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Predigten zu 3. Mose 19,9

"Und wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, so sollst du den Rand deines Feldes nicht gänzlich abernten und sollst keine Nachlese deiner Ernte halten."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Wenn ihr erntet, sollt ihr nicht alles genau auflesen."

Köstliche Hinweise gibt uns dieses Kapitel. Es zeigt, worin Israel es genau und worin es nicht genau nehmen sollte. Nicht genau sollte Israel es nehmen beim Einsammeln der Ernte. Da sollte man Ähren und Trauben übriglassen, damit der Arme Nachlese halten könnte. Genau aber sollte Israel es nehmen mit rechter Waage, rechtem Maß, genau auch mit dem Wort über den Mitmenschen: "Du sollst kein Verleumder sein!" In Verbindung damit heißt es weiter: "Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Bruder zurechtweisen, auf dass du nicht seinethalben Schuld tragen müssest" (V. 17). - Das ist eine heilige Kunst, die nur der Geist Gottes uns lehren kann. - Siehe den Jonathan, der seinen Vater Saul so demütig, so zart und doch so ernst darauf hinweist, wie unrecht er an David tue, indem er ihn töten wolle. Sieh Abraham an (1. Mose 21, 25) der den Abimelech offen und ehrlich zur Rede setzt um des Wasserbrunnens willen, den Abimelechs Knechte mit Gewalt genommen hatten. Es gelang ihm, den Abimelech zu einem Bund zu bewegen, der für beide Teile Segen brachte. - Siehe Daniel an (Dan. 5, 17 ff.), der die Vollmacht hatte, den trunkenen König Belsazar zu strafen mit den Worten: "Du hast dich nicht gedemütigt, sondern hast dich gegen den Herrn des Himmels erhoben!" - Lasst uns um die Gnadengabe des Heiligen Geistes flehen, der uns instandsetzt, den Nächsten nicht zu hassen, sondern in Ernst und Liebe zurechtzuweisen, der uns hilft, es nicht genau zu nehmen, wo der Raffgeist uns verführen will, den Pfennig durchzubeißen, es aber genau zu nehmen mit dem Bezahlen unserer Rechnungen und mit den Worten, die wir über unseren Nächsten reden.