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Predigten zu Markus 15,34

"und zur neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme [und sagte]: Eloi, Eloi, lama sabachthani? was verdolmetscht ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Dies war die dunkelste Stunde im Erdenleben unsers Heilandes. Seine Jünger und Freunde hielten sich ferne von Ihm; und die, für die Er sein Blut vergoss, bedeckten Ihn mit Schmach und Schande. Lasset uns hierbei hauptsächlich achten auf:

1. Seine Anwendung der Heiligen Schrift

Er führt hier den ersten Vers des 22. Psalms an, der als der Leidenspsalm bekannt ist. Vielleicht wiederholte Er innerlich jenes wunderbare Klagelied, in dessen Worten David bis ins Einzelste die Leiden seines HErrn schildert. Welche Bedeutung hatte doch, von diesen sterbenden Lippen gesprochen, der 8. Vers: „Alle, die mich sehen, spotten meiner“; und der 14.: „Ihren Rachen sperren sie auf wider mich“; der 15.: „Alle meine Gebeine haben sich zertrennt“; oder der 19.: „Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los darum.“

2. Sein stellvertretendes Leiden

Diese Worte konnte Er nur deshalb zu den seinigen machen, weil Er die Strafe unserer Sünde trug, für uns zur Sünde ward und die Sünde der Welt hinwegtrug. Wir können keinen Augenblick annehmen, dass der Vater je seinen geliebten Sohn auch nur scheinbar hätte verlassen können, wenn Er nicht dagestanden wäre, als der Stellvertreter unsers ganzen schuldigen Geschlechts, und in jenen mitternächtlichen Mittagsstunden die Versöhnung geworden wäre für die Sünden der ganzen Welt.

3. Sein Beispiel völligen Vertrauens

Um des Vaters Willen zu erfüllen, gab Er sein Leben dahin bis zum Tode am Kreuz. Aber trotz aller Angst rief er aus: „Mein Gott, mein Gott!“ Er hielt sich dennoch mit beiden Händen fest an den Vater. Und sein Glaube siegte. Die Wolken zerteilten sich; der klare Himmel schien wieder hervor. Statt „mein Gott“, rief Er nun wieder: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“