Lebenssonne, deren Strahlen    

1) Lebenssonne, deren Strahlen
auch im Dunkeln geben Schein.
die nach Würden abzumalen
ist der Sonnen Glanz zu klein:
Aller Sternen güldne Pracht
gegen dich, ist lauter Nacht;
Mond und Sonne müssen weichen
und vor deinem Glanz erbleichen.

2) Komm dann, Jesu, deine Klarheit
allen Sünde Dunst durchbricht.
Zeige mir den Weg der Wahrheit.
zeig dein helles Angesicht;
treib aus meinem Herzen aus
alle Schatten, lass dein Haus,
drin du dich willst ewig spiegeln,
keine Macht der Welt verriegeln.

3) Lass in deinem Licht mich wandeln,
o du heller Morgenstern.
Lehr mich suchen, so zu handeln,
aus dem Wort des Lebens lern,
und gleichwie du für und für
bist des Vaters Bild und Zier,
also lass, Herr, deine Strahlen
auch in mir dein Bildnis malen.

Original-Text:

1) Lebenssonne, deren Strahlen
auch im Dunkeln geben Schein.
Dich nach Würden abzumalen
ist der Sonnen Glanz zu klein.
Aller Sternen güldne Pracht
gegen dich, ist lauter Nacht.
Mond und Sonne müssen weichen
und vor deinem Glanz erbleichen.

2) Ist das Licht süß anzusehen,
das die Sonne zu uns schickt:
alles muss in Freuden stehen,
was dein liebreich' Herz erblickt.
Du hast mitten aus der Nacht
licht und Leben wiederbracht,
da die Sonne sich verhüllte,
weil den Zorn ihr Schöpfer stillte.

3) O, wie sah man nicht im Dunkeln,
als du zwischen Mördern hingst,
deine Liebe Feuer funkeln,
womit du dein Volk umfingst!
Hättst du nicht des Abgrunds Dampf
ausgetilgt durch deinen Kampf,
ewig müssten wir ersticken
in der Höllen Rauch und Stricken.

4) Komm dann, Jesu, deine Klarheit
allen Sündendunst zerbricht.
Zeige mir den Weg der Wahrheit.
Zeig dein helles Angesicht.
Treib aus meinem Herzen aus
alle Schatten. Lass dein Haus,
drin du dich willst ewig spiegeln.
Belial dir nicht verriegeln.

5) Siehst du nicht des Herzens Höhle,
wie sie Verwirrung voll?
In dem tiefsten Grund der Seele
glänzt es noch nicht, wie es soll.
Ach, wann soll dann erst dein Glanz
meinen Geist verklären ganz?
O, dass einst möcht' alles sterben,
was dein Licht nur kann verderben.

6) Warst du's nicht, der aus der Tiefe,
drin die Welt versunken lag,
durch ein Wort dem Lichte riefe?
Und wie plötzlich wurd' es Tag!
Starker Gott, dem nichts entbricht,
sprich wie einst: Es werde Licht!
Lass das Fleisch in seinen Lüsten
nicht mehr wider dich sich rüsten.

7) Lass in deinem Licht mich wandeln,
o, du heller Morgenstern!
Lass mich suchen, so zu handeln,
wie mir zeigt des Worts Latern.
Und gleich wie du für und für
bist des Vaters Bild und Zier,
also lass auch deine Strahlen
in mir deine Gleichnis' malen.

8) Ich muss, wie du mich, dich kennen,
ich muss heilig sein, wie du.
Und wie du in Liebe brennen.
Gib mir Licht und Kraft dazu.
War des Tempels Dunkel nicht
allzu eng vor deinem Licht?
Warum solltest du dich schämen,
platz in meinem Geist zu nehmen?

9) Wohne, Herrsche, leuchte, heile,
dir, dir räum ich Herz und Mut.
Sei mir stets zur Feuersäule,
fülle mich mit Licht und Glut.
Eine Sonne wärmt die Welt.
Eine Sonne mir gefällt.
Würde die mich nicht erhitzen,
was sollt mir mein Leben nützen?

10) O, dass ich dich hier möcht' spüren
im Verborgnen unverrückt,
und in dir mich stets verlieren,
wenn ich deinen Glanz erblickt!
Weicht ihr Sinnen! Schweig, Verstand!
Hier wird etwas mehr erkannt,
als dein Ekel kann ermessen.
Witz und Kunst wird hier vergessen.

11) Hier bedarf ich keiner Sonne,
die nur meinen Lein ergetzt.
dein Antlitz gibt reine Wonne,
die kein Wollustwurm verletzt.
Die in Ewigkeit hält aus,
wenn dies irdsche Sonnenhaus
wird zerschmelzen, und mit Krachen
aller Weltlust Ende machen.

12) Muss ich schon in Mesechs Wohnung
seufzen, girren manches Mal.
Ach, ein Strahl ist g'nug Belohnung.
Ach, ein süßer Jesus-Strahl
hat viel größre Lieblichkeit,
als die Hölle Bitterkeit.
Und in dieser Liebeskammer
wird verschmerzt der Sündenjammer.

13) Ja, willst du dich schon verstecken
einen Augenblick vor mir.
Es soll mich doch nicht erschrecken.
Ich will schweigen, trauen dir!
Du wirst deinen Bund und Eid
halten fest in Ewigkeit.
Wenn die Sonne wird vergehen,
bleibet doch dein Wort mir stehen.

14) Du sollst auch im Finstern heißen
meines Herzens einges Licht.
Tod und Grab kann nicht zerreißen,
was dein Testament verspricht.
Prüfe, forsch mich, wie du willst,
du bleibst mir doch Sonn' und Schild.
Hast du dich mir schon entnommen,
du wirst eilend wiederkommen.

15) Komm nur bald und lass dein Waislein
dir nachschmachten nicht zu lang.
In dem dürren Todes Häuslein,
da der Seelen oft wird bang.
Ende meinen Kampf und Lauf,
geh in Herrlichkeit mir auf,
lass vor deinem Thron mich stehen
und dein Antlitz ewig sehen.

Auch nach folgender Melodie zu singen: Werde munter, mein Gemüte

Text: (1718)
Melodie: (1551)

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