Weg zum Sieg zeigte? Musste nicht die Jüngerschar vor Pfingsten Tag für Tag weiterflehen bis die Verheißung des Vaters kam (Apg. 1,4 und 14)? Hat nicht die Gemeinde "ohne Aufhören" gefleht, bis Petrus aus dem Gefängnis befreit wurde (Apg. 12, 5 und 7)? Blieb nicht die Witwe vor dem ungerechten Richter stehen mit der immer gleichen Bitte: "Rette mich vor meinem Widersacher!" (Lk. 18, 3-5)? Bete weiter, bis das Wölkchen erscheint!

2. Der Glaube kann schon in kleinen Anfängen die ganze Erhörung erkennen

Wie gering war das Wölkchen! Nur wie eine Hand groß. Aber dem Glauben genügte es. Der Himmel musste nicht erst schwarz werden von Wolken, ehe Elia die Erhörung schaute. Treue Beter bekommen Blicke für herankommende Erhörung. Als August Hermann Francke (1663-1727) eine Waisenanstalt in Halle an der Saale bauen wollte, nahm er die kleine Geldsumme von drei Talern als Angeld für das Gelingen an. Er sah in diesem Geschenk einer armen Magd "das Wölkchen wie eines Mannes Hand" . Es war wie bei Elia. Da war Glaube. Der Zweifel hätte gesagt: "Wir wollen erst warten, bis der Himmel Gewitterfarbe zeigt." Aber der Glaube erkannte in dem Wölkchen schon den herabrauschenden Regen. Wie oft ist dies im Geistlichen der Fall! Haben nicht treue Beter oft ein Gespür dafür, dass sich geistlicher Gnadenregen naht, dass sich Erweckungszeiten anbahnen? Hat nicht mancher treu betende Vater an kleinen Kennzeichen gemerkt: Jetzt geht bei meinem Kind etwas Neues vor? Wir sind oft begierig auf die neuesten Nachrichten. Niemand pflegt so sicher die kommenden Ereignisse vorauszusehen wie die treuen, anhaltenden Beter. Gott mache uns zu solchen!

3. Gottes Wirken fängt oft unscheinbar an

Endlich sagt uns das Wölkchen: Die großen, herrlichen Gnadenwirkungen Gottes fangen oft ganz klein und unscheinbar an. Seit Jahren seufzte das Land nach Regen. Jetzt endlich kam diese ersehnte Flut. Und mit dem verächtlich außehenden geringen Wölkchen hielt diese neue Gnadenzeit ihren Einzug. Die Art der Welt ist umgekehrt. Sie liebt es, groß und imponierend zu erscheinen. Sie bringt aber doch nur wenig oder nichts von wahrer Erquickung zustande. Sie ist wie "Wolken ohne Wasser" (Jud. 12). Aber Gott macht es umgekehrt. Da sieht es oft so aus, als ob gar nichts vorhanden wäre. Gott lässt sein Reich anfangen wie ein kleines Senfkorn. Aber hernach wächst es zu einem Baum, der alle Länder überschattet. War nicht das Kindlein in Bethlehem so unscheinbar und gering wie das kleine Wölkchen? Und wie sind Himmel und Erde gelabt worden durch seine Gnadenströme!