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Predigten zu Römer 8,10

"Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"So Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen."

Hier könnte gefragt werden: "Weshalb sollen die Gläubigen sterben, da Gott ihnen doch ihre Sünden vergeben hat, und da der Tod ja eine Strafe der Sünde ist?" Antwort: Der Tod der Gläubigen darf nicht dafür angesehen werden, auch nur im geringsten die vollkommene Genugtuung Christi oder unsere volle Freiheit von dem Fluch des Gesetzes zu verkleinern. Ihr Tod ist nicht eine der rächenden Gerechtigkeit gemässe Strafe. Für alle, "die in Christus Jesus sind", sind der Tod und alle Leiden nur heilsame Reinigungsmittel in ihres Vaters Hand, nur Glaubensprüfungen, Läuterungen des Geistes und Vernichtung aller Feinde und Fesseln. Alles wird ihnen zum Besten dienen. Das hat der Tod Christi ausgerichtet, durch den das ganze Gesetz Gottes sein volles Recht erhält, und durch den ein neuer Bund aufgerichtet wurde, demzufolge alle, die in Christus Jesus sind, von dem Tod als dem Lohn der Sünde und von allem Fluch des Gesetzes befreit sind. Für sie ist der Tod "verschlungen in den Sieg", und ihr Todestag ist nicht eine Strafe der Sünde, sondern im Gegenteil zum Erlösungstag vom Tod und von allem Elend verwandelt. Das Grab ist ihnen ein heimlicher Gang zum Paradiese Gottes. Das in die Erde Bestattetwerden ihrer Leiber ist eine Saat für jenes Leben. Gleichwie die in die Erde gelegte Herbstsaat im nächsten Sommer in einer neuen, verjüngten und schönen Gestalt dastehen wird, so dass sie nicht verloren ist, während sie in der Erde liegt, in derselben Weise sind die Leiber der Gläubigen durch den Tod nicht vernichtet, sondern nur in die Erde gelegt, um in neuen, schöneren Gestalten aufzuerstehen. "Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich; es wird gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib."

Kann ein solcher Tod wohl eine Strafe der Sünde oder ein Fluch des Gesetzes genannt werden? Im Gegenteil: Er ist eine übergroße Gnade und ein Segen. Sein Zweck und sein Nutzen für die Leiber der Wiedergeborenen ist der, die in ihnen wohnende Sünde auszurotten und zu töten; sie müssen sterben, um ganz gereinigt zu werden. Das Gift der Sünde hat ihre Leiber so durchdrungen und verderbt, dass sie wie die Aussätzigenhäuser in Israel niedergerissen und erneuert werden müssen, um rein zu werden. Und gleichwie das Weizenkorn nicht lebendig wird, bevor es in die Erde fällt und erstirbt, so müssen auch unsere Leiber sterben und im Staube verwesen, um recht lebendig und heilig zu werden.

Jetzt könnte man wohl einwenden: "Diejenigen, die bei der Wiederkunft des Herrn leben, werden nie sterben, sondern in einem Augenblick verwandelt; weshalb könnte der Herr nicht mit allen Seinen Gläubigen so handeln und sie schon hier in einem Augenblick verwandeln, so dass sie nicht zu sterben bräuchten?" Hierauf kann nur geantwortet werden: Gott ist weiser als die Menschen. Wie vieler tiefen, heilsamen Lehren und Eindrücke wären wir beraubt, wenn der Tod uns nicht mehr vor Augen stände. Die Gläubigen bedürfen ja der ganzen Hilfe gegen die Sünde. Durch die Gewissheit des Todes wird nicht nur dem fleischlichen, weltlichen Sinn gewehrt, sondern es wird uns neben der Güte Gottes auch Seine Strenge gezeigt - Gottes Strenge und Hass gegen die Sünde, indem Er, der Gott des Lebens und der Seligkeit, um der Sünde willen den Tod in die Welt kommen ließ, und Seine Güte, Seine herzliche Barmherzigkeit, indem Er Seinen Sohn in unseren Tod dahingab, um dessen Stachel abzubrechen und ihn in einen guten Schlaf zu verwandeln. Solange die Sünde in der Welt ist, ist der Tod eine Wohltat für die Gläubigen. Sie bedürfen noch zu flehen: "Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!"

