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Predigten zu Hesekiel 3,14

"Und der Geist hob mich empor und nahm mich hinweg; und ich fuhr dahin, erbittert in der Glut meines Geistes; und die Hand Jehovas war stark auf mir."

Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Die Hand des HERRN lag auf Hesekiel. Dadurch wurde er gestärkt, und das unmittelbare Ergebnis war, daß er die Gefangenen seines Volkes aufsuchte. Er ging zu ihnen und hielt sich zu ihnen, dort, wo sie sich aufhielten. Ein freier Mann macht sich mit den Gefangenen eins, dort, wo sie sich befinden! Ein mit dem Heiligen Geist erfüllter Mann widmet sich denen, die von Traurigkeit und Bitterkeit erfüllt sind. Gottes Gegenwart und Segen im Leben Hesekiels drängten ihn, zu den Unglücklichen zu gehen, denen er etwas aus der oberen Welt zu bringen hatte, und deshalb hielt er sich dort auf, wo sie sich aufhielten. Diese Art Gesinnung findet man so selten unter Christen. Sie haben eine gewisse Anteilnahme, auch etwas Mitleid, aber nicht dieses echte, tiefe Mitgefühl, das sich mit den Unglücklichen eins macht. Abraham wagte es, für Sodom Fürsprache einzulegen und um Gnade zu bitten, sei es auch nur wegen fünf Personen. Mose flehte zu Gott für Israel, bis die Plage aufgehalten wurde. Unser göttlicher Retter nahm die Gestalt eines Knechtes an und trat wie ein schlichter Mensch auf. Paulus wurde allen alles, um dadurch einige zu retten.

Vielen unter uns fehlt die Bereitschaft, uns mit denen eins zu machen, die wir gerettet sehen möchten. Dafür ist es nötig, den gewohnten Lebenslauf zu verlassen, aus dem gemütlichen «Zuhause» auszuziehen, die ausgetretenen Wege zu verlassen. Wir dürfen keinen Abstand dulden zwischen uns und den Seelen und sollten die Schranken beseitigen, die der Feind durch Vorurteile zwischen den Menschen und ihrem Retter aufrichtet, und von Gott die Gabe empfangen, den «Gefangenen» nahezukommen. Jeder Kastengeist, jede religiöse oder andere Überheblichkeit und alles Sich-Drehen um sich selbst sind Dinge, die Gott fremd sind; sie sind ein Beweis, daß wir unsere Berufung nicht erfaßt haben und die Menschenseelen nicht verstehen. Sie sind in Not und Zweifel, in Sündenketten, in Leid und Einsamkeit, ja, in Verzweiflung! Und was tun wir für sie?

Hesekiels Erfahrung zeigt uns, daß der Geist der Weissagung uns nicht mit Engelszungen reden läßt und uns nicht zu außergewöhnlichen Handlungen führt. Nein, wenn die Hand des Herrn auf mir liegt und Er mich stärkt, dann suche ich die Gefangenen und «halte mich dort auf, wo sie sich aufhalten».