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Predigten zu Psalm 36,7

"Wie köstlich ist deine Güte, o Gott! Und Menschenkinder nehmen Zuflucht zu deiner Flügel Schatten;"

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Wie teuer ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben."

Diamanten sind so viel teurer als Kieselsteine, wie sie seltener als diese sind. Aber Gottes Güte ist kein zweitesmal irgendwo von einem Wesen zu entdecken; sie ist ganz einzigartig. Wie teuer muss sie sein! Und dabei kostet sie rein gar nichts. Umsonst, ohne Gegenleistung, wie die Sonne ihre Strahlen außendet, geht Gottes Güte von seinem Herzen aus, um die unwürdigen Menschen zu erquicken. Unter dem Schatten seiner Flügel dürfen die untreuen, unwahren, unkeuschen Menschen am Tage der Not geradeso Zuflucht finden wie die Allerbrävsten. Der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse, der liebt alle seine Menschenkinder und möchte sie am liebsten heute noch als Zufluchtsuchende unter seine Flügel nehmen. Jerusalem war zu Jesu Zeit wirklich eine böse Stadt, und doch sagt Jesus mit Tränen: "Wie oft habe ich deine Kindlein sammeln wollen wie eine Henne sammelt ihre Kücklein unter ihre Flügel - und du hast nicht gewollt." Das ist der einzige Fehler, der die Menschen zuletzt aus dem Bereich der Güte herausschleudert: Nichtwollen. Sonst dürfen wir kommen mit aller Schuld und uns flüchten in den warmen Sonnenschein seiner Güte. Raff alles zusammen und flüchte unter seine Flügel!

Herr Jesus, decke deine Flügel über dein müdes, schwaches Kind. Es will die Augen schließen und glauben blind. Deine Güte hat Raum für mein Ungutes. Du wirst mir zurecht helfen. Ich traue auf dich! Amen.