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Predigten zu Römer 4,3

"Denn was sagt die Schrift? "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.""

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet."

Wir erkennen hier, dass die Verheißung, der Abraham glaubte, das Evangelium Gottes von Christus enthielt. Die Worte des Textes "Abraham hat Gott geglaubt" finden wir bereits 1. Mose 15, 6. Doch sehen wir dort auf den ersten Blick nichts anderes als die Verheißung der zahlreichen Nachkommenschaft Abrahams. Was aber in dieser Verheißung mit inbegriffen lag, das wusste Abraham durch eine frühere Verheißung (Kap. 12, 3), in der Gott erklärt hatte, dass "in seinem Samen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden sollten". Dies war eigentlich jene ursprüngliche Verheißung von einem Heiland, die Gott unseren Eltern am Tage des Sündenfalls gegeben hatte, jene Verheißung, an die alle Gläubigen, schon von dem gerechten Abel an, geglaubt hatten und wodurch sie gerecht geworden waren. Es war jene Verheißung, die dem Abraham so oft wiederholt und immer wieder aufs neue gesagt wurde, dass sie, obwohl nicht jedesmal erwähnt, doch als der eigentliche Edelstein immer in den Verheißungen Gottes an Abraham enthalten war. Das ist die eigene Erklärung des Apostels, wie wir in Gal. 3 sehen können. Auch Christus nennt ausdrücklich den Gegenstand für das Glaubensauge des Abraham, über den dieser sich in seinem Glauben sogar freute. Der Herr sagt: "Abraham, euer Vater, ward froh, dass er Meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich."

Wenn der Apostel hier hätte sagen wollen, dass der Glaube selbst, als eine schöne Tugend des Menschen, dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden sei, dann hätte er durch eine solche Andeutung mit einem Mal den eigentlichen Nerv in seiner ganzen Rechtfertigungslehre zerschnitten. Es ist aber gerade sein Vorhaben, an dieser Stelle zu zeigen, dass wir ohne unser Verdienst oder Würdigkeit, nur durch Gottes Gnade und durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist, gerecht werden. Im folgenden Kapitel sagt er ausdrücklich, dass wir nur durch Eines Gehorsam gerecht werden. Gerechtigkeit ist nichts Geringeres als die Erfüllung des Gesetzes. Soviel bewirkt selbst der Glaube nicht. Zudem ist der Glaube an und für sich gerade eine Verleugnung unseres Verdienstes. Denn wer an Christus glaubt, bekennt dadurch, dass er selbst ungerecht, verloren, ratlos sei, und darum umfasst er "die Gerechtigkeit Gottes", die Gesetzeserfüllung, die durch Christus geschehen ist. Der Glaube muss ferner ein Wort von Gott zu umfassen haben, und von dem Inhalt dieses Wortes hängt das ab, was wir durch den Glauben empfangen. Wenn man dies nicht bedenkt, wird man die Worte vom Glauben und von der Gerechtigkeit des Glaubens stets missverstehen.

Sieh hier ein Gleichnis! Ein verlorener Sohn lebt fern im fremden Lande und leidet dort Not. Sein Vater verheißt ihm ein großes, schönes Gut, wenn er zurückkehrt und dasselbe annimmt. Der Sohn zweifelt lange und bleibt deshalb in seiner Armut fern vom Vaterhaus. Endlich aber fängt er an, den Worten seines Vaters zu glauben und eilt nach Hause, um sein Gut zu empfangen. Jetzt ist er sofort glücklich und reich. Sodann sagt er: "Ich war lange in Not. Daran war mein Unglaube schuld. Als ich den Worten meines Vaters glaubte, wurde ich glücklich und reich. Nur mein Glaube machte mich reich." Wenn nun jemand solche Worte hören und den Inhalt der Verheißung des Vaters nicht kennen und bedenken würde, dann könnte er sie so auffassen, als ob dieser Mann wegen seines kindlichen Vertrauens auf die Worte seines Vater belohnt worden sei. Dann würde jedoch derjenige, der die Umstände kennt, sagen: "Nein, beachte den Inhalt der Verheißung, der er glaubte; dieser machte ihn reich. Die Verheißung handelte von einem großen Gut, in dem der eigentliche Reichtum besteht. Sein Glaube bewirkte nur, dass er in den Genuss dieses Reichtums kam."

In solcher Weise müssen wir die Worte verstehen: "Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet." Dass der Glaube ihn gerecht machte, hing von dem mit dem Glauben umfassten Gegenstand der Verheißung ab. Dieser war Christus. Wollten wir die Worte nicht in dieser Weise verstehen, dann müssten wir die Hauptlehre der Schrift gänzlich verwerfen - alles das verwerfen und verachten, was Gott uns vom Anfang der Welt her von einem Heiland und einer Versöhnung in Seinem Blutverkündigte, alles das, was Gott durch Engel und Propheten verkündigte, sowie durch den levitischen Opferdienst und alle blutigen Opfer desselben vorbildlich darstellte. Wir müssten den eigentlichen Inhalt der Schrift, die Lehre von Christus, von dem Gehorsam Christi, von Seinem Leiden, Seinem Tod und Seiner Auferstehung missachten. Alles das würde zunichte, wenn Gott uns nur wegen der Tugend, dass wir glauben, Er sei wahrhaftig, gerecht machen könnte. Dass der Apostel sich hier nicht weiter erklärt hat (wie er es im folgenden Kapitel tut), wird vor Gott gewiss keinen Menschen entschuldigen, der hier zu einem neuen, gegen die Hauptlehre der Schrift streitenden Gedanken Anlass nehmen wollte. - Durch die ganze Heilige Schrift hindurch offenbart sich die majestätische Grösse Gottes dadurch, dass Er das, was Er gesagt hat, nicht immer wiederholt, sondern fordert, dass wir Seiner gegebenen Erklärungen eingedenk sein und Ihn verstehen sollen.

Merk, Abraham selig ist durch Glaub' an Jesu Leiden! Nicht Tugend hob ihn auf den Thron der Himmelsfreuden; Nein, groß sind er und ich durch Jesu Tod und Blut; Wer dies glaubt inniglich, hat freien, guten Mut.