Schließlich sollen die Gläubigen auch deshalb sterben, weil sie in allen Dingen ihrem Haupte nachfolgen sollen. Er starb, sollten wir, Seine Glieder, von dieser Ordnung ausgeschlossen sein? Es ist ein großer Trost: Wenn wir sterben, folgen wir unserem Herrn und Heiland, der uns diesen Weg vorangegangen ist. Und wenn die Natur dennoch stets die Art hat, vor dem Tod zu schaudern (wie es auch viele Heilige erfahren haben), dann ist es sehr notwendig und sehr heilsam, dass gläubige Menschen tief bedenken und immer wieder dessen eingedenk bleiben, dass sie in Gottes Hand sind, in den Armen ihres getreuen Vaters und Heilandes, ohne dessen Willen nicht ein Haar von ihrem Haupte umkommen soll. Wenn auch der Tod eine erschreckende Gestalt hat, so ist es dennoch ihr bekannter, sie zärtlich liebender Heiland, der im Tod zu ihnen kommt. Es ergeht uns im Tode, wie es den Jüngern erging, als sie im Schiffe waren und Jesus auf dem Wasser zu ihnen kam. Sie erschraken und riefen: "Es ist ein Gespenst!" Jesus aber sprach zu ihnen: "Seid getrost! Ich bin es, fürchtet euch nicht." - Er, der uns bisher mit so großer Huld beschützt hat, wird auch im Tod Seine Lieben nicht verlassen und uns nichts geschehen lassen, was Seine Liebe nicht vorschrieb. Durch den Tod wird Er uns das geben, wonach wir solange seufzten, nämlich die Erlösung von allem Übel, eine vollkommene Heiligkeit, Ruhe und Sicherheit. Wir werden niemals mehr gegen Ihn sündigen; niemals mehr wird unser Glaube von der Finsternis bedrückt, niemals mehr vom Teufel angefochten werden. Niemals mehr werden wir unseren Heiland vermissen, sondern Ihn dann im Paradiese Gottes sehen, wie Er ist. Während wir auf Erden arm, furchtsam und unruhig waren, werden wir dann in unser himmlisches Erbreich, in die ewige Ruhe eingeführt werden.

Dann werden uns're Tränen Herr, stille unser Sehnen Ein Meer voll Freude sein. Und hole uns bald heim!


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

So aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

Es bleibt für gläubige Christen ein ernstes, wehmütiges Wort, dass auch ihr Leib tot sei, um der Sünde willen. Wir sehen aber täglich, dass es so ist; wir alle sind dem Tode unterworfen, und wie viele Todesspuren sehen wir nicht an unserm Leibe, ehe das eigentliche Sterben eintritt. Aber Gottlob! wir bekennen mit allen Gläubigen: „ich glaube an eine Auferstehung des Leibes“ und dürfen hinzusetzen: „und ein ewiges Leben.“ Letzteres dürfen nur die bekennen, denen des Apostels Wort gilt: „der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.“ Sind wir gerechtfertigt durch den Glauben an Christum, so kann Gott uns wieder geben seinen Geist, der da ist ein Geist der Gerechtigkeit; dieser Geist gibt unserem durch die Sünde verkümmerten und zurückgedrängten Geist, Leben, göttliches Leben. Dieses durch Gottes Geist in uns wohnende Leben gibt uns die Anwartschaft auf die Auferstehung zum ewigen Leben: der Vater wird unsere sterblichen Leiber lebendig machen um des willen, dass sein Geist in uns wohnet. Zwar bleibt zwischen dem Lebendigmachen des Leibes Christi und unserer Leiber, das der Apostel neben einander stellt, doch ein großer Unterschied. Das Lebendigmachen von Jesu Leib war eine Notwendigkeit; sein Leib war so ganz das Werkzeug des in ihm wohnenden Geistes der Heiligkeit; er stand von Jugend auf so völlig unter Geistesregiment, dass er nicht nur vom Sünden- und Todeswesen frei blieb, sondern in das Geisteswesen erhoben wurde und darum nicht verwesen konnte; er musste auferstehen. Unsere Auferstehung zum ewigen Leben bleibt auch bei der geheiligtsten Person ein Gnadenakt Gottes, der stattfindet um Jesu willen. Doch haben wir in der Schrift Winke genug, die uns zeigen, wie innig die Heiligung des Leibes zusammenhängt mit unserm Auferstehungsleib; man lese 1. Korinth. 6,13 – 15; Gal. 6,8. Das Wichtigste bleibt, dass der Apostel das Lebendiggemachtwerden unserer Leiber von dem Innewohnen des Geistes abhängig macht. Wir dürfen also mit Gnadenzügen nicht zufrieden sein; der Herr selber will durch seinen Geist in uns wohnen.

Vater der Herrlichkeit! Erfülle mich mit dem Geist der Herrlichkeit. Wohne so in mir, dass auch meine Glieder Werkzeuge der Gerechtigkeit werden und bereite mich so zu, dass Du an meinem Leibe und an meinem Geiste gepriesen werdest. Amen