Herr des Himmels, Gott der Gnade    

1) Herr des Himmels, Gott der Gnade,
könig aller Herrlichkeit,
der die Welt auf rechtem Pfade
führt ans Ziel der Seligkeit.
Lass am Tage deiner Ehren
alles Volk in deinem Bund
eines Muts mit Herz und Mund
sich zu deinem Throne kehren.
Lass den Tag der Gnadenzeit
uns begehn in Einigkeit.

2) Herr, wenn deines Hauses Pforten
deinen Kindern offen stehn,
wenn die Boten aller Orten
mit dem Wort des Lebens gehn.
Wenn mit neuen hellen Zungen
alle Luft sich füllt und regt.
Wenn sich jedes Herz bewegt,
weil dein Licht hereingedrungen.
Lass den Tag der Gnadenzeit
uns begehn in Frömmigkeit.

3) Mache du die Augen heiter,
salbe Haupt und Angesicht,
dass die auserwählten Streiter
mutig treten an das Licht.
Gieß in heilger Tagesfrühe
Über uns dein volles Horn,
dass der Mensch aus deinem Born
neugeboren grün' und blühe.
Lass den Tag der Gnadenzeit
uns begehn in Heiligkeit.

4) Tauche die befleckten Glieder
in das Bad der Sühnung ein.
Lass das Herz geneigter wieder
und die Hände schuldlos sein.
Lass vor dem Kreuzeszeichen
alle Sünd' und böse Lust
aus den Sinnen, aus der Brust
fliehn und ganz von hinnen weichen.
Lass den Tag der Gnadenzeit
uns begehn in Lauterkeit.

5) Schmücke mich zum Feiertage
mit dem hochzeitlichen Kleid,
dass ich freudig widersage
allem Gram und Herzeleid.
Allen Kummer will ich legen
Gott, vor deinen hohen Thron,
wo dein eingeborner Sohn
mich beschenkt mit seinem Segen.
Lass den Tag der Gnadenzeit
mich begehn in Fröhlichkeit.

6) Wenn dein Wort in aller Fülle
Trost und Hoffnung auf mich gießt,
o, so nimm die finstre Hülle,
die den blöden Sinn umschließt.
Lass das Wort zum Herzen dringen.
Lass mich fassen, was du gibst,
lass mich glauben, wie du liebst.
Gib Verstand in allen Dingen.
Gib am Tag der Gnadenzeit
mir das Licht der Ewigkeit.

Text: (1843)
Melodie: Sollt ich meinem Gott nicht singen