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Predigten zu 2. Mose 3,1

"Und Mose weidete die Herde Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian. Und er trieb die Herde hinter die Wüste und kam an den Berg Gottes, an den Horeb."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Mose blieb im Lande Midian."

Merkwürdige Gegensätze finden sich in Moses Erleben während seines Aufenthaltes in Midian. Etliches bleibt wie in Ägypten, etliches ändert sich. - Gleich zu Anfang wird Mose Zeuge einer Ungerechtigkeit. Freche Hirten stossen schwache Mädchen zur Seite. Was Mose aber in Ägypten nicht vermocht, das gelingt ihm hier: Er schafft den Unterdrückten Recht. - Geblieben ist ihm auch der Herzenstrieb zu helfen. Er kann nicht tatenlos zusehen, wo Ungerechtigkeit sich an Wehrlosen vergreift. Da muss er beispringen und dem Ohnmächtigen helfen. Darin sollte ja einst sein Lebenswerk bestehen. - Vollkommen anders aber war in Midian zunächst die Ehrenstellung des Mose. Einst war er königlicher Prinz gewesen. Jetzt ist er nur ein armer Schafhirte. Das mag ihm doppelt peinlich gewesen sein, sofern es (1. Mose 46, 14) einmal heißt: "Was Viehhirten sind, das ist den Ägyptern ein Greuel." - Wie anders war auch seine Stellung dem Gelde gegenüber. Als königlicher Prinz verfügte er über große Reichtümer. Jeden Wunsch hatte er sich sofort erfüllen können. Jetzt galt es, den Kostenpunkt sorgsam in Erwägung ziehen, wenn er für seine Familie das Notwendigste anschaffen wollte. - Das Schwerste wird dem Mann, "mächtig in Taten", gewesen sein, dass er Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt nichts zu tun hatte, als hinter der kleinen Schafherde einherzugehen. Die allerbesten Mannesjahre - er war Vierziger! - verstrichen mit Nichtigkeiten. Er wurde ein Greis, ein Achtzigjähriger! Und tatenlos musste er sein Leben verschleißen in der Wüste. - Doch hüten wir uns, Gottes Leitung zu kritisieren. Wir wollen lieber sinnend die göttliche Warteschule bedenken und uns daran freuen, wie Gott das Werkzeug für die Befreiung seines Volkes zurüstet.


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian."

Mose hat auf seiner Flucht eines Tages Rast gehalten an einem Brunnen in Midian. Da kamen etliche Hirtinnen, füllten die Tränkrinnen mit Wasser und wollten ihre Herde tränken. Es kamen aber Hirten hinzu und stiessen die Mädchen zur Seite. Mose erhob sich, leistete ihnen Beistand und half ihnen beim Tranken. Der Vater der Mädchen hörte davon und lud Mose ein, bei ihm zu bleiben. Mose aber wurde so - für 40 lange Jahre - Hirte in Midian. Welch ein Abstieg aus stolzer Höhe: die königliche Hoheit hütete Schafe! Zugleich aber auch: welch ein Aufstieg! Ein armer, kleiner Mensch kommt in die Hochschule des lebendigen Gottes, der sich zuletzt ihm in Herrlichkeit offenbart und zu einem Werk von Ewigkeitsbedeutung beruft. - Vorher freilich gab es allerlei zu lernen. Vorab: Geduld ! In der ersten Tat Moses lag etwas Ungeduldiges. Er konnte nicht warten, bis Gott selber Recht und Hilfe schaffte. In der Wüstenhochschule lernt Mose, auf Gott warten - 40 Jahre lang! Auch Demut musste Mose noch lernen. Vor ihm als dem Fürstensohn hatten selbst Minister und Würdenträger in Ehrerbietung sich geneigt. In Midian ist Mose zunächst ein heimatloser, besitzloser, arbeitsloser Mensch. Vom 40. bis 80. Jahr seines Lebens nur Schäfer! In Gottes Demutsschule lernt man klein werden in den eigenen Augen. -

Zuletzt galt es, Stille und Einfalt gewinnen. In Ägypten hiess es: "Vieles ist not!" in Midian: "Eins ist not: Gott stille halten." Ein großes Ziel hatte Gott im Auge, Mose vorzubereiten auf die Stunde, wo er sich ihm im brennenden Busch offenbaren konnte. Alle Zerstreuungen des Hoflebens in Ägypten waren mehr als wertlos, verglichen mit dem Segen, den Mose in der Stille und Einfalt der Wüstenhochschule Gottes empfing.