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Predigten zu 2. Johannes 1,6

"Und dies ist die Liebe, dass wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr von Anfang gehört habt, dass ihr darin wandeln sollt."

Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Das ist die Liebe, dass wir wandeln nach seinen Geboten."

"Dies ist mein Schmerz, dies kränket mich, dass ich nicht so kann lieben Dich, wie ich Dich lieben wollte." In diese Klage des frommen, alten Johannes Heermann haben schon unzählige Christen eingestimmt, und zwar gerade solche, die ihren Herrn herzlich liebten. Diesen aufrichtigen Herzen gibt der greise Apostel Johannes einen starken Trost und eine liebliche Weisung in dem Wort, das er jener auserwählten Frau und ihren Kindern schreibt. Es ist als wollte er sagen: Die echte Liebe ist nicht sowohl ein seliges Gefühl, das die Herzen bewegt, als ein gehorsames Tun des göttlichen Willens im täglichen Wandel.

Über unsere Gefühle können wir nicht verfügen, können keine Wallung der Liebe selbst hervorrufen. Aber wir können gehorchen. Der Wille ist der herrschende Trieb in uns. Auf die Richtung unseres Willens kommt es an. Es bewahrheitet sich das kühne Wort Fenelons: "Der Glaube und die Liebe liegen im Willen." Die Bezeugung der Liebe, die deinen Heiland am meisten erfreut, ist der Gehorsam. Bist du traurig über das geringe Maß der Liebe, das du empfindest, so gehe hin und suche mit doppelter Treue, Jesus Willen zu tun. Das ist wahre Liebe.

Herr, Du weißt alle Dinge; Du weißt, dass ich Dich liebe. Mehre diese Liebe in mir und gib mir Gnade, die Liebe mit der Tat zu beweisen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Das ist Liebe, dass wir wandeln nach seinem Gebot

Hierin liegt die Lösung mancher Schwierigkeiten. Johannes legt großen Nachdruck auf die Wahrheit und verbindet diese mit der Liebe aufs Innigste. Wir werden wohl niemals völlig lieben können, bis wir vollkommen wahr sind. Wenn du dich prüfst in Bezug auf die Gefühle der Entfremdung und der Abneigung, die du gegen jemand hegst, so kannst du meistens mit Sicherheit darauf schließen, dass du es in deinem Verkehr mit ihm an Durchsichtigkeit und Aufrichtigkeit hast fehlen lassen. Dies trifft auch zu in unseren Beziehungen zu Gott: erst wenn wir alle Unaufrichtigkeit, die zwischen uns und unseren Gott sich stellen könnte, hinweggetan haben, wird unsere Liebe zu Ihm vollkommen werden.

Welch ein süßer Klang durchzieht die ersten drei Verse dieses Briefes! Wie liest man sie immer wieder und wieder so gerne! O, dass doch Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott dem Vater und von Jesu Christo, dem Sohn des Vaters in der Wahrheit und in der Liebe allezeit bei uns bliebe! Aber du fühlst vielleicht, dass du nicht genug liebst. Du möchtest Gott lieben mit starker, unauslöschlicher Flamme, deren Hitze dich läuterte, deren Macht dich bezwänge. Vielleicht vermagst du nicht zu unterscheiden zwischen der Liebe selbst und deinem Gefühl der Liebe. Die beiden sind nicht gleichbedeutend. Wir können lieben, ohne uns dessen bestimmt bewusst zu sein, oder die Tiefe und Glut der Liebe bemessen zu können. Hier ist die Antwort auf solche bangen Fragen: „Wer da liebt, gehorcht.“ Es wird von einem jungen Mädchen in Schottland erzählt, das sich bei seinem Seelsorger zum Abendmahl meldete: Sie schien so wenig zu wissen, um was es sich handle, dass er glaubte, sie zurückstellen zu müssen. Unter der Türe des Zimmers wandte sie sich noch einmal um und sagte: „Ich kann nicht reden von dem Herrn Jesu, aber für Ihn sterben, das könnte ich.“