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Predigten zu 2. Mose 2,11

"Und es geschah in selbigen Tagen, als Mose groß geworden war, da ging er aus zu seinen Brüdern und sah ihren Lastarbeiten zu; und er sah einen ägyptischen Mann, der einen hebräischen Mann von seinen Brüdern schlug."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Mose ging aus zu seinen Brüdern."

Der erste Gang des Mose, von dem die Heilige Schrift erzählt, war der Gang zu seinen Brüdern. Als ägyptischer Prinz hätte er die vornehmsten Gesellschaften des Landes aufsuchen können. Aber sein Herz zog ihn zu dem verachteten Sklavenvolke Israel, zu seinen Brüdern. Das war ein gutes Zeichen. - Von Paulus heißt es später, er sei auf seinen Reisen immer zuerst "zu den Brüdern" gegangen, und wenn er Brüder gefunden, sei er froh geworden. Wohin führt uns an fremden Orten der erste Gang? -

Unser Text nennt uns auch den ersten Blick, den Mose draußen gewann. "Er sah ihre Last". Mose hatte ein Auge für das Elend seiner Mitbrüder. - Von unserem Heiland wird erzählt: "Da er das Volk sah, jammerte ihn desselben, denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben" (Mt. 9, 36). Die wahren Jünger Jesu haben auch immer diesen Blick. Livingstone sah das Elend der Sklaverei und begann den Kampf um die Auslöschung dieser Schande. Baron v. Seld erblickte das Elend der Trunksucht und bekämpfte von da an den Alkohol. - Wohl uns, wenn wir die Lasten unserer Brüder sehen. - Unser Text beschreibt aber auch den ersten Fehler Moses. Er sieht einen Ägypter ungerecht handeln. Sein Blut gerät in Wallung. Er erschlägt den Ägypter und verscharrt ihn im Sande. Vor sich selber rechtfertigt er seine Tat mit dem Gedanken, das Volk solle merken, "dass Gott durch seine Hand Heil gäbe" (Apg. 7, 25). Mose merkt nicht, dass es versteckter Hochmut und nicht Gottes Willen gewesen, der ihn zu dieser Tat trieb. - Fleischlicher Eifer haut Malchusohren ab und verscharrt Ägypter im Sande, bringt aber nie Gottes Heil!