Sie thronet nicht auf Fürstensitzen    

1) Sie thronet nicht auf Fürstensitzen,
nicht in dem Purpurkleid der Macht.
Sie lässet keine Schwerter blitzen,
sie wird von keinem Heer bewacht -
die Kirche, die aus Gott geboren,
gestiftet ist vom ew'gen Sohn.
Sie hat das Wort zum Schild erkoren,
die heilge Wahrheit ist ihr Thron.

2) Wo an des Südens Prachtgestaden
ein neues Paradies entstand,
dort hat man sie nicht eingeladen,
zum Norden war ihr Schritt gewandt.
wo düstre Wälder sie begrüßen,
am öden Strand ist ihre Ruh'.
Sie sitzt zu ihres Herren Füßen
und höre seiner Rede zu.

3) Die Künstlerhand berühmter Meister
hat nichts mit ihrem Schmuck getan.
Der Witz und Scharfsinn großer Geister
nahm ihrer Ohnmacht sich nicht an,
mit hinterlist'gem Spott versuchten
die Kinder dieses Tages sie.
Sie hat gesegnet, die ihr fluchten,
unrecht vergolten hat sie nie.

4) Oft schweifte sie verfolgt, verstoßen
als arme Pilgrin durch die Welt,
gleich ihrem Herrn, dem göttlich großen,
fand sie kein Obdach und kein Zelt.
Doch sang sie wunderbare Lieder,
dass es in jede Hütte klang,
der Feinde Waffen sanken nieder,
wenn dieser Ton zu Herzendrang.

5) Mit seinen Schätzen ihr zu dienen,
gefiel dem stolzen Mammon nie.
Kein Fürst naht ihr mit Baldachinen,
kein Kaiser beugt vor ihr das Knie.
Sie wohnt nicht auf den sieben Hüglen,
nicht die Tiara schmückt ihr Haupt.
Doch schwebt sie auf des Geistes Flügeln,
und ewig währet, was sie glaubt.

Text:
Melodie: Wie groß ist des Allmächtgen Güte