1) Ein großer Schritt ist wiederum getan,
das Alte schließt, das Neue hebet an.
Es mahnen uns die ernsten Glockenschläge,
wie lang ist's noch auf unserm Lebenswege?
Wie rasch dahin ist eines Jahres Lauf!
Wie Körnlein Sandes rinnen die Minuten,
sie sind verronnen, eh wir es vermuten.
Das letzte fällt herab - wer hält es auf?
2) Du zählst sie nicht, und doch sind sie gezählt
vom Ihm, in dessen Rechnung keines fehlt.
Sieh, wie sich die verschwundnen Jahre häufen,
wie sie allmählich still zusammenträufen, -
zur Ewigkeit nimmt jedes seinen Lauf.
Im Stundenglas wird's oben immer leerer,
und unten immer voller, immer schwerer.
Die große Last der Zeit - wer hebt sie auf?
3) Zuweilen trifft die Stundenuhr ein Stoß,
dann stürzt mit einmal, was sonst langsam floss.
Wer dann gerechnet hat auf viele Jahre,
den streckt ein Augenblick hin auf die Bahre,
man fällt am leichtesten im vollen Lauf.
O Mensch, so lang die Gnadenkörnlein rinnen,
solange hast du Zeit, dich zu besinnen,
hast noch zur Umkehr Zeit - wer schiebt sie auf?
4) Ja, lieber Mensch, dein Leben ist wie Sand,
doch deines Lebens Uhr hält Gottes Hand.
Ob rechts und links des Todes Sense schneidet,
gottlob, ich weiß, wer seinen Schritt begleitet,
und nicht ins Ungewisse geht der Lauf.
Sand fällt, und Staub verweht, und Körnlein rinnen.
Ein Kleines noch, so müssen wir von hinnen.
Doch du, Herr Jesu, bist's! - Du nimmst uns auf.