O Gott, vor dem nur Wahrheit gilt    

1) O Gott, vor dem nur Wahrheit gilt,
du kennst des Herzens Tiefen!
Gedanken, als sie noch verhüllt,
wie dunkle Träume, schliefen,
die sahst du, Herr, im hellen Licht:
wer mag vor deinem Angesicht
sein Innerstes verbergen!

2) Vergebens wird die Eitelkeit
des Wohltuns Fülle spenden.
Verleumdung, Rache, Hass und Neid,
dich können sie nicht blenden,
ob sie vor Menschen auch geheim
den Todes-Pfeil in Honigseim
der sanften Schonung tauchen.

3) Das Auge der Allwissenheit
durchschaut des Lasters Höhlen.
Es sieht auch euer stillstes Leid,
ihr Gott geweihten Seelen,
hört euer brünstiges Gebet,
und sieht den Kampf, den ihr besteht:
der Herr erkennt die Seinen.

4) Ob ihr verkannt von Menschen hier
auch Hohn und Spott erduldet:
o wacht, und betet nur, dass ihr
die Trübsal nicht verschuldet.
Und dann werft eure Sorg' auf ihn!
Der Vater wird sich nicht entziehn:
er ist ein Gott der Frommen!

5) Der große Weltenvater ist
allwissend! Sünder, bebe!
Du aber sei getrost, o Christ!
Ja, sei getrost, und lebe!
Dein Vater ist ein Gott der Macht,
und sein allsehend' Auge wacht
in nächtlich dunklen Tagen.

Text:
Melodie: Such, wer da will, ein ander Ziel