Ach könnt ich stille sein    

1) Ach könnt ich stille sein,
und sanfte schlafen ein,
mein Gott, in deinem Frieden!
Drück mir die Äuglein zu,
so sinkt mein Geist in Ruh, -
von allem abgeschieden.

2) Ach, dass ich stille wär!
Das Aug' schaut hin und her,
und die Gedanken rasen.
Vernunft will spekuliern,
die Sinnen ausspaziern,
der Will' ist nicht gelassen.

3) So wacker, so zerstreut
ist meine Sinnlichkeit,
so quäl' ich mich beständig.
Es schlafe die Natur.
Mein Herze wache nur,
dir, meinem Gott, inwendig.

4) Dem, was sich draußen regt,
ganz fremd und unbewegt,
als wär ich nicht im Leben.
Nur dir allein bekannt,
dir innig zugewandt,
und leidentlich ergeben.

5) Geh, Welt und Freude such:
ich hab hier Freude g'nug.
Ich muss nicht betteln gehen:
man schelte mich für dumm,
für traurig und für stumm. -
ich lass mein Herz nicht sehen.

6) So heimlich und so bloß
kriech ich in deinen Schoß,
da stillest du mich Müden.
Da lieg ich wohl verwahrt,
in deiner Gegenwart,
und schlafe ganz mit Frieden.

Text:
Melodie: Unbekannt