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Predigten zu 1. Korinther 15,9

"Denn ich bin der geringste der Apostel, der ich nicht würdig bin, ein Apostel genannt zu werden, weil ich die Versammlung Gottes verfolgt habe."

Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Wir staunen, dass Gott uns vergeben hat

Jeder demütige und aufrichtig an Jesus Christus Gläubige kennt wohl Zeiten des Staunens und Verwunderns über dieses Geheimnis der Gottseligkeit – dass der Sohn des Menschen bereit war, im Gericht unsere Stelle einzunehmen, damit Gottes Volk rein und geistlich sein könnte! Wenn wir gar nicht mehr darüber staunen können, stimmt etwas nicht, und es wird Zeit, den steinharten Herzensboden wieder aufzubrechen! Der Apostel Paulus, einer der heiligsten Männer, die je gelebt haben, schämt sich der Zeiten solchen Staunens über die Gnade und Freundlichkeit Gottes nicht. Er wusste: Gott hält mir meine alten Sünden nie wieder vor! Im Bewusstsein der Tilgung aller alten Schulden versicherte ihm sein glückliches Herz immer aufs Neue, dass alles in Ordnung war. Er konnte nur vor Verwunderung den Kopf schütteln und bekennen: »Ich bin der Berufung unwürdig; aber durch Seine Gnade bin ich eine neue Schöpfung in Jesus Christus!« Ich spreche hier über den Glauben und die Sicherheit und die Freude des Paulus, um damit gleichzeitig zu sagen, dass wenn der demütige Geist beständiger Buße unser gerechtfertigtes Sein verlässt, wir auf dem Weg des Abgleitens sind!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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An der Weise, wie Paulus sein Leben betrachtet, will ich lernen, wozu ich die Vergebung der Sünden empfangen habe und was sie als ihre Frucht in uns wirken soll. Paulus konnte jene Stunde, in der sich ihm Jesus zeigte, nur mit einem einzigen Vorgang vergleichen, nur in der Weise, wie der Auferstandene in den Ostertagen seine Gemeinschaft mit seinen ersten Jüngern erneuert hat. Er sagt darum von dem, was Jesus ihm damals gab, es habe ihn in die Reihe der Apostel gestellt. Aber nun prägt er seinen Gemeinden ein, er sei nicht etwa nur der letzte, sondern auch der geringste unter den Aposteln und denke nicht daran, sich neben oder gar über Jakobus und Petrus und Johannes zu stellen. Er wäre nicht Apostel, sähe er nicht in der Weise, wie Jesus an ihm handelte, die Herrlichkeit des völligen Vergebens, durch das das Alte vergangen ist. Das ermächtigt ihn aber nicht, seinen Fall zu vergessen. Dieser bleibt ihm gegenwärtig und zeigt ihm beständig, wie groß die ihm erwiesene Gnade war. Er hat aber auch erfahren, wie Gottes Gnade unsere Sünde in ihr Wirken aufnimmt und aus ihr einen Segen macht. Wie Jesus gesagt hat, dass der viel liebe, dem viel vergeben sei, so hat auch Paulus durch seinen Fall die große Liebe empfangen, die stets zur Arbeit bereit war, vor keiner Entbehrung zurückwich und jeden Dienst freudig übernahm. Nicht seinen Erfolg verglich er mit dem, was die anderen erreichten; denn der Erfolg ist nicht allein von unserem Verhalten abhängig; dagegen heißt er die Anstrengung und Belastung, die er auf sich nahm, größer als die, die die anderen anfassten. Aber alle Eitelkeit und Selbsterhöhung bleibt ihm fern und er löscht jeden derartigen Gedanken sofort aus. Denn seine Liebe, die keine Arbeit scheut, ist Gottes gnädiges Geschenk. So spricht und handelt ein Mensch dann, wenn er Gottes Vergebung hat.

Du, großer Gott, verwandelst in Deiner Gnade unseren Fall in Heil und unsere Not in Kraft. Schenke mir den klaren Blick in unsere Not, in meine eigene und in die unseres Volks, damit aus der Erkenntnis unserer Sünden die Liebe hervorwachse, die wache, sehende, unermüdliche, die gerne dient. Amen.