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Predigten zu 1. Könige 19,5

"Und er legte sich nieder und schlief ein unter dem Ginsterstrauch. Und siehe da, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Stehe auf, iß!"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Stehe auf und iss! Du hast einen großen Weg vor dir."

Wie wunderbar hat Gott den Elia sonst erhört! Auf seine Bitte hin wurde der Himmel verschlossen und wurde wieder geöffnet. Auf sein Gebet hin fiel Feuer vom Himmel. Doch diesmal ging es nicht nach dem Wort (17, 22): "...und der Herr erhörte die Stimme Elias." Die Bitte: "Nimm nun, Herr, meine Seele", blieb ein nicht erhörtes Gebet. - Die großen Männer im Reich Gottes haben es öfter erleben müssen, dass Gott ihre Gebete abwies. Mose durfte nicht ins gelobte Land (5. Mose 3, 23), Paulus musste seinen Pfahl im Fleisch behalten, und Elias durfte jetzt nicht abscheiden. Doch Gott ließ seinen Knecht auch nicht in der Anfechtung stecken! Er sah des Propheten innerstes Verlangen an, und das war auf das Schauen göttlicher Herrlichkeit gerichtet. Dieses tiefste Sehnen wollte Gott stillen. Darum rief Gott ihn noch nicht ab. Er schenkte ihm vielmehr einen neuen Erweis seiner göttlichen Fürsorge. Ein Engel brachte dem Propheten Speise und Trank. Dann bescherte er ihm einen tiefen, erquickenden Schlaf und gab ihm einen neuen Auftrag. - Ja, Gott kann aus der Anfechtung erretten! Asaph sagt einmal: "Es war mir zu schwer, bis dass ich ins Heiligtum ging" (Ps. 73, 17). Dort schenkte Gott ihm eine rettende Offenbarung. Mose drohte zusammenzubrechen unter der Last des Volkes. Er schrie: "...Ich vermag das Volk nicht allein zu tragen! Erwürge mich lieber!" (4. Mose 11, 14 f.), - und Gott stellt ihm 70 Älteste zur Seite. Dem todkranken Hiskia, der bitterlich weinte, legte er noch 15 Jahre des Lebens hinzu (Jes. 38, 2-5). Besonders die Schwermütigen sollen sich das zu Herzen nehmen! Nicht ein Arzt, eine Erholung, ein Stärkungsmittel nach dem andern bringt Rettung (so wenig das alles zu verachten ist) - der Herr allein ist es, der aufrichtet alle, die niedergeschlagen sind (Ps. 145, 14).


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Siehe, ein Engel rührte ihn an

Aller Wahrscheinlichkeit nach rühren uns oftmals Engel also an, wenn Gefahr uns droht, oder wenn der Feind uns mit gräulichen Versuchungen naht. Die himmlischen Boten suchen uns hauptsächlich dann auf, wenn wir einsam und gedrückt sind; wenn krankhafte Verzagtheit an unsere Herzen heranschleicht; wenn wir im Kampf gegen das Böse zu unterliegen meinen und uns nach dem Tode sehnen, dass er dem langen mühevollen Streit ein Ende mache. Wir beachten nur allzu wenig diesen liebevollen Dienst.

Wie gnädig handelt hier der HErr mit seinem Knechte! Wir hätten Tadel oder Zurechtweisung, wenn nicht Züchtigung erwartet; und diese liebevolle, sanfte Behandlung setzt uns in Erstaunen. Ist dies der Mann, der Ahab und allen seinen Priestern trotzte. Er ist ja so schwach und ohnmächtig, wie jeder andere! Jawohl; aber Gott entdeckt unter der Oberfläche der Verzagtheit die kräftigen Quellen des Mutes und der Hingebung, die nur auf seinen Ruf warteten, um sich wieder offenbarlich zu zeigen. Der HErr wusste, was für ein Gemachte Elias war; Er dachte daran, dass er Staub war. Er vermochte wohl zu unterscheiden, zwischen der vorübergehenden Anspannung des Körpers, und dem Heldenmut des Geistes. Auch uns versteht Er in unseren Anwandlungen von Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. Wenn Engel dich berühren, sei es unmittelbar oder durch liebende Menschenhände vermittelt, so wirst du allemal das Brot und den Wasserkrug des Trostes in deiner Nähe finden. Gott weckt uns niemals auf, um uns dann zu enttäuschen; im Gegenteil, es ist Ihm eine unendliche Wonne, den Seinigen Güter mitzuteilen, die sie nicht erwartet, noch erbeten haben. Wird es im Sterben nicht auch also sein? Der Engel des Lebens wird uns berühren, und wir werden erwachen zum Genuss ungeahnter Freuden, die Gottes Liebe uns bereitet hat.