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Predigten zu 2. Mose 33,20

"Und er sprach: Du vermagst nicht mein Angesicht zu sehen, denn nicht kann ein Mensch mich sehen und leben."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich siehet."

Das war damals so! Man konnte von Gott nur etwas erfahren durch seine Taten, durch Träume, durch Visionen und das Gesetz, dem das Gewissen zustimmte. Nachher ward das anders: in seinem Sohne Jesus Christus hat er sich ganz anders offenbart. Ein wundersam freundlicher Heiland zog durchs Land, heilte, half, vergab Sünden und offenbarte des Vaters Liebe in Wort und Wesen, bis er sagen durfte: Wer mich siehet, siehet den Vater. Dann ist Jesus wieder in die Unsichtbarkeit zurückgegangen, aber er hat einen Glanz zurückgelassen, der von ihm zeugt. Hast du noch niemals aus eines Menschen Augen diesen Freudenschein leuchten sehen? Hast du selbst noch nichts davon verspürt, dass, wo Vergebung der Sünde ist, hier schon ein Stück ewigen Lebens offenbar wird und ein Stück süsser Seligkeit deine Brust erfüllt? - Aber das alles ist doch nur Stückwerk: erst müssen wir ganz anders ihm ähnlich geworden sein, bis wir es ertragen können, ihn zu sehen, wie er ist. Aber etwas dürfen wir uns jetzt schon jener wundergroßen Freude getrösten, wenn wir Jesum schauen in seiner Herrlichkeit und seiner Schönheit. Wie werden wir erst anfangen neu zu leben, wenn wir ihn sehen!

Herr Jesus, wir sehnen uns danach, dich zu sehen in deiner Schöne. Hauche solcher Hoffnung dadurch Leben ein, dass wir jetzt schon etwas wie ein Unterpfand davon erleben in deiner unsichtbaren Nähe. Herr, stärke uns die Liebe zu dir! Amen.


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Es gehörte doch bei einem Mose viel dazu, außerordentlich viel Kindlichkeit und Einfalt, so Kühnes vom HErrn zu fordern, Er möge ihn Sein Angesicht sehen lassen. Natürlich in der Selbstgefälligkeit und Anmaßung kann es auch heutzutage manchem einfallen, - wie denn viele meinen, sie müßten es erzwingen, - daß sie den Heiland sehen wollten. Aber in der Einfalt und Demuth das begehren, und hauptsächlich um des Grundes willen, den Mose dabei hatte, damit er versichert würde, daß seinen Millionen Schafen, die er in der Wüste umherführte, möchte nach dem Abfall wieder volle Barmherzigkeit werden, das ist etwas Seltenes. Wir haben gar keine Vorstellung von der Tiefe eines solchen menschlichen Gemüts, wie sich's da bei Mose offenbarte; und je elender und erbärmlicher wir uns fühlen, desto wohler tut's uns, einen aus unserer Mitte, - denn das war immerhin Mose, - zu wissen, der doch noch so viel Kindlichkeit, Liebe und Gottvertrauen in sich besaß.

Der HErr aber weist denn den Mose mit seiner Bitte nicht derb ab, sondern sagt nur: „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; das erträgst du nimmermehr,“ verheißt ihm jedoch, Ihm hintennach sehen zu dürfen. Das Sehen Gottes ist freilich sehr verschieden, bis es zu der höchsten Klarheit kommt, welche nach der Vollendung aller Dinge eintreten wird. So sahen die Ältesten von Israel Gott auf dem Berge Sinai (2.Mos.24,10). Das war anders, als wenn jetzt Mose das Angesicht des HErrn sehen will, auch anders, als wenn er selbst bisher Gott gesehen, und wieder anders, als wenn er dem HErrn nun hintennach sehen sollte. Ebenfalls anders war's, wenn Propheten, wie Jesajas, Hesekiel, Daniel, auch Johannes in der Offenbarung, in einem Gesichte den HErrn sehen durften. Wenn endlich das Schauen Gottes in der Seligkeit uns in Aussicht gestellt wird, ist's das Höchste, das wir erreichen können.

Gott tut offenbar bei Mose ein Übriges, wenn Er ihm verspricht, Ihm hintennach sehen zu dürfen. Da wird dann erzählt (2.Mos.34,10), wie der HErr an Mose vorüberging, und erst, wie Er vorüber war, ihm Mose nachsehen durfte. Was dieser sah, und wie er's sah, steht nicht geschrieben; aber es war ihm genug geschenkt. Denn im Vorbeigehen hatte der HErr gerufen: „Barmherzig, gnädig, geduldig, und von großer Güte und Treue ist der HErr!“ Er predigte hiermit von Seinem Namen. Da hat ein Mose genug gehabt, um fernerhin Mut zu behalten, sein angefangenes Werk fortzusetzen und seine Scharen zu weiden, bis sie im gelobten Lande wären.

