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Predigten zu 1. Petrus 1,17

"Und wenn ihr den als Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeden Werk, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht,"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Wiedergeborene sollen Gottesfurcht beweisen

"Führt euren Wandel, solange ihr hier wallet, mit Furcht!"

Es gibt Christen, die meinen, Gottesfurcht sei alttestamentliche Frömmigkeit. Seitdem die Fülle der Gnade in Jesu erschienen sei, solle man lieber nicht von Gottesfurcht reden, sondern nur von Dank, Vertrauen, Liebe und Gehorsam des Gotteskindes. Aber gibt es denn nicht auch eine kindliche Furcht im Unterschied von der knechtischen, die nur die Strafe fürchtet? Jedenfalls weist uns der Heiland nachdrücklich auf die Furcht Gottes hin (Mt. 10, 28). Paulus, der Apostel der Gnade, mahnt zum Heiligungseifer in der Furcht Gottes (2. Kor. 7, 1). Petrus ruft uns obiges Wort zu; vgl. 1. Petr. 2, 17; 3, 2.

Die Furcht Gottes ist Voraussetzung der Begnadigung und zugleich ihre herrliche Frucht. "Der Herr erbarmt sich über die, so ihn fürchten" (Ps. 103, 13). Über ihnen lässt er seine Gnade walten (V. 11). Nur solche empfangen Gnade, die vor der Heiligkeit Gottes erzittern und entschlossen sind, von der Sünde zu lassen, welche Gott hasst und straft.

Zugleich entspringt aber auch Gottesfurcht aus der Gnade. "Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte" (Ps. 130, 4). Begnadigte dürfen getrost zu Gott aufblicken, aber es muss auch immer ein Bangen dabei sein vor neuer Sünde. Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern!" (Phil. 2, 12) schreibt Paulus nicht an Unbekehrte, sondern an Begnadigte. Paulus selbst bangte davor, anderen zu predigen und selbst verwerflich zu werden (1. Kor. 9, 27). Diese Bangigkeit, dass man schließlich die Gnade verscherze und vom Erbteil der Heiligen ausgeschlossen werde, ist sehr heilsam.

Wir wollen den Trost und die Freude der Heilsgewissheit gewiss nicht dämpfen. Man trifft oft Seelen, die ihre Heilsgewissheit sehr lebhaft zum Ausdruck bringen; doch merkt man nichts von der Gewissenhaftigkeit, Vorsicht und Bangigkeit, die Gotteskindern ziemt. Echte, biblische Frömmigkeit hat den Charakter der Beugung. Gott bewahre uns vor einer angemassten Heilsgewissheit, verbunden mit einem überlegenen, sicheren Wesen! Mag vielen das Wort "Gottesfurcht" etwas altmodisch und rückständig klingen, wir bleiben dabei, dass es durchaus notwendig ist, vor der Majestät des heiligen Gottes in den Staub zu sinken, stets seiner Gegenwart eingedenk zu sein und vor seinem allerheiligsten Angesicht in Behutsamkeit zu wandeln (Jes. 38, 15).

Wenn wir also Gott fürchten, fällt alle andere Furcht dahin. Was können uns Menschen tun? Sie können höchstens zur Ehre der Märtyrerkrone verhelfen. "Fürchtet euch vor ihrem Trotzen nicht und erschreckt nicht! Heiliget aber Gott, den Herrn, in euren Herzen!" (1. Petr. 3, 14.15).


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Günstlinge hat Gott keine; dagegen hat er Kinder. Weil wir Kinder sind, muss uns mit Ernst gesagt werden, dass wir deshalb nicht Gottes Günstlinge sind und nicht auf seine Parteilichkeit rechnen können, weil auch wir unter seinem Urteil stehen, das einzig von der Wahrheit seine Regel bekommt. Ihn Vater nennen zu können, das ist der Inbegriff aller uns gewährten Gnade, das Tiefste und Höchste, was uns gegeben ist. Das stellt uns vor Gott als die Glaubenden. Aber eben deshalb, weil wir glauben, muss uns gesagt werden, dass wir Gott zu fürchten haben. Der Glaube und die Furcht sind beisammen, weil Gott zugleich unser Vater und unser Richter ist. Wäre er nur unser Vater, so fiele die Furcht Gottes von uns ab; wäre er nur unser Richter, so wäre uns der Glaube genommen. Weil wir ihn aber als unseren Vater und unseren Richter kennen, gibt es für uns keinen trotzigen, furchtlosen Glauben, wie ihn der hat, der sich als Gottes Günstling fühlt, aber ebensowenig eine glaubenslos verzagende Furcht. Petrus gibt uns das Maß an, mit dem wir unseren Glauben und unsere Furcht richtig machen und erkennen können, ob sie fromm oder gottlos sind. Sowohl der furchtlose Glaube als auch die glaubenslose Furcht haben nicht Gott vor Augen. Wir haben Gott nur dann erkannt, wenn wir den als den Richter fürchten, der unser Vater ist, und den als unseren Vater preisen, der unser Richter ist. Rufen wir ihn als den Vater an, so preisen wir die Gnade, die uns jetzt schon gegeben ist. Unser Vater ist er, weil wir durch ihn und bei ihm leben. Nennen wir ihn unseren Richter, so denken wir an das, was kommen wird, und sehen auf das Ziel hinaus, zu dem uns seine väterliche Gnade führen wird. Jetzt, sagt Petrus, „wallen wir“. Diese Wallfahrt und Pilgerschaft endet in der zukünftigen Stadt Gottes, die uns die ewige Heimat und das Bürgerrecht gewähren wird. Unter der Menschheit, wie sie jetzt ist, steht die Christenheit als eine ihr fremde und von ihr abgesonderte Schar, die nicht aus demselben Stamm erwächst und nicht derselben Sitte gehorcht. Das ist aber nicht das Letzte, was Gott schaffen wird. Weil wir Gott als Vater anrufen dürfen, hat er uns verheißen, dass die Gottesstadt uns ihre Tore öffne. Sie führt die Kinder Gottes nicht nur zusammen, sondern auch zu ihm. Ihre Tore sind aber für den verschlossen, der Gottes Urteil wider sich hat. An unserem Werk entscheidet sich der Ausgang unseres Lebens. Durch das boshafte Werk verschließt sich der Mensch die Gottesstadt. Sie ist für diejenigen Kinder Gottes bereitet, die mit ihrem guten Werk dem Vater dienen. Darin offenbart sich die reine Art der göttlichen Gnade, die sie von Willkür und parteiischer Gunst gänzlich verschieden macht.

Das Fremdsein in der Welt macht uns, Vater, manche Not; aber der Blick auf das Ziel, das Du uns bereitet hast, gibt uns Kraft. Ich kann mein Werk nur tun, weil ich Dir glaube und kann Dir nur glauben, weil ich mich vor Sünde und Fall fürchte. Gib mir, dass ich in Wahrheit Dich Vater nenne und in Wahrheit das Werk vollbringe, das Du, Richter aller Geister, von mir verlangst. Amen.