Erfüllt sind Stund und Zeiten    

1) Erfüllt sind Stund und Zeiten,
der neue Tag bricht an.
Das Licht der Ewigkeiten
tritt auf die Siegesbahn.
Zur Mitternacht verschwiegen
hat es sich eingestellt.
Die Engel Gottes fliegen
und rufen's in die Welt.

2) Hier liegt's im Mutterschoße
und ist noch schwach und klein.
Nur zu geringem Lose
schent es bestimmt zu sein,
als sollt' es sich verlieren
in tiefer Dunkelheit, -
und doch soll es regieren
die Welt in Herrlichkeit.

3) Es hat nur abgenommen
von seinem Haupt den Schein,
damit wir zu ihm kommen
ganz ohne Furcht und Pein.
Damit wir nicht erschrecken
vor seiner hellen Pracht,
will es sich gar verstecken,
und hüllt sich in die Nacht.

4) Doch muss vor diesem Licht
der Glanz der Welt vergehn,
vor diesem Angesichte
die Sonne finster stehn.
Sein stillverborgnes Wesen
hat eine solche Macht,
dass Kranke drin genesen
und Totes neu erwacht.

5) Es ist ein Licht der Gnade,
ein Trost für jeden Schmerz.
In seinem Strahlenbade
erneuert sich das Herz.
Es kann uns frisch erstatten
den welken Freudenkranz.
Die tiefsten Todesschatten
verwandelt es in Glanz.

6) Es freuen sich die Armen,
die Müden in dem Schein.
Es ladet voll Erbarmen
die Schwachen zu sich ein.
Die Stolzen nur erquicken
sich nicht an seinem Strahl.
Nur den verkehrten Blicken
ist dieses Licht zur Qual.

7) Was finster ist und böse,
dem ist's ein Feuerbrand.
Doch auf der Wunden Blöße
liegt es wie Mutterhand.
Es hat so scharfe Ruten,
die gehn bis auf's Gebein,
und auch so sanfte Gluten,
wie milder Sternenschein.

8) O Licht, lass uns hienieden
als deine Kinder stehn,
bis wir dereinst im Frieden
den höhern Aufgang sehn!
O Jesu, Stern der Gnade,
des Vaters Glanz und Zier,
o leucht' auf unsre Pfade,
damit sie gehn zu dir!

Text:
Melodie: Wie soll ich dich empfangen