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Predigten zu 2. Mose 2,12

"Und er wandte sich dahin und dorthin, und als er sah, daß kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Und Mose erschlug den Ägypter."

In dreifacher Hinsicht irrte Mose, als er in der Meinung, zur Rettung seines Volkes eingreifen zu müssen, den Ägypter erschlug. Lag hier nicht ein krasser Fall von Ungerechtigkeit vor? Musste da nicht der Gerechtigkeit unverzüglich zum Siege verholfen werden? Mose war überzeugt, die Stunde für das Eingreifen des Retters hat geschlagen. Auf Gottes Uhr war aber der Zeiger noch nicht so weit vorgerückt. Das war des Mose erster Irrtum. - Wieviel wird dadurch gefehlt, dass man mit dem Erkennen eines Mangels meint, selbstverständlich auch die Erlaubnis zu haben, sofort entscheidend durchzugreifen. - Der zweite Fehler Moses bestand darin, dass er mit eigener Macht sein Volk retten wollte. Eigenhändig schlug er den Ägypter nieder. Nun war Mose wohl der Sohn der Tochter Pharaos. Aber gegen die Macht, die sein Volk umkrallt hielt, vermochte er persönlich nichts auszurichten. In bitterstem Erleben musste er es auskosten, was es für Jammer und Herzleid bringt, mit eigener Hand sich helfen zu wollen. Als Gott selber eingreift und Israel endlich befreit wird, da heißt es 2. Mose 14, 8: "Die Kinder Israel waren durch eine hohe Hand ausgezogen." Dass wir es lernten, die feindlichen Mächte nicht unterschätzen und die eigene Kraft nicht überschätzen! - Irrig war auch die Meinung des Mose, das Volk würde an seiner Tat ihn alsbald erkennen als seinen Retter. Er hat es sich wohl so ausgemalt, dass nach des Tages harter Fron man hin und her in den Hütten Israels von seiner Tat reden und ihn als den kommenden Retter feiern werde. Das Gegenteil war der Fall. Israel lehnte ihn ab. Pharao wollte ihn töten. Durch schnelle Flucht musste er sein nacktes Leben retten. Ob der treue aufrichtige Mann dann wohl gemerkt hat, dass verborgene Ehrsucht die Triebfeder seines Handelns gewesen?


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Er erschlug den Ägypter

Diese Tat geschah in natürlicher Kraft, gereizt durch natürliche Leidenschaft, und hatte auch natürlich eine Niederlage zur Folge. Moses stand auf einer Höhe, und hatte sich in einer vorübergehenden Anwandlung von Erbarmen, zu seinen armen Brüdern herabgeneigt. Ach, es war dies ein kurzer Versuch, das göttliche Werk der Befreiung in eigener Kraft zu vollbringen. Da mussten lange Jahre vergehen, bis Gott Tropfen um Tropfen Mosis eigener Kraft, seinen Eifer, ja sogar seinen Wunsch, ein Befreier zu sein, ihm entzogen hatte, damit Er durch ihn, wenn er erst selbst zunichte geworden wäre, Seinen allmächtigen Willen ausführen könnte.

1. Wir schlagen zuweilen nach den Ägyptern in uns

Da erheben wir uns feurig gegen irgend eine in uns herrschende Leidenschaft, und führen zwei oder drei wuchtige Schläge aus. Unsre Bemühungen, uns ihrer Tyrannei zu entledigen, entstehen auf dem Boden unsrer Willenskraft, und werden durch sie fortgesetzt. Zuerst hat es den Anschein, als ob wir die Übermacht behielten; aber schließlich ist die ganze Macht der ägyptischen Heereskraft uns weit überlegen.

2. Oft schlagen wir nach dem Ägypter außer uns

Wir greifen irgend einen Riesen des Lasters an, die Trunksucht, die Spielwut, die Unsittlichkeit. Unser plötzlicher, heftiger Anprall scheint uns vielleicht eine sieghafte Stellung zu erobern; aber zuletzt triumphiert doch Ägypten und wir ergreifen die Flucht. Ach, für den Kampf nach innen sowohl als nach außen, müssen wir lernen, was Moses in den vierzig Jahren in , Midian lernte, dass nur der Geist Gottes im Menschen den Geist der Welt überwinden kann. Durch Enttäuschungen und wiederholte Niederlagen wird uns in der Einsamkeit der Wüste gezeigt, dass wir nichts sind; dann wird Gott unser Alles, und alle Dinge sind dann möglich uns, die wir glauben.