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Predigten zu 1. Korinther 14,1

"Strebet nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben, vielmehr aber, daß ihr weissaget."

Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Strebt danach, dass ihr weissagt, sagte Paulus seinen Gemeinden. Es gibt unserem Handeln Stärke und Glanz, wenn wir bei unseren Entschlüssen von einer prophetischen Gewissheit getragen sind, dass eben dies, was wir jetzt tun, Gottes Wille sei. Ich darf aber, wenn ich den Wunsch nach einer deutlich vernommenen Leitung in mir trage, nie vergessen, dass ich damit nach Gaben strebe, und bei Gaben hat die Begehrlichkeit und Eigenmächtigkeit keinen Raum. Ich darf nie versuchen, das Grundverhältnis, in dem wir alle zu Gott stehen, anzutasten, und dieses ist der Glaube. Die prophetischen Erlebnisse werden missbraucht, wenn wir mit ihnen das Glauben herabsetzen und verdächtigen. Wenn ich im Glauben handle, ist mit der Gewissheit immer auch eine Ungewissheit verbunden. Dass ich in Gottes Gegenwart und in seiner Gnade handle, das ist die Gewissheit des Glaubens. Dagegen bleibt mir der Erfolg und Ausgang meines Handelns verhüllt. Auf das, was kommt, muss ich noch warten und ich kann ruhig darauf warten, weil alles mir zum Guten mitwirkt. Alles, was sich als prophetische Gewissheit darüber erhebt, wird der Christenheit nicht dazu gegeben, um den Glauben zu ersetzen, sondern um ihn zu befestigen. Wollte ich sagen: ohne völlige Sicherheit, bloß mit wagendem Glauben handle ich nicht, so hätte ich mich der Leitung des Geistes entzogen; denn der begehrliche Eigensinn stammt aus dem Fleisch. Damit verlöre ich auch die Gemeinschaft mit den anderen und ginge einen völlig einsamen Weg und auch dies wäre ein sicheres Kennzeichen, dass ich nicht dem Geist gehorche. Denn der Geist ist nicht einzig mir, sondern der Christenheit gegeben. Darum gibt es keine Gewissheit, und sei sie noch so prophetisch, die sich der Beurteilung durch die anderen entziehen dürfte, weil der Geist nicht nur zu mir, sondern auch zu den anderen spricht.

Du hast, gnädiger und herrlicher Gott, mancherlei Weise, um mir Deine Wege zu zeigen. Von außen und von innen umfasst mich Deine Hand. Meine Lage zeigt mir, was ich soll. Dein Wort beschreibt mir Deinen Willen. Dein Geist leitet mich auf ebener Bahn. So bleibt es Tag für Tag dabei: Deine Wege sind gerade und Du bist denen gut, die reines Herzens sind. Amen.