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Predigten zu Jakobus 1,4

"Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, auf daß ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt."

Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Die Geduld aber soll fest bleiben bis ans Ende.

Die Geduld ist ein Hauptmerkmal christlichen, gesunden Lebens. Sehen wir doch auch im Leben unseres Heilandes von Anfang bis zu Ende Dulden, Tragen, Ausharren. Auch unser Leben verläuft nur unter fortwährender Übung in der Geduld. Ohne sie können wir nicht eingehen in Gottes Führung, nicht bleiben in Gottes Schule, nicht lernen, was unser Gott von uns verlangt. Wenn immer alles nach unsern Wünschen ginge, so brauchten wir keine Geduld. Es kann aber nicht immer nach unserem Belieben gehen. Gottes Wege sind nicht unsere Wege und seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. So oft wir eigene Gedanken und Wünsche in den Tod geben müssen, um eingehen zu können in Gottes Wege, auf denen eigenes Wesen sterben muss, brauchen wir Geduld. So oft Gott mit Diesem und Jenem uns warten lässt, ehe er hilft, so oft er uns etwas auflegt, um uns im Glauben zu üben, brauchen wir Geduld. Wir kommen keinen Tag aus ohne Geduld. Und der Apostel sagt uns: sie soll fest bleiben bis an das Ende, sie soll ihr Werk vollkommen haben. Wann wird sie ihr Werk vollkommen haben? Wenn wir Tag für Tag erkennen, dass unser ganzes, tägliches Leben mit seinen großen und kleinen Übungen eine Erziehungsschule unseres himmlischen Vaters für uns ist; wenn wir alles von ihm annehmen, sein Joch auf uns nehmen, täglich ausharren, unsern Willen seinem Willen unterordnen, kurz, uns von ihm erziehen lassen bis ans Ende. Hörst du nun, dass du Geduld brauchst bis ans Ende, so lass dir nicht bange werden. Der Herr will dir damit nicht sagen, dass Er am Ende so hohe Geduldsforderungen an dich stellen werde, dass du darunter erliegen müssest. Er will dir nur sagen: bleibe fest in der Geduldsstellung bis an dein Ende, damit nichts, was dir begegnet, dich unvorbereitet treffe. Daheim beim Herrn brauchst du dann keine Geduld mehr, weil es dort keine Lasten mehr gibt.

Deine Geduld, o Herr, ist unsere Seligkeit. Hilf mir, in Geduld Deine Wege zu gehen und so Deinen Namen zu verherrlichen, wie Du durch Geduld den Vater verherrlicht hast. Amen