O, du Richter aller Welt    

1) O, du Richter aller Welt,
soll mit dir ich rechten?
Mir ist schon der Spruch gefällt,
ich kann nichts verfechten.
Aber ist die Ehr' auch groß,
wenn du mich bezwingest?
Ich bin elend, schwach und bloß,
schau, mit wem du ringest!

2) Ach, wir wollen keinen Streit,
lass uns so vertragen.
Heischest du Gerechtigkeit,
so bin ich geschlagen.
Herr, dir wär es viel zu schlecht,
dass du vor Gerichte,
solltest fordern einen Knecht,
bald wird er zunichte.

3) Hier schafft unsrer Werke Zier
nichts denn eitel' Grauen.
Uns'r Stärk ist auch vor dir
kraftlos anzuschauen.
Vor dir ist des Reichtums Glanz
Bettelwerk zu achten,
unser Recht verlöschet ganz,
willst du es betrachten.

4) Schrecklich ist es, wenn dein Grimm
Über mich sich hebet.
Vor der rauen Donnerstimm'
Erd' und Himmel bebet,
du bist Zeug' und Richter mit,
richter und auch Zeuge,
siehst wohin ich meine Schritt,
ja mein Herze neige.

5) Ach, ich Armer, ich vergeh,
willst du Sünde rächen,
weh, ihr Himmel, Erde weh!
Über mein Verbrechen,
wenn das Buch wird aufgetan,
das die Wort' und Taten,
auch Gedanken klaget an, -
ach, wer wird mir raten.

6) Wer sich von dem Herren kehrt,
den verlässt er wieder.
Wer nicht achtet, wen er lehrt,
der stürzt endlich nieder.
Jetzo bricht sein Tag herein,
jetzt wird ewig kommen,
ewig weh den Bösen sein,
ewig wohl den Frommen.

7) David Gottes, lieber Knecht,
hat den Tag gescheuet,
paulus hielt sich nicht gerecht,
job war nicht befreiet.
Stehn die Säulen selbst gebückt,
wie wird's Stützen gehen?
Wird, wovor die Eich' erschrickt,
eine Myrrhe stehen.

8) Wer ist der gerecht sich weiß,
wegen seiner Gaben,
uns fehlt allen dieser Preis,
den wir sollen haben.
Darum schau mein Elend an,
lass dich gnädig finden:
Jesus hat genug getan,
er tilgt alle Sünden.

Text:
Melodie: Schwing dich auf zu deinem Gott