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Predigten zu Apostelgeschichte 9,2

"und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit, wenn er etliche, die des Weges wären, fände, sowohl Männer als Weiber, er sie gebunden nach Jerusalem führe."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Drei Eigenschaften des unbekehrten Saulus, die sich in seinem Gnadenstand wieder zeigten.

Wenn wir das Bild des unbekehrten Paulus genau betrachten, so finden wir nicht etwa nur verwerfliche, schlimme, sondern auch gute und brauchbare Eigenschaften bei ihm, die er in seinem ganzen Leben behielt.

1. Welch ein rastloser Fleiß

zeichnete ihn schon damals aus! Man gewinnt den Eindruck, dass er Tag und Nacht auf sein Ziel hinarbeitet, das väterliche Gesetz zu Ehren zu bringen. Saulus war niemals ein fauler Mensch, weder vor, noch nach seiner Bekehrung (Kap. 20, 19 - 21.31). Welch ein gutes Ding ist es um den rechten, treuen Fleiß! (Römer 12, 11; Sprüche 19, 24; 21, 25; 22, 13; 26, 14; 1. Timotheus 5, 13).

2. Welch eine Gründlichkeit

beobachten wir bei Saulus! Weil er die Anbetung Jesu für etwas Falsches und Schädliches hielt, wollte er sie auch mit Stumpf und Stiel ausrotten. Er wollte keine halbe Arbeit tun. "Bis in den Tod" verfolgte er die Gemeinde Jesu. Er wollte sie nicht nur schwächen, sondern austilgen.

Saulus war vor und nach seiner Bekehrung immer ein ganzer Mann, der fleißig und gründlich nach seiner Erkenntnis arbeitete. Diese Naturgabe wurde später geheiligt und für Gottes Ziele nutzbar gemacht.

3. Als dritte Eigenschaft des Paulus, die später in geheiligter Weise wieder zum Vorschein kam, nennen wir seinen Missionstrieb.

Es genügte ihm nicht, dass das väterliche Gesetz in seinem Heimatland in Ehren gehalten wurde. Es genügte ihm nicht, dass Jerusalem von der gefährlichen Sekte der Christen gereinigt war. In allen Landen und Orten sollte die reine Lehre, das Gesetz Gottes, als alleinige Richtschnur anerkannt werden. Deshalb erbat er sich die hohepriesterliche Vollmacht, auch in der Hauptstadt des Nachbarlandes seinen Eifer für Gott beweisen zu dürfen.

Wie hat doch Gott diesen Missionstrieb, der schon im unbekehrten Saulus steckte, geheiligt und für sein Reich gebraucht! So können auch heute noch in manchen Menschen, die innerlich blind und dem Heiland fern sind, allerlei Gaben und Eigenschaften stecken, die viel nützen können, sobald die Erleuchtung von oben und die Erkenntnis Jesu hinzukommen (Römer 10, 2).


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Das Bild des nach Damaskus ziehenden Saulus. Als Saulus nach Damaskus auszog, hatte er etwas Bestimmtes in seinem Kopf, in seiner Hand und in seinem Herzen.

1. In seinem Kopf hatte er die beste Bildung und Gelehrsamkeit seiner Zeit. Er war "ein studierter Mann" (V. 3), der auf viele, die seine Kenntnisse nicht besassen, herabsehen konnte.

2. In seiner Hand hatte er die amtliche Vollmacht des Hohenpriesters, welche ihn berechtigte, jeden Israeliten, der sich zu Jesus bekannte, zu verhaften und vor den Hohen Rat zu bringen. Diese amtliche Vollmacht verlieh ihm in den Augen seiner Landsleute hohes Ansehen.

3. In seinem Herzen trug er einen feurigen Eifer und einen entschlossenen Willen, für seine althergebrachte Religion zu kämpfen und alles daranzusetzen, ihre Widersacher, die Christen niederzukämpfen. Dieses alles besass er. Damit schien er Großes ausrichten zu können.

Aber ihm fehlte:

1. eine Gelehrsamkeit, die vom Heiligen Geist stammt und durch Erleuchtung von oben kommt.

2. Es fehlte ihm die Vollmacht des Heiligen Geistes, die kein Hoherpriester in Jerusalem, sondern nur der himmlische Hohepriester geben kann.

3. Auch fehlte ihm der geistliche Eifer der Liebe, von dem er später sagte: "Die Liebe Christi dringet uns also" (2. Korinther 5, 14).

Pharisäischer Fanatismus ist etwas ganz anderes als von Gott gewirkter Liebeseifer, der andern zu helfen sucht. So sah Saulus aus, als er nach Damaskus auszog. Ihm gleicht mancher Feind der Jünger Jesu, ohne es zu wissen.


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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Der Irrtum des nach Damaskus ausziehenden Saulus.

1. Als Saulus nach Damaskus auszog, glaubte er die Schrift zu kennen und war doch blind für dieselbe. Der geringste Jünger Jesu, der das Glaubenslicht im eigenen Herzen empfangen hatte, wusste mehr von der Bedeutung des göttlichen Wortes als Paulus mit all seiner menschlichen Schulung (2. Korinther 3, 14 - 16; Psalm 119, 130).

2. Er glaubte, f ü r Gott zu eifern ("Ich war ein Eiferer um Gott"), und eiferte doch gegen Gott. Gott hat seinen Sohn gesandt zum Heiland der Welt. Saulus bekämpfte ihn.

Gottes Wille war, dass die Menschen an seinen Sohn glauben sollten. Saulus suchte diesen Glauben auszurotten. Gott hatte einen Eckstein erkoren für seinen Tempel. Saulus wollte ihn zerstören (Matthäus 21, 42; Markus 12, 10; 1. Petrus 2, 7; Apostelgeschichte 4, 11). Welch eine Täuschung!

3. Saulus glaubte Menschen auf den richtigen Weg zurückzuführen und "zwang sie, zu lästern, war also der schlimmste Verführer. So kann es auch heute noch Menschen geben, die in den gläubigen Christen die größte zu bekämpfende Gefahr erblicken.

Gott bewahre uns alle vor dieser Verblendung des Saulus!