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Predigten zu Psalm 16,7

"Jehova werde ich preisen, der mich beraten hat, selbst des Nachts unterweisen mich meine Nieren."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Der beste Ratgeber

Ich lobe den Herrn, der mir geraten hat."

Es machen sich viele Ratgeber an uns heran, aber nur einer gibt uns wirklich guten Rat. Das ist der Herr. Er heißt: "Wunder von Berater" (wörtl.). Er kann uns darum so gut beraten, weil er nicht nur unser wahres Wohl in reinster Liebe sucht, sondern weil er uns und die Umstände genau kennt, besser als wir selbst. - Wozu hat er wohl einst dem David geraten? David rühmt das hohe Glück, das sich ausspricht in den Worten: "Der Herr ist mein Gut und mein Teil." Der Herr selbst war es, der dem David geraten hat, ihn zu seinem Teil zu erwählen. Eine bessere Wahl kann man nicht treffen. Maria hatte das gute Teil erwählt. David kann den Herrn nicht genug dafür loben, dass er ihm zu dieser Wahl geraten hat. Es gibt auch sonst nützliche und verständige Ratschläge. Aber sein Rat ist unübertroffen. - Am Anfang der Bibel lesen wir von Satan, dessen böser Rat die ersten Menschen ins Verderben gestürzt hat. Damals war eine Schlange sein Werkzeug, jetzt sind es unzählige Menschen, durch die er seine verderblichen Ratschläge ausstreut. Sein Rat hat einst Adam eingeleuchtet, und jetzt findet er erst recht Anklang in unsern sündigen und verkehrten Herzen. Damals riet er, von der verbotenen Frucht zu essen. Dann, sagte er, werden eure Augen aufgetan, ihr werdet eine wundervolle Erkenntnis davontragen: "Ihr werdet sein wie Gott." Das schlug ein. Denn wer möchte nicht zu göttlicher Höhe emporgeführt werden? Eva ließ sich durch diese herrliche Aussicht bestechen, ass und gab auch ihrem Mann von der reizenden Frucht. Betrogen, verloren sie, anstatt zu gewinnen. Sie assen sich den Tod. - So geht es bis auf den heutigen Tag. Allezeit leuchten die verkehrten Ratschläge unserer Natur mehr ein als der gute Rat unseres größten Wohltäters Jesus. Denken wir z. B. an Rehabeam, den Sohn Salomos! Als er seine Regierung antrat, bat ihn das Volk, das schwere Joch, das seit seinem Vater auf ihnen lastete, zu erleichtern. Er beriet sich zuerst mit den erfahrenen Ältesten. Sie rieten ihm, der Bitte des Volkes zu willfahren. Dies passte aber seinem Hochmut nicht. Er hielt Rat mit den Jungen, seinen Altersgenossen. Sie rieten das Gegenteil. Er solle das Joch noch bedeutend verschärfen. Dies entsprach seinem Herrschergelüste und gewalttätigen Sinn. Doch was war der Erfolg? Zehn Stämme fielen von ihm ab. - So kommt Satan mit seinem Rat unserem verkehrten Sinn allezeit entgegen. Er schmeichelt unsern Neigungen oder doch unserer angeborenen Leidensscheu. Denken wir daran, wie einst Petrus dem Heiland zurief: "Das widerfahre dir nur nicht!" Sofort erkannte Jesus, dass hinter diesem wohlmeinenden Rat, dem Leiden auszuweichen, Satan stand. Hätte ihn Jesus befolgt, so wäre er dem Willen des Vaters ungehorsam gewesen, und die Menschheit wäre unerlöst geblieben. - Gott gebe Ratgeber auf unserem Lebensweg, die uns als Werkzeuge Gottes beraten; er öffne unsern Sinn für seine Zeugnisse, welche die besten Ratsleute sind (Ps. 119, 24)!


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Zartes geistliches Empfinden

"Es züchtigen mich meine Nieren des Nachts."

Nach der Schrift sind die Nieren der Sitz der innersten und feinsten Regungen und Empfindungen der Seele. Der Herr erforscht Herzen und "Nieren". Das Wort für "züchtigen" bedeutet im Hebräischen auch: unterweisen, mahnen, anspornen. - Meine Nieren gemahnen mich des Nachts, den Herrn zu loben, der mir geraten hat, ihn mir zu meinem Teil zu erwählen. Eigentlich ist es der Herr, der zum Lob antreibt. David spürt diese Anregung aus seinem tiefsten Inneren heraus in stiller Nacht. "Um Mitternacht stehe ich auf, dir zu danken für die Rechte deiner Gerechtigkeit." Kennst du diesen verborgenen Herzensdrang zu Lob und Dank? Gibst du ihm auch Raum, dass der Unzufriedenheit und des Klagens weniger wird? - Doch gibt auch "Meine Nieren züchtigen mich" einen guten Sinn. Wir spüren ein inneres Strafen. Dahinter steht der Geist Gottes. Aber haben wir denn auch wirklich ein solch zartes inneres Empfinden? Leider können die inneren Sinne ebenso zerstört werden und verfallen wie die äußeren Sinne des Gesichts und Gehörs. Die Bibel spricht von "geübten Sinnen", die imstande sind, Gutes und Böses genau zu unterscheiden (Hebr. 5, 14). Sie redet aber auch von zerrütteten Sinnen", die die Stimme der Wahrheit nicht mehr vernehmen (1. Tim. 6, 5)."Ihr Sinn ist ganz eitel geworden, hohl, leer und gehaltlos."Sie sind"ruchlos", wörtlich:"sie haben sich abgestumpft"(Eph. 4, 17-19). Heutzutage wimmelt es von solch traurigen Menschen. Ihnen ist es in der Finsternis der Gottesferne ganz wohl. Jede Spur vom Verlangen nach Gott ist in ihrer Seele erloschen. Sie gleichen einem ausgebrannten Krater. Zugleich haben sie auch alles sittliche Empfinden verloren, sie fragen nicht danach, was recht, sondern nur, was ihnen vorteilhaft oder angenehm ist. Sie stehen jenseits von Gut und Böse. Sünde gibt es für sie nicht mehr, sie begehen höchstens eine"Dummheit". - Soweit kommt der Mensch, wenn er die edlen inneren Sinne verwahrlosen lässt und fortgesetzt an ihnen frevelt. - Wie bekommt man nun geübte oder wohlgeschulte innere Sinne? Die Schrift sagt: durch"Gewohnheit" oder genauer: infolge der Übung und des Gebrauchs. Die inneren Sinne verschärfen sich, wenn man sorgfältig auf sie achtet, wenn man sie schont, sie nicht stört und hindert. Dann kann der Geist Gottes sich durch sie vernehmbar machen. Er tut dies in stillen Stunden, besonders in der Nacht, wo der Tageslärm verstummt. Da treten die inneren Sinne in Tätigkeit. Wir empfinden es, wenn sich etwas störend zwischen Gott und die Seele gelegt hat. Wir spüren auch die feinsten Abweichungen von den Linien des Gehorsams und der Wahrheit. Ein unrechtes Wort, ein verkehrter Gedanke kommt uns zum Bewusstsein. Gehorchen wir doch solchen inneren Zurechtweisungen! Dann werden wir immer feinfühliger, es wächst der heilige Instinkt für das, was Gott wohlgefällig ist. Der Herr kann uns dann mit seinen Augen leiten; denn wir sind keine unbändigen Rosse und störrischen Maultiere (Ps. 32, 9).