1) Du Herr des Himmels und der Erden,
woher kommt diese Knechtsgestalt?
Wie seh ich dich so niedrig werden?
Wie äußert sich jetzt die Gewalt,
die sonst die ganze Welt umschließt,
da du ein Herr der Herren bist?
2) Der Meister wäschet seine Jünger
und machet ihre Füße rein,
die doch viel tausendmal geringer
und dieser Ehr nicht würdig sein.
Wo schreib ich diese Demut hin,
vor der ich ganz erstaunet bin?
3) Doch das war nur ein Vorspiel dessen,
was dich noch niedriger gemacht.
Wer kann die Demut recht ermessen,
die dich auch gar ans Kreuz gebracht?
Dort gossest du nur Wasser ein,
hier musste Blut vergossen sein.
4) Hier wurdest du ein Spott der Leute,
hier schüttelt man das Haupt vor dir.
Die Mörder hangen an der Seite,
man rücket dir dein Elend für:
ist denn das Kreuze nun dein Thron?
Sind Dornen g'nug zu deiner Kron?
5) Doch deine Demut will mir zeigen,
wie man zu Ehren kommen kann.
Es wird gen Himmel niemand steigen,
er fang es denn mit Demut an.
O, pflanz mir diese Tugend ein,
so werd ich recht geehret sein.
6) Die tiefe Demut macht es eben,
dass dich dein Gott so hoch erhöht
und einen Namen dir gegeben,
der über alle Namen geht.
Wer nur nach deiner Demut tracht't,
der wird vor Gott auch groß gemacht.
7) Ich bin doch nichts als Staub und Erden,
so lasse mich in Demut dir
nur ähnlich, wo nicht gleiche werden.
Man geht gebückt zur Himmelstür.
Und bin ich in der Welt nur klein,
im Himmel werd' ich größer sein.