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Predigten zu 4. Mose 10,36

"Und wenn sie ruhte, so sprach er: Kehre wieder, der HERR, zu den Myriaden der Tausende Israels!"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Wenn die Lade zog, sprach Mose: Herr, stehe auf, lass deine Feinde zerstreut werden."

Jedesmal, wenn die Bundeslade weiterzog, war Mose's erstes Anliegen, betende Hände zu erheben. Sicherlich hat Mose gerade beim Aufbruch der Lade alle Hände voll zu tun gehabt. Er hätte sagen können: Ich muss jetzt kontrollieren, ob die Leviten die Stiftshütte recht besorgen; ich muss erst nachsehen, ob Juda an der Spitze des Heereszuges steht; ich muss noch nach meinen eigenen Sachen sehen, ob Josua sie richtig versorgt - zum Gebet habe ich gerade jetzt keine Zeit! Mose tat nicht so. Sobald die Wolkensäule sich erhob, sobald ein neuer Reiseabschnitt anbrach, nahm er sich Zeit zum Gebet. - Lasst uns darin Mose ähnlich werden! Wie vieles geht nur deshalb verkehrt, weil man dem Gebet nicht den ersten Platz einräumt. Man meint, Zeit zu gewinnen, wenn man arbeitet, statt zu beten. Und siehe, man hat nur viel Zeit verloren, weil man nicht mit Gebet begann.- Elieser hat gewiss keine Zeit verloren, als er sich vor der Stadt Labans Zeit nahm, vom Kamel zu steigen und Gott um Leitung zu bitten (1. Mose 24, 12). Er kam viel schneller zum Ziel, als wenn er ohne Aufenthalt weiterreitend von Haus zu Haus sich hätte durchfragen müssen. Nehemia (Kap. 2, 4) hat auch nichts verloren, als er auf des Königs Frage nach seinem Befinden zuerst betend zu Gott aufschaute und dann erst Auskunft gab und sein Anliegen vorbrachte. Urlaub, Reisemittel und Erlaubnis zum Bau der Mauern, wurde ihm auf einen Schlag bewilligt als Antwort auf das Gebet. - Jeder neue Tag ist für uns ein Reiseabschnitt. Jeder Tag soll mit Gebet beginnen. Und wenn im Laufe des Tages sich für uns die Lade Gottes erhebt, wenn's irgendwie für uns weitergeht, dann zuerst betend aufgeschaut zu Gott! Und wenn's auch nur der kurze Stossseufzer wäre: Herr, stehe auf!


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Herr, stehe auf, lass deine Feinde zerstreut werden."

Wie schlicht ist das Gebet des Mose. Es klingt, wie wenn ein Kind den Vater bittet, er möge aufstehen und es beschützen. So kindlich dürfen auch wir beten. - Mose breitet zunächst vor Gott die Gefahren aus, die der neue Reiseabschnitt in sich bergen kann. Es konnten wieder Überfälle durch feindliche Stämme erfolgen, wie man das öfter erlebt hatte. Deshalb rief Mose nicht dann erst den Herrn um Hilfe an, wenn die feindlichen Streiterscharen schon heranstürmten. Nein, jedesmal, wenn die Lade aufbrach, gab er alle Sorge vor den Feinden, die dem Volke begegnen könnten, in Gottes Hände: "Herr, lass deine Feinde zerstreut werden". - Ein wichtiger Hinweis für unser tägliches Morgengebet! Die Feinde, die uns begegnen, sind selten äußere Feinde. Wir haben es zu tun mit Mächten der unsichtbaren Welt, gefährlicher als alle Amalekiter- und Moabiterheere! Diese dämonischen Mächte können uns Pilger nach dem oberen Kanaan stündlich überrumpeln. Jeden Morgen haben wir uns betend zu wappnen. Wie leicht kann ein Pilger hingerissen werden von der Macht der Unreinigkeit, der Ungeduld, der Lieblosigkeit, des Zornes. Unerwartet können sie uns überfallen. Wie wichtig ist es darum, jeden Morgen betend vor Gott einzustehen im Blick auf alle unvorhergesehenen Gefahren, auf unvorhergesehene Besuche und auf satanische Angriffe. Lasst uns alle Morgen flehen: Herr, du kennst meine schwachen Stellen, du kennst die Mächte, die mich angreifen wollen. Herr, habe acht auf mich! Gib meine Seele nicht dem Feinde. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge. Gedenke der Verheißung: "Der Herr ist um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit". Wenn wir so im Heiligtum des Kämmerleins Bewahrungskräfte anziehen, werden wir im Laufe des Tages dem Herrn keine Schande machen.


