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Predigten zu Richter 6,14

"Und Jehova wandte sich zu ihm und sprach: Gehe hin in dieser deiner Kraft und rette Israel aus der Hand Midians! Habe ich dich nicht gesandt?"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Gehe hin, du sollst Israel erlösen aus der Midianiter Hände."

Schon bald nach Baraks Sieg fiel Israel wieder ab. Zur Strafe gab Gott das Volk in die Gewalt der Midianiter. Die kamen über das Land wie ein Heuschreckenschwarm, der alles wegfrisst. Ganz Israel musste sich zurückziehen in die Gebirge und dort in Höhlen und Klüften hausen. Da schlug Israel in sich und schrie zu Gott. In Gideon erweckte er ihm den Richter und Erlöser. Ehe Gott aber die Rettung bescherte, tat er ein dreifaches. Zunächst sandte er einen Propheten, der dem Volke die ganze Schande seiner Undankbarkeit und Sündengreuel aufdecken musste. - So tut Gott bis heute auch an uns. Die Segnungen göttlicher Hilfen werden eingeleitet durch gottgewirkte Erkenntnis unserer Sündenschuld. Hilfe ohne Schulderkenntnis würde unsere Leichtfertigkeit befördern. - Sodann befahl Gott dem Gideon, das Götzenbild Baals umzuhauen. Gideon kam dem Befehl nach, wenn auch - aus Menschenfurcht - bei Nacht. Diese Tat löste ein Wutgeschrei bei Israel aus! - Das ist ein Sinnbild der menschlichen Undankbarkeit. Man will Gottes Hilfe, will aber seinen geliebten Götzendienst nicht aufgeben. Bis heute schreit mancher zu Gott. Aber die Götzenaltäre des Geizes, der Fleischeslust, der Ehrsucht dürfen nicht angetastet werden! - Ein drittes noch tat Gott. Er nahm sich Zeit, den Gideon selber im Glauben fest zu gründen. Er gab ihm Gelegenheit, sein ganzes Herz vor Gott auszuschütten. Er durfte die Zuverlässigkeit der Worte Gottes und die Treue des Allmächtigen mehrfach auf die Probe stellen. Und erst nachdem Gideons Vertrauen unerschütterlich fest gegründet war, durfte er Hand ans Werk legen, um Israel zu erlösen! - Erschrecken wir nie, wenn Gott sich Zeit nimmt, sein helfendes Eingreifen gründlich vorzubereiten. Wo fehlt es bei uns noch? An der Erkenntnis der Schuld? An der Loslösung von den Götzen? Am Glauben? - Gott nimmt sich Zeit. Verstehen wir ihn?


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Gideon war bei seiner Arbeit. Er drosch Weizen in der Kelter, um ihn vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen. Weil er das tat und «im Kleinen treu» war, konnte Gott ihn berufen.

Kind Gottes, «geh hin in dieser deiner Kraft»! Denke nicht, du müßtest einen «besonderen Ruf» haben, um eine Seele zum Herrn Jesus zu führen. Gott berief Gideon nicht, als er die Midianiter bekämpfte, sondern als er im Haus einfach seine Pflicht erfüllte. Höre auf die Stimme, die zu dir spricht: «Geh hin!» Die Seele, zu deren Rettung Gott dich gebrauchen will, ist ganz in deiner Nähe. Er wird sie dir zeigen. Wenn unsere Herzen in Liebe zu Gott und zu den Menschenseelen brennen würden, dann würden wir nicht sagen, es fehle uns an Gelegenheiten, für den Herrn Zeugnis zu geben. Vergessen wir aber nicht, daß unser Herz von Natur immer eine Ausrede weiß, um sich zu rechtfertigen oder unsere Trägheit zu entschuldigen, wenn Gott uns zum Angriff führen will. Wir wollen uns also an die Arbeit machen und «hingehen», denn durch Warten und Aufschieben eines Entschlusses verfällt man schließlich in einen Schlaf, aus dem man nicht wieder erwacht. «Geh hin in dieser deiner Kraft!» Aus der menschlichen Sicht ist diese Kraft nicht vorhanden, aus der göttlichen Sicht ist sie aber wirklich und wirksam. Sie kommt in der Schwachheit zur Vollendung. Wenn das Werkzeug bereit ist, zeigt sich Gottes Kraft in ihm. Gideon hatte den erniedrigenden und entehrenden Zustand seines Volkes offen vor Gott bekannt. Auch bei uns bekommt Gottes Kraft freien Raum, wenn wir alles Unheilige, Fleischliche und Anmaßende in uns vor Seinem Angesicht verurteilt haben. «Geh hin in dieser Kraft», in Gottes Kraft, die zu deiner Kraft wird.

Es liegt unserem Gott viel mehr am Herzen als uns, daß Seelen gerettet werden. Er weiß, wo sie zu finden sind. Sein Heiliger Geist wird uns Seine Gedanken eingeben und unsere Entschlüsse lenken. Wie viele verlorene Schafe gibt es doch!

Wie viele Menschen tappen blind im Dunkeln und suchen jemanden, der sie führt! Liebe wartet nicht. Sie geht dahin, wo Bedürfnisse sind, und läßt sich nicht aufhalten. «Geh hin in dieser deiner Kraft!»