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Predigten zu Lukas 12,2

"Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was nicht kundwerden wird;"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Fort mit allem Verstecken, heraus mit der Wahrheit!

"Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, noch heimlich, das man nicht wissen werde."

Jesus will, dass seine Jünger heraustreten mit einem offenen Bekenntnis. Sie sollen ihr Licht leuchten lassen und seinen Namen bekennen vor den Menschen. Was ihnen der Heiland im vertrauten Verkehr gesagt hat, was er ihnen sozusagen ins Ohr sprach, das sollen sie auf den Dächern predigen. Der Herr Jesus hat keine Geheimlehre. Er war kein Winkelprediger. Er selbst redete frei im Tempel, also in der breitesten Öffentlichkeit. Auch seine Jünger sollen sich nicht versteckt halten. - Leicht ist es nicht, offen herauszutreten. Die Menschenfurcht hält zurück. Von jeher sind alle wahren Jünger Jesu verspottet, verachtet, verfolgt worden. Man sieht sie über die Achsel an, erklärt sie für rückständig oder auch für überspannt, einseitig, krankhaft und schwärmerisch. Daher besteht die Gefahr, dass man in den gleichen Ton einstimmt und im Verkehr mit der Welt einen weltlichen Mantel umhängt. Aber was ist das anderes als Unwahrheit und Heuchelei? Wenn sich jemand aus Menschenfurcht verhüllt, so riskiert er, dass er das Gute wieder verliert, das ihm von oben in die Seele gelegt wurde. Es ist schließlich am allerklügsten, wenn man sich freimütig als Jesu Jünger bekennt. Denn die Leute merken es doch, wenn jemand nicht innerlich mit ihnen übereinstimmt. Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde. Ist jemand gar so ängstlich, verzagt und schüchtern, wird die Welt nur umso kecker und fällt umso schlimmer über ihn her. - Darum lasst uns den Herrn bekennen und die Wahrheit bezeugen, wenn wir schlechte Reden, faules Geschwätz und fade Witze hören müssen! Lasst uns nicht stumme Hunde sein, sondern unsere Stimme erheben und uns wehren für unsern Herrn! Es ist schon ein Bekenntnis, wenn wir nicht mittun, nicht mitlachen bei unpassenden Spässen, uns nicht der Welt gleichstellen in leichtfertigen Moden oder geschmacklosen Frisuren. Bekenntnis des Wortes und Bekenntnis des Wandels: beides muss beisammen sein. Fromme Worte, mit denen der Wandel nicht übereinstimmt, bewirken, dass die Welt die gute Sache lästert. - Vor einem offenen Bekenntnis haben auch Weltmenschen Respekt. Sie merken bald, dass sie einen mutigen Jünger Jesu gehen lassen müssen, weil alle Mühe, ihn von seinem Weg abzubringen, umsonst ist. - Ein schönes Beispiel eines wachsenden Bekennermuts gibt uns Nikodemus. Zuerst kam er bei Nacht zu Jesu. Dann wagte er in der Ratsversammlung, ein Wort für den Heiland einzulegen. Sie fielen über ihn her mit der Rede: Bist du auch ein Galiläer?" Aber durch das offene Bekenntnis ist sein Mut gewachsen. Unmittelbar nach dem Abscheiden Jesu bekannte er sich zu dem von seinem Volk gehassten und verworfenen Heiland und brachte allerlei Spezereien, um den Leichnam einzusalben. Das war eine Tat. Denn keiner der Apostel wagte, in diesem gefährlichen Moment hervorzutreten. Sie hielten sich alle versteckt aus Furcht vor den Juden. - Treten wir mutig auf Jesu Seite, dann hält er sich auch ganz zu uns.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Es ist aber nichts verborgen, was nicht offenbar werde, noch heimlich, das man nicht wissen werde."

Es geht ein Zug von Offenbarung durch alles Geschehen. Als ob auf die Dauer keine Täuschung oder Heuchelei vorhält: schließlich kommt der eigentliche wahre Grund und das innerste Wesen doch an den Tag. Das geht mit Persönlichkeiten der Weltgeschichte und mit Irrtümern der Kinder Gottes so. Jesus hat also mit diesem Wort ein Naturgesetz in der Geisteswelt ausgesprochen, das sich schon längst vor dem Jüngsten Tag im Kleinen oder Großen durchsetzt. Uns soll es immer wieder vor die Mahnung stellen: bringe dein Geheimnis mit deinem Offenbaren in Einklang! Nur keine dunkle Stelle, vor deren Aufdeckung in der Öffentlichkeit du dich zu fürchten brauchtest. Verleumden kann man dich, verdrehen können sie aus dem Zusammenhang gerissene Sätze - aber sieh nur scharf zu, dass alles stimmt mit deiner Überzeugung. Dann kann auf die Dauer kein Klatsch haften, keine übelwollende Nachrede dir bei denen schaden, die dich wirklich gut kennen. Nimm aber denselben Maßstab der Öffentlichkeit für das, was du im vertrauten Kreise sagst oder im innersten Herzen denkst. Vor Gott werden sogar unsere Gedankenwege und Verirrungen, die niemals laut wurden, offenbar. Sieh zu, dass nichts an dir zu verraten sei.

Herr, du erforschest und kennest mich! Hilf mir, dass ich von aller auch noch so geheimen Unlauterkeit inwendig loskomme und frei und offen, ganz ohne Verstellung leben könne im Lichte deiner Wahrheit. Amen.