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Wenn die Lade ruhte, sprach Mose: Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels."

Ein kurzes, inhaltreiches Gebet: "Komm wieder, Herr!" - Das klingt ja so, als sei der Herr gewichen und habe sich von Israel entfernt. Nun, das war auch so. Äußerlich gesehen war er zwar in der Wolkensäule und der Bundeslade des wandernden Volkes Israel ebenso nahe wie beim Antritt der Reise. Und doch empfindet Mose, dass er nach jedem einzelnen Reiseabschnitt immer aufs neue bitten müsse: "Herr, komm wieder zu uns!". Wie ist das zu erklären? Dadurch, dass jeder Reisetag neue Sünde und neue Schuld mit sich brachte! Wieviel Murren, wieviel Lieblosigkeit und nichtsnutzige Worte, wieviel Unreinheit jeden Tag! Das alles stand zwischen dem Volk und Jehova. Das trennte sie von ihm. Deshalb flehte Mose: "Komm wieder, Herr!" - Das ist ein wichtiger Hinweis für unser Abendgebet. Da gilt es, die ungetrübte Gemeinschaft mit unserem Gott wiederherzustellen und ihn anzuflehen: "O Herr, komm wieder voll und ganz zu mir!" Wir wollen jeden Abend alles bekennen, was Gottes Nähe und Gegenwart bei uns hat trüben können. Wir wollen alle groben und feinen Einflüsse, die sich zwischen uns und unseren Heiland schieben wollten, unter Jesu Kreuz bringen. Wir wollen jeden ärgerlichen Gedanken, jedes nichtsnutzige Wort jeden Ungehorsam gegen den Zug des Heiligen Geistes ehrlich bekennen und im Glauben rufen: "Herr, komm wieder! Ich kann ohne deine selige Nähe nicht leben, nicht einschlafen!" Wohl uns, wenn wir täglich also im Frieden Gottes zu Bett gehen. - Und der du noch in der Gottesferne lebst, willst du nicht einmal im vollen Ernst rufen: "Komm wieder, Herr!" ? Du flehst nicht vergebens, denn er kommt gern zu den Sündern! Und wenn er wiederkommt, so kommt mit ihm sein Friede, seine Freude, seine beglückende, heilige Ruhe. Ach Herr, komm jeden Abend auch zu mir!


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Herr, komm wieder zu der Menge der Tausende Israels."

Wie bedeutsam, dass Mose bei seinem Gebet am Ende eines Reisetages nicht nur an sich selbst, an seine Familie und sein Geschlecht denkt, sondern sein Herz weit öffnet und fürbittend eintritt für die Menge der Tausende Israels. Wir sehen den alten Gottesstreiter Mose dastehen vor dem Lager, nahe der Stiftshütte. Er blickt hier über die Tausende von Zelten ringsumher. Er gedenkt an die besonderen Nöte, Schwierigkeiten und Sünden, die auf den einzelnen Zelten lasten. Er schaut auf zum Himmel und spricht: "Bei diesen allen, o Herr, wollest du heute abend einkehren. Besuche Zelt für Zelt, Familie für Familie, Stamm für Stamm. Lass sie deiner Nähe und Gegenwart gewiss werden. Bringe sie auf die Knie! Erinnere sie an dein Wort! Gehe ihnen nach! Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels." Also flehend bittet Mose nicht nur für seine Nachbarn und Freunde, für seine Verwandten und Gesinnungsgenossen. Unter den "Tausenden in Israel" waren auch Feinde, die ihm oft weh taten durch ihr Murren und Hadern und ihren schändlichen Ungehorsam. Auch sie schließt er mit priesterlichem Herzen ein in sein Gebet mit dem köstlichen Ausdruck: "Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels." - Ach, wo sind die Beter mit dem Herzen eines Mose? Wo sind die Priesterseelen, die abends, wenn die Bundeslade für sie haltmacht, niedersinken auf die Knie und den Zustand der ganzen Gemeinde Gottes ausbreiten mit all deren Zerrissenheit und Geistesarmut? O weg mit all unserer Lauheit und Trägheit im Gebet! Lasst uns mit der ganzen Beterschar aller Länder eine Gebetskette bilden und flehen: "Komm wieder, Herr, zu den Christen unter den Heiden, komm zu den Juden, komm zu allen Gebundenen, Kranken und Verfolgten, komm zu der Menge der Tausende Israels!"


