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Predigten zu Galater 4,30

"Aber was sagt die Schrift? "Stoße hinaus die Magd und ihren Sohn, denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohne der Freien.""

Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Aus dieser Geschichte (vergl. 1. Mose 21) ergibt es sich, dass der Apostel unter „Magd“ unsere verkehrte Gesinnung in Betreff des Gesetzes Gottes will verstanden haben, und unter ihrem Sohn die Frucht, welche aus solcher Gesinnung hervorkommt. Mit andern Worten: Die Magd bedeutet das Gesetz, und ihr Sohn die Werke des Gesetzes; nicht das Gesetz an und für sich, auch nicht die Werke des Gesetzes an und für sich, sondern das Gesetz und dessen Werke in Verbindung mit unserer Gesinnung gegenüber dem Gesetze.

Wenn Abraham und Sara, da sie die Verheißung empfangen hatten, so gedacht hätten: Der Herr, der Himmel und Erde gemacht, hat solches verheißen, deshalb wird es kommen, obschon die völlige Unfruchtbarkeit und Untüchtigkeit vorhanden ist; ja, es ist da, denn der Herr hat es gesagt, deshalb lassen wir die Hände davon und warten ab und überlassen es ihm, der Himmel und Erde gemacht hat, – so wäre es gut gewesen. Sobald Abraham sich von seiner Frau, wie Adam von Eva, zu der Lehre bringen ließ: Gott hat es verheißen, so haben wir denn das liebe Evangelium, und nun muss es kommen, was darin verheißen ist. Aber wir sehen es noch nicht; weil es nun aber doch einmal da sein muss, so müssen wir es eben selbst fertigbringen, nun da war es gar kein Evangelium, gar keine Verheißung mehr. Da war für ihn auch in der ganzen Verheißung nichts Liebliches mehr, sondern es war alles Verdruss, Not, Pein und Angst, Ungewitter und Dunkelheit, ein stetes Müssen und Sollen, wovon der Friede fern blieb.

Und ob es währt bis in die Nacht
und wieder an den Morgen,
doch soll mein Herz an Gottes Macht
verzweifeln nicht noch sorgen.
So tu Israel rechter Art,
der aus dem Geist erzeuget ward,
und seines Gott's erharre.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Diese Predigt gefiel dem Abraham sehr übel. Abrahams Geschichte ist auch unsere Geschichte. Ich will dir nun sagen, warum man die Magd nicht gern ausstößt; man tut es darum so ungern, weil es heißt: Mit ihrem Sohn. Die Magd hätte Abraham vielleicht wohl noch fortschicken wollen, aber seinen Ismael, seinen Gotthatgehört wollte er nicht gern aus dem Hause stoßen; das war ja eine Frucht seines eigenen Leibes. Ans Gesetz würden wir uns auch wenig kehren, und alle, welche Eiferer für das Gesetz sind, auch gesetzlich heißen, sind im Grunde nicht gesetzlich; wären sie es nur, es wäre ihnen bald geholfen. Sie fragen auch im Grunde gar nicht nach Gottes Gesetz, sondern drehen es wie eine wächserne Nase, je nachdem sie gehen wollen, ein jeglicher nach seinem Kopf. Aber dass wir den Sohn der Magd, die Werke des Gesetzes auszustoßen haben, eben das gefällt uns so übel; denn die Werke des Gesetzes sind dem Anschein nach lauter fromme, tugendhafte und gottselige Werke, woran ein Mensch sich weiden kann. Und wer liebte es nicht wie seine eigene Seele, was er selbst geschaffen?

Dies vermeinte geistliche Wesen, was der Mensch so gerne hat, was er sich mit Tränen und Bußkämpfen von allerlei Art so gern verkaufen möchte, und was man sich unter dem Namen von Heiligkeit oder unter dem Namen von verborgenem Leben mit Christo anpreist, eben das ist es, wovon die Schrift sagt: Stoße es hinaus.

