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Predigten zu 3. Johannes 1,9

"Ich schrieb etwas an die Versammlung, aber Diotrephes, der gern unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht an."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Diotrephes will unter ihnen hochgehalten sein."

An Diotrephes kann man besonders deutlich sehen, ob ein Mensch eine gottgeschenkte oder selbst angemasste Macht besitzt. An ihm erkennt man auf den ersten Blick, dass seine Macht ungöttlich war. Der Grundzug seines Charakters tritt hervor in dem Wort: "Er will unter ihnen hochgehalten sein." Wörtlich: "Er liebt es, der erste zu sein." Nach diesem biblischen Urteil war sein innerstes Streben, sich den ersten Platz in der Gemeinde zu verschaffen, so dass selbst der Apostel Johannes hinter ihm zurücktreten sollte. - Lasst uns nie danach trachten, der erste zu sein! - Nachdenkliche Christen mussten bei Diotrephes gleich stutzig werden wegen der "bösen Worte, mit denen er über den Apostel plauderte" (Vers 10). - Wie war es nur möglich, dass er sich an den Jünger heranwagte, welcher der treuste und innigste Liebhaber Jesu Christi gewesen und in der ganzen Gemeinde hochgeachtet war? Nun, er hat es riskiert! Er stellte den eigenen Klarblick, die eigene Begabung, den eigenen Eifer in das hellste Licht. Er verstand es, das Wort zu handhaben. Er konnte "plaudern", einschmeichelnd die Menschen für sich gewinnen. - Bei seinen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde ging es vor allem um die Aufnahme oder Ablehnung der Sendboten, die von Johannes geschickt wurden. Diotrephes wagte zu sagen, der Apostel verliere mit dem Alter immer mehr an Menschenkenntnis und Klarblick. Er, der Diotrephes, vermöge die Geister viel schneller zu durchschauen. Er lasse diese hergelaufenen Menschen in seiner Gemeinde nicht reden. Sein eigener Dienst genüge vollständig. Ja, Diotrephes ging noch einen Schritt weiter. Wenn ein Gemeindeglied die Sendboten des Johannes aufnahm, stiess er sie einfach aus der Gemeinde aus. - Wenn das Christi Lammesart sein soll, wo sind dann die "Böcke" zu finden? - Gott schenke uns demütige Herzen und freundliche Zungen, dass wir nie dem Diotrephes ähnlich werden.


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Ein trauriges Beispiel von Ehrsucht

"Diotrephes, der unter ihnen will hoch gehalten sein, nimmt uns nicht an und plaudert wider uns mit bösen Worten."

In der kleinasiatischen Gemeinde gab es zwei Älteste. Den einen beseelte selbstlose Liebe: Gajus. Er war ein Vorbild und erhielt vom Apostel Johannes ein volles Lob. Den anderen beherrschte grenzenlose Ichsucht: DiotrEph. Er war ein ehrsüchtiger Mensch, er wollte der Erste sein und im Mittelpunkt stehen. Leider hat in den Kreisen der Gläubigen Diotrephes nicht wenige Nachfolger. Es sind jene ehrsüchtigen Menschen, die den ersten Platz einnehmen wollen und niemand neben sich dulden und aufkommen lassen möchten. Selbst einen Apostel Johannes ließ dieser Diotrephes nicht gelten. Er ließ sich von niemand dreinreden und plauderte mit bösen Worten gegen den ehrwürdigen Apostel. Er erdreistete sich, diesen Zeugen Jesu herunterzusetzen, ihn zu kritisieren und allerlei Unschönes über ihn zu reden. Er ging so weit in seiner Anmassung und Herrschsucht, dass er die Glieder der Gemeinde, welche die Lehren des Apostels aufnehmen wollten, aus der Gemeinde ausstiess. Hochmut und Herrschsucht haben schon unendlich viel Böses angerichtet. So machen es die Menschen, die von sich eingenommen sind. Alle sollen sich nach ihnen richten. Sie machen gern andern Vorschriften und schalten tyrannisch, wie Diotrephes tat. Wer ihrer Herrschsucht im Wege steht, den verkleinern und beschmutzen sie. Überhaupt reden sie immer gern Unschönes von andern, um sich desto mehr ins Licht zu stellen. Sie mäkeln an andern herum und spüren ihre Fehler auf. Dabei horchen sie gespannt, ob sie etwas hören, was über sie selbst gesagt wird. Zwischenträger und Ohrenbläser finden bei ihnen eine offene Tür. Wer ihre Person antastet, begeht ein Majestätsverbrechen. Sie wollen die Seelen an sich ziehen und wachen eifersüchtig, dass ihnen niemand ins Gehege kommt. Der Freund, den sie haben, soll nur für sie da sein, er darf außer ihnen niemand seine Liebe erzeigen. Sofort sind Neid und Eifersucht zur Stelle. Es sind innerlich ungebrochene Menschen, die selbst unglücklich sind und andere unglücklich machen. Sie üben Druck aus und wirken belastend. Sie überwerfen sich mit jedermann. Sie kritisieren und mäkeln an allem herum. Sie isolieren sich und schneiden alle Beziehungen ab. Sie leiden an "chronisch entzündeter Eigenliebe". Wenn die Schrift von einer bitteren, d.h. von einer Giftwurzel redet, die im Kreis der Christen emporwächst und Unfrieden anrichtet, so haben wir vor allem an solche ehrsüchtigen Menschen zu denken. Es ist in ihnen eine unversiegbare Quelle der Bosheit und Unlauterkeit, weshalb sie auch immerfort Verwirrung stiften und so recht als Schädlinge bezeichnet werden müssen. Gott lasse uns dieses gefährliche Gift erkennen und meiden (Hebr. 12, 15)!