Gott, der du bist und warest    

1) Gott, der du bist und warest,
dein hohes Gnadenwerk,
das du uns offenbarest,
sei jetzt mein Augenmerk.
Ach lehre, was es sei,
im Gnadenreich auf Erden
auf's neu' geboren werden, -
bring es mir heilsam bei.

2) Dein Reich kann niemand sehen,
der wird dort nicht erkannt,
dem dies Werk nicht geschehen,
und den nicht deine Hand
an Geist und Seel' erneut.
Denn was vom Fleisch geboren,
ist Fleisch und geht verloren
in alle Ewigkeit.

3) Vernunft hat keine Kräfte,
der Mensch ist geistlich tot
zu diesem Heilgeschäfte,
ihm tut ein Helfer not.
Du, Jesu, hast's verdient,
als du für uns gestorben
und uns das Heil erworben.
Du hast uns ausgesühnt.

4) Dein Geist, die gute Gabe,
kommt nun zu uns herab,
das Gute, das ich habe,
stammt alles von dir ab.
Die Widerspenstigkeit,
in der die Menschen stecken,
die weiß er aufzudecken,
wenn er uns ganz erneut.

5) Er wirkt durch Wort und Taufe,
wenn er uns neu gebiert,
er wehrt dem Sündenlaufe,
wenn er uns anders führt,
ganz eine neue Art
kommt in die Seelenkräfte,
wenn er durch dies Geschäfte
sich in uns offenbart.

6) Was wir in Adam worden,
das sehen wir nun ein.
Wie wir des Satans Orden
natürlich eigen sein:
arm, nackend, bloß und blind,
sodass wir an uns zagen,
uns selbst vor Gott verklagen,
zerknirscht und traurig sein.

7) Hier wird der wahre Glaube
durch Gottes Geist geschenkt.
Trotz dass der Feind ihn raube,
der ihn zu dämpfen denkt.
Sobald wir Jesum sehn,
so kann uns nichts verdammen,
uns kann von Höllenflammen
hinfort kein Leid geschen.

8) Der Glaube ist das Leben,
aus Gott in uns erweckt.
Er wird uns Kräfte geben,
die sich gen Himmel streckt.
Und Gottes Ebenbild
wird nun in uns erneuert,
in dem der Geist nicht feiert,
der unsern Geist erfüllt.

9) Nun sind wir Gottes Kinder,
von göttlicher Natur.
Wir sind am Geist gesünder,
davon merkt man die Spur.
Ein neugeborner Christ
hat seine sichern Zeichen.
Es lässt sich nicht verschweigen,
dass er geändert ist.

10) Gehorsam, Furcht und Liebe
Herrscht nun in seinem Tun,
man spürt des Geistes Triebe,
in welchen er sich nun
dem Irdischen entreißt.
Er wird zu dem, was droben,
unausgesetzt erhoben
und wandeln stets im Geist.

11) Du hast mich neu geboren
durchs Wasserbad im Wort,
vorher war ich verloren,
hier kam ich an den Port,
wo ich das Heil erhielt,
doch prüfe, wie ich's meine,
ob ich jetzt, als der Deine,
noch tue, was du willst.

12) O Gott, steh ich im Stande
der Kindschaft? - Forsche mich!
Wall' ich im Lebenslande
noch unveränderlich?
Herr, gib mir zu verstehn!
Werd' ich im neuen Leben
die Proben von mir geben, -
dann wirst du mich erhöhn.

Text:
Melodie: Von Gott will ich nicht lassen