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Predigten zu Amos 5,6

"Suchet der HERR und lebet, damit er nicht in das Haus Josephs eindringe wie ein Feuer und es verzehre, und für Bethel niemand da sei, der es lösche -"

Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Der Prophet Amos hat es mit dem Reich Israel zu tun. Dieses hatte sich einst vom Reich Juda, wo der Tempel stand, losgetrennt und statt des Dienstes des HErrn den sogenannten Kälberdienst aufgerichtet und diente sonst allerlei Götzen, vom HErrn und Seinem Gesetze ab gewandt. Um solches götzendienerischen Wesens willen kam Unglück auf Unglück über dieses Reich; und weil auch andere Sünden und Greuel üblich wurden, rückte sein völliger Untergang immer näher heran.

Solchen Untergang verkündigten die Propheten des HErrn, auch Amos, mit dem Bemerken, daß alles wieder gut werden würde, wenn die Israeliten in ihrer Bedrängnis den HErrn, und nicht mehr die Götzen, suchen und Ihm allein dienen wollten. Sie hatten sich aber längst angewöhnt, nur zu den Götzenaltären zu laufen und zu den Götzendienern, die im Dienst der Finsternis allerlei Abergläubisches anrieten. Darum sagt auch Amos (5,5): „Suchet nicht Bethel und kommt nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerseba“ - weil das die Orte waren, wo die Götzen ihre Altäre hatten -, und setzt hinzu: „Suchet den HErrn, so werdet ihr leben“, d.h. am Leben bleiben und nicht zugrunde gehen. Aber sie hörten nicht und gehorchten nicht und suchten sich immer wieder Rat beim Götzendienst. Und hundert Jahre später wurde unter entsetzlichen Auftritten das Reich aufgelöst und was nicht durchs Schwert fiel, in die Gefangenschaft nach Assyrien abgeführt.

Solches ist uns zum Vorbild geschrieben; und die Worte der Propheten sollten heute noch in unsern Ohren tönen, wenn wir das Treiben sogar der Christenheit in unsern Tagen ansehen. Wie viele haben aufgehört, in der Trübsal den HErrn zu suchen, Ihn in ihren Nöten anzurufen und sonst Ihm Dienste zu erweisen! Dagegen ist's, als ob auch die Christen wieder andern Göttern nachliefen. Wir haben zwar dem Namen nach keinen Götzendienst unter uns, aber der Tat nach doch. Man bedenke nur, welch große Rolle der Aberglaube, der heidnische Aberglaube, noch in unsrer Zeit unter allen Ständen spielt! Wie viele hängen sich an die sog. Sympathie und sonst Gaukeleien, an gewisse Männer und Frauen, die etwas Besonderes zu wissen und zu vermögen vorgeben, an Hellseher und Geisterstimmen, die man zu hören wähnt, an Tagewählereien, an das unheimliche Wesen des Tischrückens und Tischschreibens und andere Dinge, dadurch man sich mit der unsichtbaren Welt in Verbindung und Verkehr setzen will, an unzählige Geheimkünste aller Art! Was heißt das anders, als nach „Bethel“, nach „Gilgal“, nach „Beerseba“ laufen, wie es einst Israel tat! Und was hilft's, wenn man wie Israel - wie viele unter uns aber fragen gar nichts mehr nach Gott! - etwa daneben noch Anhänger des wahrhaftigen Gottes oder an Christus gläubig sein will?

Werden wohl die, die solche Wege gehen, dadurch leben, ihr Leben retten? Ist es nicht vielmehr zu glauben, daß häufig schon solches finstere Treiben des Aberglaubens - auch da, wo nicht gerade der alles wegwerfende Unglaube ist - Ursache an dem vielen Jammer ist, der in unsern Tagen fast in allen Familien immer stärker einkehrt? „Lasset doch das und weichet zurück von solchem Wesen“, so dürften auch heute Propheten uns zurufen, „denn damit richtet ihr euch vollends gar zugrunde. Nur wer den HErrn sucht, der wird leben!“