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Predigten zu Psalm 3,4

"Mit meiner Stimme rufe ich zu Jehova, und er antwortet mir von seinem heiligen Berge. (Sela.)"

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Ich rufe an mit meiner Stimme den Herrn, so erhört er mich von seinem heiligen Berge."

Unter dem Eindruck dieses Wortes muss ich nachdenken über viele kleine und große Erfahrungen meines Lebens, wo es mir mit meinem Gebet gerade so ergangen ist. Von meiner Seite nichts als das Erheben meiner Stimme, d.h. das vertrauensvolle Rufen, Klagen, Bitten, das Anrufen des Herrn, als sähe mein Auge ihn, als müsste er mich hören. Bisweilen kam die Erhörung fast buchstäblich, wie ich gebeten hatte, sofort; bisweilen nach Monaten oder Jahren. Aber es kam auch anders: es gab Gelegenheiten, wo der Verlauf sich so gestaltete, dass ich ein "Nein!" herauszuhören meinte. Jetzt galt es, sich in diese Absage zu finden und sich bis dahin durchzukämpfen, dass man ihn auch trotz der Absage herzlich, fröhlich lieb hatte. Kaum war dieser Friedensstand erreicht, brach das Licht der Erhörung überraschend und beschämend hindurch, und das Ende konnte demütiges, tief bewegtes Loben und Danken sein. Manche Gebete wurden mir innerlich gleichsam verboten (wie Paulus 2. Korinther 12, 9), aber statt der Erhörung eine andere Gnade geschenkt. In ganz seltenen Fällen der Nichterhörung kam es nach Jahren heraus, warum die Erhörung mir schädlich gewesen wäre. So muss ich über meinem Beten doch das Psalmwort stehen lassen: Ich rufe - Er erhört!

Lieber Heiland, du kannst nicht anders als königlich mit deinem Knechte umgehn, nicht anders als väterlich mit deinem Kinde! Ich danke dir und preise dich immerdar! Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Aber du, Herr, bist der Schild für mich, und der mich zu Ehren setze, und mein Haupt aufrichtet

Kannst du auch also sprechen zur Verherrlichung deines Gottes? Andere rühmen sich ihres Reichtums, ihrer Schönheit, ihrer Stellung, ihrer Errungenschaften: findest du dagegen dein Genügen in Gott? Du bedarfst des Schutzes bei den Erschütterungen, die der Lauf der Zeiten mit sich bringt: ist Er dein Schild? Du musst etwas haben außer dir, worin du dein völliges Glück findest: ist Er dein Ideal? Dein Haupt senkt sich gleich der welkenden Blume – du bedarfst dringend der geschickten Hand des Gärtners: hat Er sich mit dir befasst?

Kannst das irgend besser haben – Als bei Ihm, der allezeit So viel tausend Gnadengaben – für uns Arme hat bereit? Kannst du je getroster werden – Als bei deinem Jesus Christ, Dem im Himmel und auf Erden – Alle Macht gegeben ist?

Gott um ihn her, als sein Schild, – Gott über und in ihm, als sein Ideal, – Gott als der Tröster, der sein müdes, trauriges Haupt aufrichtet – das war Davids dreifache Auffassung seines Verhältnisses zu Gott. Die Menschen um ihn her waren voll Zorns gegen ihn; er hörte ihre rauen Stimmen und verstand, was sie sagten. Dennoch ward er getröstet, denn er stillte sein Herz mit den Worten: Aber du, Herr!

Wir knien nieder, während Stürme toben, – Wir stehen auf – da scheint die Sonne wieder, Aufs neue klingen unsre Dankeslieder, – Wir knie'n in Tränen – und steh'n auf zu loben!

O, diese Aber! Wie wird unser Leben durch sie umgestaltet! Nun sehen wir, wie Gottes Sorgfalt uns umgibt, wie seine unerschöpfliche Fülle von Kraft und Trost uns erschlossen ist; wir werden dieses göttlichen Schutzes so lebendig bewusst, dass wir uns im Frieden niederlegen und schlafen, obgleich die Feinde zu Tausenden uns umlagern.