Nicht möglich war, dieselbig Art
aus eignen Kräften lassen,
wiewohl es oft versuchet ward,
noch mehrt sich Sünd' ohn' Maßen;
denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt,
und je dem Fleisch der Sünde Schand
allzeit war angeboren.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Die Verheißung lautet: Ich bin es, und ich will es tun, so wahr als ich lebe. Darum wollt ihr Ruhe und Frieden haben, so stoßet hinaus Gesetz, Befehle, Frömmigkeit, Heiligkeit, und was ihr habt oder nicht habt, seid oder nicht seid. Denn weder heute noch auf unserem Sterbebette können wir damit kommen, dass wir sagen: Ich war fromm, darum lass mich hinein; ich bin deinem Gesetze nachgekommen, darum mache mich selig; du hast mich bekehrt, darum muss ich hinein. Das alles gilt nicht, sondern das gibt Ruhe und Frieden im heiligen Geist, auch Freude, Vorgeschmack und Gewissheit ewiger Seligkeit, wo es heißt: Ob ich blind bin oder ob ich sehe, ob ich ein Sünder bin oder ein Heiliger, ob ein Verkehrter oder ein Bekehrter, ob ein Wiedergeborner oder Verlorener, ob ich Vergebung der Sünden habe oder voller Sünden stecke, darnach kann ich nicht fragen. Ist es gut, da hast du es; taugt es nicht, da hast du es auch. Ich bin ein armer Mensch, schwach und ein Sünder, es wohnt in mir kein Gutes. Du, Herr Christe, bist es allein, so wie du mir vom Vater geschenkt bist; das weiß ich im heiligen Geiste. Ich vermag es nicht einmal, meinen Geist aufzugeben in deine Hände, aber weil du es allein bist, so tue du es und habe mich auch von diesem Tode errettet. Hinaus mit allem übrigen, auf dass ich als Erbe hineinkomme zu meinem treuen Gott und Heiland, dessen allein die Seligkeit ist, der auch allein Wunder tut. Ihn will ich loben. Sein Name allein sei erhöht.

Darum auf Gott will hoffen ich,
auf mein Verdienst nicht bauen;
auf ihn mein Herz soll lassen sich
und seiner Güte trauen,
die mir zusagt sein wertes Wort;
das ist mein Trost und treuer Hort,
des will ich allzeit harren.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien."

Gar viele sonst ganz erleuchtete Menschen wissen nicht, dass in der Christenheit zwei geistliche Reiche sind. Erstens gibt es ein Gesetzesreich, in dem man alles nach seinem eigenen Verdienst erhält, gemäss dem Wort des Apostels: "Dem, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht." Dasselbe wollte auch Christus uns zeigen, als Er sagte, dass diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet und die volle Last und Hitze getragen hatten, keine Gnade erhielten, sondern nur ihren Lohn bekamen, weil sie "mit Werken umgingen". Solche Leute werden im Galaterbrief Knechte und Sklaven, der Magd Söhne genannt, die nur das erhalten, was sie verdient haben.

Zweitens gibt es ein Gnadenreich, in dem es nie nach unserem Verdienst geht; vielmehr haben diejenigen, die da hinein gehören, eine beständige Gnade. In ihren besseren und schlimmeren Stunden sind sie in demselben Gnadenstand aus der Tatsache, weil sie einen Bürgen haben, der für sie eintritt, dass sie nicht nach dem Gesetz gerichtet und keine Sünden ihnen zugerechnet werden. Von ihnen sagt Paulus: "Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet." David sagt: "Die Seligkeit ist des Menschen, welchem Gott die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke zurechnet" - und dem Gott "keine Sünde zurechnet". Sie werden im Galaterbrief Kinder, Söhne und Söhne der Freien genannt, die "im Hause bleiben" und das Erbe des Höchsten haben sollen.

