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Predigten zu Psalm 115,11

"Ihr, die ihr Jehova fürchtet, vertrauet auf Jehova! ihre Hilfe und ihr Schild ist er."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Ihr, die ihr den Herrn fürchtet, vertrauet Ihm! Ihre Hilfe und ihr Schild ist er."

Du fragst hier vielleicht: "Wie sollen wir denn Gott fürchten und vertrauen?" Antwort: Nur so, dass es dem entspricht, was Er wirklich ist. Wir müssen ihn recht kennen, dann haben wir sogleich sowohl Gottesfurcht als auch Glauben. Wenn wir leichtsinnig und sicher sind, liegt es nur daran, dass wir weder wissen noch glauben oder bedenken, wer Gott ist. Glaubten wir recht, wie groß und mächtig Er ist, welch ein heiliger Eiferer Er gegen alle Sünde ist, wie wahr Er in Seinen Drohungen ist, wie nahe Er uns ist und alles sieht, aber auch wie gnädig und treu Er ist, dann würden wir Ihn wahrlich fürchten und Ihm vertrauen.

Wenn wir nun alle diese Eigenschaften Gottes betrachten, die wir aus Seinen Urteilen, nach dem Wort und aus der Erfahrung kennen und gleichsam mit den Augen sehen müssten, und wenn wir es damit vergleichen, was Er so oft in Seinem Worte befiehlt, dass wir nämlich Ihm glauben und vertrauen sollen, dann erhalten wir folgende Lehre: Wir sollen Gott so fürchten und vertrauen, dass wir sonst nichts fürchten, wie furchtbar es auch an und für sich sein mag. Nichts anderes sollen wir fürchten als Ihn allein. Wir sollen auf sonst nichts vertrauen, wie stark, vortrefflich und zuverlässig es auch scheinen mag, nein, auf gar nichts als auf Ihn allein. Dann wird der Herr unser einziger und alleiniger Gott. Dann wird Er allein der Gegenstand der Furcht, des Vertrauens und der Verehrung unseres Herzens.

Wie aber soll ich das verstehen, dass ich nichts fürchten darf als Gott allein? Es gibt doch viele furchtbare Dinge auf Erden, so dass man oft schon bei dem Gedanken an dieselben schaudert. Bedenke nur, wieviel Böses erbitterte und mächtige Feinde uns zufügen können, oder bedenke, was es bedeuten würde, etwa unter den Händen eines Mörders den Geist aufzugeben oder für die ganze Lebenszeit das Augenlicht oder den Verstand zu verlieren oder von einer schrecklichen, unheilbaren Krankheit ergriffen oder vom Blitz erschlagen zu werden, und was dergleichen schreckliche Ereignisse mehr sind. Muss man sich nicht vor solchen Dingen fürchten? Antwort: Das muss ein jeder, der nicht in dem allmächtigen Herrn seinen einzigen und alleinigen Gott hat. Wer aber wirklich glaubt und bedenkt, dass ein lebendiger, denkender, wachsamer und allmächtiger Gott überall zugegen ist, ja, wem die geistlichen Augen geöffnet werden, so dass er dieses sieht und glaubt, der weiss auch, dass nichts von allen diesen schrecklichen Dingen auch nur ein Haar auf seinem Haupte krümmen kann, wenn dieser treue, allmächtige Vater es nicht beschlossen hat. Wenn Er es will, dann trifft dich der Blitz, die Krankheit, das Unglück oder der jähe Tod; aber hat Er es anders beschlossen, dann kann nichts von alledem dich rühren. Hält Er es für notwendig oder dir nützlich, dass dein Herz zerschlagen werden, leiden und bluten soll, dann sendet Er dir eine Sorge, einen Verlust oder gar einen bösen Menschen, der dich übervorteilt, belügt und verspottet. Wenn Er dir aber Ruhe verleihen will, dann darf dich von alledem nichts treffen.

Seht, wie Christus dem Pilatus antwortete: "Du hättest keine Macht über Mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre." Oder wie David von dem bösen Menschen Simei spricht: "Lasst ihn fluchen, denn der Herr hat ihm geheißen: Fluche David." Und wenn Jeremia von all den mannigfachen Trübsalen redet, z.B. dass man "unterdrückt", "falsch gerichtet" wird usw., so sagt er: "Wer darf denn sagen, dass solches ohne des Herrn Befehl geschieht, und dass nicht Böses noch Gutes aus dem Munde des Allerhöchsten kommt?" Als der Satan Erlaubnis erhält, Hiob zu plagen, schreibt Gott der Herr, ihm ausdrücklich die Art und den Grad vor. Ja, der Prophet Amos sagt: "Ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tue?" Und Gott, der Herr, selbst erklärt es so: "Auf dass man erfahre bis zu der Sonne Aufgang und der Sonne Niedergang, dass außer Mir nichts sei. Ich bin der Herr und keiner mehr; der Ich das Licht mache und schaffe die Finsternis; der Ich Frieden gebe und schaffe das Übel. Ich bin der Herr, der solches alles tut." Wer an diesen alleinigen Gott nicht glaubt, der hat sich von allen Seiten vor tausend Dingen zu fürchten; er schaut bald hierhin, bald dorthin und hat fortwährende Unruhe. Heute fürchtet er Krankheit, morgen Armut und Verlust. Heute fürchtet er sich vor einem bösen Menschen, der ihm Schaden tun kann, morgen fürchtet er, dass ein treuer Freund ihn verlassen wird. Kommt eine betrübende Nachricht, so weiss er keinen Helfer, wenn er selbst oder andere Menschen nicht helfen können. Alles das ist die gerechte Strafe für diejenigen, die nicht allein den allmächtigen Herrn ihren Gott sein lassen. Dagegen - welche selige Ruhe, welchen Frieden geniesst derjenige, der an einen Gott, einen mächtigen Gott, einen treuen Vater glaubt.

So sei nun, Seele, Seine Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat; Es gehe, wie es gehe, Dein Vater in der Höhe, Der weiss zu allen Sachen Rat.

Es kann mir nichts geschehen, Als was Er hat ersehen Und was mir selig ist. Ich nehm' es, wie Er's gibet; Was Ihm von mir beliebet, Dasselbe hab auch ich erkiest.