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Predigten zu 1. Könige 19,2

"Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: So sollen mir die Götter tun und so hinzufügen, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dein Leben dem Leben eines von ihnen gleich mache!"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter tun mir dies und das, wenn ich nicht morgen um diese Zeit deine Seele mache wie eine jener Seelen!" 1.Kön. 19,2

Ein Hebräerwort drückt die Fülle unserer innerlichen Konflikte mit den Worten aus: "Jede Zucht freilich erscheint für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu haben." Wie schwer unsere inneren Konflikte sind, in die wir auch als Jünger und Apostel Jesu Christi auf unserem Leidensweg hineinkommen können, werden uns einige ganz bekannte Bilder der heiligen Schrift zeigen.

Ich erinnere zunächst an Elia unter dem Ginsterbusch in der Wüste. Wir kennen den Propheten als einen Mann des Mutes und der Tat. Furchtlos hatte er seinen König und sein Volk auf dem Karmel vor eine innere Entscheidung gestellt. Ohne Rücksicht hatte er in seinem Eifer für Gott die Priester der phönizischen Baalskulte am Bache Kison gerichtet. In heiliger Einseitigkeit auf Gott eingestellt, hatte er das ganze Volk zu dem Bekenntnis geführt: "Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!"

Die herrschende Macht heidnischer Finsternis schien endgültig gebrochen zu sein! Da lässt ihm in den nächsten Tagen Isebel, die Gattin Ahabs und Königin Israels sagen: "Wenn du Elias bist, dann bin ich Isebel! Die Götter tun mir dies und das, wo ich nicht morgen um diese Zeit deiner Seele tue wie dieser Seelen einer."

Das war unerwarteter Leidenskampf im Glaubensdienst des Propheten. Elia bleibt innerlich stehen bei den drohenden Worten einer stolzen und ungebrochenen Frau. Er flieht in die Wüste. Eine Frau schien ihm alles vernichten zu können, was göttliche Offenbarung und klares Prophetenzeugnis in den verflossenen Tagen mühsam im Volk auferbaut hatten.

Da rettet der Prophet sich in die Wüste und in seiner dunklen Seelenstimmung wird er hier zum Ankläger seiner Brüder. Auf die Frage seines Gottes, der ihn gesandt hatte, antwortete er nur: "Ich habe heftig für Gott, den Herrn Zebaoth, geeifert; denn die Kinder Israels haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert umgebracht, und ich bin allein übrig geblieben und sie trachten nun danach, auch mir das Leben zu nehmen."

Elias drohte in seinem Leidenskampf völlig zu erliegen. Der Dolmetscher der göttlichen Offenbarung sieht nicht mehr Gottes Bundestreue dem Volk gegenüber, sondern nur noch des Volkes Bundesbruch und Untreue seinem Gott gegenüber. Der Prophet sah sich nur noch in seinem Eifer für Gott, aber nicht mehr das stille, verborgene Wirken Gottes in dem Einzelnen des Volkes. Anstatt aus der Barmherzigkeit Gottes wie einst Moses das Volk vor Gott zu vertreten, verklagte er in seinem Eifer seine Brüder vor Gott.