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Predigten zu Psalm 112,4

"Den Aufrichtigen geht Licht auf in der Finsternis; er ist gnädig und barmherzig und gerecht."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten."

Neulich las ich irgendwo: "Es ist kein Sinn so gut, er muss geändert werden; es ist kein Sinn so schlecht, er kann geändert werden. Es ist keine Sünde so klein, sie muss vergeben werden; es ist keine Sünde so groß, sie kann vergeben werden." Wer diese Sätze wirklich glaubt, dem ist schon Licht in der Finsternis aufgegangen, das sich vom Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten her über ihn ergossen hat. Solche Erkenntnis ist schon Gnade. Was muss an meinem Sinn geändert werden, damit morgen besser zu Ende gehe als heute? Das ist Buße. Aber ich soll nicht verzagen, solang mir Licht vom Barmherzigen scheint. Mein Sinn ist doch noch nicht so hoffnungslos schlecht: er kann noch geändert werden durch Jesu Barmherzigkeit. Das ist Glaube. Und wenn er mit meinen "Kleinigkeiten", die sich täglich finden wie Körnlein des Sandes am Meer, in ein ernstes Gericht geht, dass ich gedrängt werde, auch für jede einzelne seine Vergebung zu begehren, so ist das die Treue des Gerechten. Erscheint mir aber an einer Stelle der Schaden so verzweifelt, die Gewohnheit so mächtig, dass ich mir nicht helfen kann, dann treibt mich diese Erkenntnis erst recht ihm zu Füßen. In solchen Erfahrungen bewegt sich unser "Frommsein" auf und nieder, aber immer in seinem Licht.

Herr Jesus, lass mir dein Licht leuchten, dass ich aus meiner Finsternis eilend komme zu dir. Löse mir das alte' Wesen ab und lass das neue wachsen, was von dir stammt, dass ich Kind deines Lichtes werde. Amen.