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Predigten zu Römer 12,19

"Rächet nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: "Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr"."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Rächet euch selbst nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn (Gottes)."

Hier stellt der Apostel den gerechten Zorn Gottes und Seine Rache unserer gottlosen Selbstrache gegenüber. Er deutet dadurch an, dass Gott, wenn wir Ihn unseren Beschützer sein lassen, in allen Dingen für uns sorgen, alles uns zugefügte Unrecht rächen und uns Recht verschaffen will. Wenn wir uns aber selbst rächen, sind wir Ihm zuvorgekommen, haben Ihm die Sache aus der Hand genommen - und müssen dann uns selbst helfen. Dies wird dadurch ausgedrückt, dass der Apostel Gottes Rache unserer Rache entgegensetzt und sagt: "Rächet euch selbst nicht, sondern gebt Raum dem Zorn (Gottes)." Er sagt nicht, dass unser erlittenes Unrecht nicht gerächt werden würde, sondern er will nur, dass Gott, der Herr, Sein Majestätsrecht behalte, der Richter aller Menschen zu sein, so dass wir uns nicht durch die Selbstrache in Sein Amt eindrängen dürfen. Er will der alleinige König und Richter Seiner erschaffenen Wesen sein und bleiben!

Denn es steht geschrieben: "Die Rache ist Mein, Ich will vergelten, spricht der Herr." Diese Worte des Herrn müssten gewiss für immer allen unseren Rachegelüsten ein Ende machen. Denn wenn der große Gott unser Rächer sein will, dann müssten wir mit Recht vor Seinem Zorn so erbeben, dass unser Zorn in inniges Erbarmen und in herzliche Fürbitte verwandelt würde. Wir sehen, mit welch großer Liebe Gott Seine Freunde und Kinder liebt. Es heißt: "Wer euch antastet, der tastet Gottes Augapfel an". Wir sehen, mit welch brennendem Eifer Er sie bewacht, so dass der Herr Jesus versichert: "Eure Haare auf dem Haupte sind alle gezählt", (was auch enthält, dass Gott die verborgenste Unbarmherzigkeit und Bosheit, die jemand uns zufügen kann, beachten wird). Außerdem wissen wir, wie schrecklich es zugeht, wenn der Herr zürnt und straft. Infolgedessen müssen wir still werden und flehen: "Gott sei uns allen gnädig! Vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben." Denn wenn Gott diejenigen heimsucht, die dir Unrecht und Böses zufügen, dann geht es etwas böser zu, als du es vielleicht gewünscht hättest. Wir dürfen nie vergessen, dass derjenige, der uns unverdientes Leiden zufügt, dies nicht nur uns, sondern in noch höherem Grade Gott, dem Herrn, tut, der viel herzlicher für uns sorgt, als wir selbst für uns sorgen; und dann ist dein Bedrücker sogleich unter dem Zorn Gottes, und Ihm wird er nicht entfliehen können; denn Ihm ist noch kein Mensch entflohen.

Das Gewisse ist dieses: Die Sünde wird nicht zu einem Nichts, dafür werden Gottes hohe Vollkommenheiten sorgen. Die Sünde wird immer in irgendeiner Weise den Sünder treffen, entweder hier in der Zeit in der Bekehrungsfrage und der Sorge um das Teilhaftigwerden des Leidens Christi oder aber in dem Erleiden der Strafe und der Rache. Kommt der Sünder hier in der Zeit zur Bekehrung und zum Teilhaftigsein des Leidens Christi für die Sünde, dann entgeht er der Gefahr, die rechte Strafe der Sünde zu erleiden, weil der Herr Christus sie erlitten hat. Aber das Leiden der Reue und der Züchtigung wird der Sünder doch haben.

Wenn dies dagegen nicht geschieht, wird ihn der Zorn Gottes treffen. Dies geschieht hier oft in einer solchen Weise, dass wir es nicht als Strafe für die Sünde betrachten, z. B. wenn es etwa durch gewöhnliche Unglücksfälle, durch Krankheit, Feuersbrunst, Wassernot oder dergl. erfolgt. Zuweilen aber geschieht es auch so, dass wir die gerechte Rache Gottes darin erblicken können, wie z. B., wenn ein Mann, der die Schwachen, die Witwen und Waisen bedrückt und sich ungerechterweise das Eigentum anderer angeeignet hat, durch besondere Unglücksfälle heimgesucht wird und in äußerster Armut und tiefstem Elend endet; oder wenn derjenige, der die Menschen lästerte, verriet und belog und ihnen ihren guten Ruf raubte, selbst in offenkundige Schande und Unehre fällt; oder wenn derjenige, der den Mitmenschen schwere Herzenswunden zufügte, ja, lebenslängliche Sorgen bereitete - ohne den Händen der irdischen Gerechtigkeit überliefert werden zu können -, in unerträglicher, stummer Schwermut, im Wahnsinn oder im Selbstmord endet usw. Und wenn der Herr nicht hier die Missetaten rächt, dann wird Seine gerechte Rache in der Ewigkeit, im "zukünftigen Zorn" über sie alle kommen.

Wie wolltest du nun deinem Feind zürnen, wie würdest du weiter gerächt werden wollen oder etliche böse Gedanken und Wünsche gegen ihn hegen, wenn du weißt, dass ein so gewaltiger Zorn Gottes bereits auf ihm lastet? Müsstest du nicht von herzlichem Mitleid ergriffen werden und für ihn beten, dass er zur Bekehrung kommen möchte? Solches müssen wir tief bedenken, wenn der große Gott sagt: "Die Rache ist Mein, Ich will vergelten."

Dies stellt uns der Apostel dar, um unsere starke Neigung zur Bosheit und Selbstrache recht ernstlich zu hintertreiben und zu unterdrücken. Und dies müsste genügen, alle diejenigen, die selbst aus lauter Barmherzigkeit leben und jeden Augenblick der Geduld Gottes bedürfen, zu bewegen, gegen einen sich an ihnen versündigenden Mitknecht weder die geringste Rache noch den geringsten Unwillen zu beweisen.

Ihr Menschen, hört, der Herr der Welten Spricht selbst zu uns: "Die Rach' ist Mein; Ich bin der Herr, Ich will vergelten, Will Richter alles Bösen sein!" Hört, was der Allvergelter spricht, Und greift Ihm nicht in Sein Gericht.