Mit diesen Worten von den Knechten und Kindern im Hause, vor allem in dem vorbildlichen Hause Abrahams, hat Paulus darauf aufmerksam gemacht, wie Gott mitten in unseren Familienkreis ein so beredtes Bild Seiner Gnadenbeweise gestellt hat. Ist es nicht wahr, dass die Kinder im Hause in leiblicher Hinsicht in einem solchen Gnadenstand sind, dass sie nie etwas schuldig werden, wieviel sie auch täglich ausgeben und wie wenig sie auch arbeiten? Sie haben alles das, was sie brauchen, frei und umsonst. Sie erhalten Speise und Trank, ihre Kleider, ihre Pflege, ihre Erziehung. Obwohl sie vielleicht nicht das geringste erwerben, sondern nur verbrauchen, werden sie nie etwas schuldig. Und wenn sie viele Jahre hindurch das Gute empfangen haben, sollen sie schließlich auch noch das Erbe in Besitz nehmen. - Mit den Dienern im Hause, die durch schwere und treue Arbeit vielleicht alles das einbringen, wovon das Haus lebt, hält man Rechnung, so dass sie, wenn sie mehr als den vereinbarten Lohn empfangen haben, schließlich in Schuld stehen; das Haus aber zu erben, davon ist nie die Rede. Die Kinder aber, noch einmal sei es gesagt, werden trotz allem, was sie verbrauchen, obwohl sie nichts erwerben, nie etwas schuldig sein. Ist das nicht eine verwunderliche Regierung? Und woher kommt es, dass die Kinder nichts schuldig werden? Das kommt nur daher, weil man nie Rechnung mit ihnen hält. "Sie sind ja Kinder!" sagt man. "Wer hält wohl Rechnung mit den Kindern, solange sie vom Brot des Vaters leben oder noch auf Kindesfüssen stehen?"

Sieh da das Geheimnis des Reiches Gottes! Mit den Kindern wird nie Rechnung geführt. Unsere Schuld oder Schuldlosigkeit hängt nur davon ab, ob wir Knechte oder Kinder, "der Magd Söhne" oder "Söhne der Freien" sind. Schaue in deinem eigenen Familienkreis das wahre Bild des Gnadenreiches, das Bild, das die Schrift so oft anwendet. Geradeso wie mit deinen Kindern ist es mit denen, die in Christus sind und bei Gott auf "Kindesfüssen leben". Sie erhalten keine Rechnung. Sie gehören zu denjenigen, denen Gott keine Sünde zurechnet. Sie leben von der Gnade aus dem Verdienst ihres erstgeborenen Bruders. Darum sind sie in einer beständigen Kindschaftsgnade.

Ja, es ist wahr! Die Schrift kann nicht umgestossen werden, obwohl unsere unbeständigen und vom Gesetzessinn erfüllten Herzen diesen seligen Trost nicht behalten können. So wahr die Schrift aber nicht lügt, so wahr ist dies mit allen Gläubigen der Fall. Gott rechnet ihnen keine Sünde zur Verdammnis zu, weil sie Seine Kinder sind und sowohl in schlimmeren als auch in besseren Stunden in derselben Gnade bei Ihm stehen, wenn sie sich über erhaltene Kraft, etwas Gutes zu tun, freuen, oder wenn sie sich über ihre Sünden und Torheiten ängstigen, so dass sie "vor Unruhe ihres Herzens heulen." In derselben Gnade stehen sie, wenn sie schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist", wie wenn sie in langwieriger Dürre mit Wermut und Galle gespeist werden. Denn wäre es nicht so, sondern wären wir Gott in den Stunden wohlgefälliger, in denen wir die Gnade erhalten, frömmer und heiliger zu sein, außer der Gnade aber in den Stunden, in denen wir schwach sind und uns versehen, so käme die Gerechtigkeit durch das Gesetz, und Christus wäre vergeblich gestorben. Dann sind wir wahrlich in einem"Reich der Werke, das über die Gnade herrscht", nicht aber in einem"Gnadenreich, das über die Werke herrscht". Wir leugnen nicht, dass dies die grässlichste Torheit für unsere Vernunft ist, da alles, was in uns ist, Gefühl, Vernunft und Gewissen, vom Gesetzessinn erfüllt ist. Aber sollen wir ernstlich das glauben, was wir der Natur nach meinen und fühlen? Das hiesse ja vom Glauben abfallen. Nein, das Gnadenreich, in dem keine Sünden zugerechnet werden, ist die Summe des ganzen Verdienstes Christi und aller Zeugnisse der Schrift darüber. Gott sei gepriesen für Seine unaussprechliche Gabe!

Kommt her, ihr Menschenkinder, Hier hat man's ewig gut. Kommt her, ihr armen Sünder, Hier quillt das reiche Blut.