Zusatz. Betrachten wir, was von Mose uns oben gesagt ist, von dem Standpunkte aus, daß sich's darum handelte, eine feste Grundlage zu bekommen, auf welcher die Erlösung, schließlich der ganzen Welt, sollte auf- und fortgebaut werden. Diese Grundlegung mit dem Bestehen eines Volkes Gottes war nichts leichtes, und konnte nur durch einen großen Glaubensmuth eines für so ein Volk warmschlagenden Herzens gesichert werden. So werden uns die außerordentlichen Dinge in der Geschichte Moses und des Volkes Gottes immerhin begreiflich, und auch für uns noch in hohem Grade wichtig erscheinen. Das Sehen Gottes auf Erden, um noch etwas darüber zu sagen, ist immer so, daß es sich mit dem bestimmten Schriftwort vertragen muß: „Niemand hat Gott jemals gesehen“(Joh.1,18; 1.Joh 4,12.), oder mit dem, was Paulus sagt: „Den kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann“ (1.Tim.6,16). Deutlich machts vielleicht die Stelle im Propheten Jesajas (63,9), wenn wörtlich übersetzt, wo vom Engel des Angesichts des Herrn die Rede ist, der Israel half. Hiernach scheint auch das Angesicht Gottes, wie sonst Gott überhaupt, durch einen Engel vertreten gewesen zu seyn, wiewohl auch diesen, wenn er so hoch gestellt erscheint, in der ganzen Herrlichkeit Gottes, geradezu zu sehen, dem Menschen nicht möglich war, ohne zu sterben. Deswegen sagt bei Moses der Herr: „Aber du sollst Mir hintennach sehen.“

Mel. Himmelan, nur himmelan. Halleluja Himmelan Steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Scharen nah'n, Und Gott naht zu dir In Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei, Alles jauchzt, verklärt und neu, In Ewigkeit!


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Der Herr sprach zu Mose: mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich siehet.

Während Mose auf dem Berg Sinai war, verfiel das Volk Israel in grobe Abgötterei. Gott wollte das halsstarrige Volk vertilgen und Mose zu einem großen Volk machen. Er tritt priesterlich ein für das Volk und wird erhört, das Volk wird nicht vertilgt; aber die nächste Strafe soll doch die sein, dass der Herr nicht ferner mit dem Volke ziehen, sondern nur einen Engel mitsenden will. Das kann Mose nicht ertragen; er will das Volk nicht weiter führen ohne das Geleite Jehovahs und erhält darum die göttliche Zusage: „mein Angesicht wird vor dir gehen.“ Er wird noch kühner vor seinem Gott und bitter: „so lass mich Deine Herrlichkeit sehen,“ worunter er offenbar verstand: das Angesicht Gottes. Mose stellt diese große Bitte nicht für sich, sondern für das Volk; er möchte völlige Versicherung der vollen Gnade Gottes. Gottes Angesicht konnte er nicht sehen, ohne sterben zu müssen; aber seine große Liebe zu dem ihm anvertrauten Volk und seine kindliche Zuversicht zu Gott wird dadurch belohnt, dass er, in einer Felsenkluft stehend, der vorüberziehenden Herrlichkeit Gottes nachschauen darf. Diese Offenbarung der Macht, Barmherzigkeit, Gnade und Treue Gottes war Mose genug, um auch ferner im Glauben Führer des Volkes zu bleiben. Wie ehrt doch Gott die Beter, die priesterlich die Not des Volkes auf dem Herzen tragen! Sie dürfen so viel schauen, als sie ertragen können. Gottes Angesicht kann kein Sünder sehen; erst müssen wir reines Herzens im vollen Sinne des Wortes werden, und dann sollen wir Gott schauen. Das Erscheinen Christi im Fleische ist die göttliche Gnadenbürgschaft für die Gemeinde Gottes, dass sie zum Anschauen Gottes kommen wird. Stelle dich im Glauben ganz in die Gemeinschaft des Todes Jesu und seiner Auferstehung hinein und lebe das verborgene Leben mit Christo in Gott. Und dann, wenn Christus offenbar werden wird in Herrlichkeit, wirst du auch offenbar werden in Herrlichkeit, und verklärt in Sein Bild, wird dein Auge mit Anbetung schauen können Gottes Herrlichkeit.

Mein Gott und Vater! noch stehe ich in der Felsenkluft, wie einst Mose; mein Auge ist noch blöde. Salbe es mit Augensalbe, dass ich sehen möge. Amen