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Gebet am Abend "Und wenn die Lade ruhte, so sprach Mose: Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels"

Wir haben zunächst das Gebet Moses beim Aufbruch der Lade betrachtet und daraus Hinweise für das Morgengebet zum Beginn des neuen Tagewerkes entnommen. Wir wollen jetzt das kurze Gebetswort anschauen, das Mose jedesmal beim Ruhen, beim Haltmachen der Bundeslade sprach, und dabei zwei Hinweise für unser Abendgebet betrachten.

1. Enge Gemeinschaft mit Gott

"Komm wieder, Herr!" Das klingt ja gerade, als sei der Herr etwa gewichen und ferne von Israel getreten. Ja, so ist es auch. Äußerlich war er ja auch in der Wolkensäule und bei der Lade Gottes dem wandernden Volke ebenso nahe wie beim Aufbruch zur Reise. Und doch hatte Mose das Gefühl, dass er nach Vollendung jedes einzelnen Reiseabschnittes immer aufs neue bitten müsste: "Herr, komm wieder zu uns!" Wodurch ist Gott denn ferner getreten? Wodurch ist seine Nähe getrübt, dass ein neues Wiederkommen von seiten Gottes immer erneut nötig ist? Weil jedes Reisestücklein neue Sünde, neue Schuld mit sich brachte. Wieviel Gedanken des Murrens, der Lieblosigkeit, wieviel unnütze Worte, wieviel unreine Einflüsse hat jeder Schritt des Pilgerweges nach Kanaan mit sich gebracht! Das alles trübte die Nähe Jehovas und so ist es das erste, was Mose beim Haltmachen der Lade Gottes erfleht, dass die ganze selige Nähe Gottes sich wieder über ihm und seinem Volk lagern möchte: "Komm wieder, Herr!" Das ist auch bei unserem täglichen Abendgebet das erste und Wichtigste, dass wir an jedem Abend wieder den völligen Zusammenschluss mit unserem Gott suchen und ungetrübte Gemeinschaft mit ihm bekommen, dass wir ihn anflehen: "O Herr, komm wieder voll und ganz zu mir!" Lasst uns dazu an jedem Abend dem Herrn alles bekennen, was seine Nähe und Gegenwart bei uns hat trüben können! Lasst uns alle groben und feinen Einflüsse, die sich zwischen uns und unseren Heiland einschieben wollten, jeden ärgerlichen Gedanken, jedes überflüssige Wort, jede Unachtsamkeit gegen den Zug seines Geistes, jedes Betrüben unseres Nachbarn oder Hausgenossen unter Jesu Kreuz bringen und unter der Deckung des Blutes im Glauben rufen: "Herr, komm wieder; ich kann ohne deine selige Nähe nicht leben, nicht einschlafen!" Es hat des Tages Treiben mein Herz zerstreut, bei dir, bei dir ist Friede und Seligkeit.

Wohl uns, wenn wir jeden Abend so zu Bett gehen im Frieden Gottes!

2. Weite Fürbitte für die Tausende Israels

"Komm wieder zu der Menge der Tausende Israels." Das ist besonders schön bei diesem Gebet Moses beim Haltmachen der Bundeslade, dass er nicht nur an sich selbst, an seine Familie, an sein Geschlecht denkt, sondern sein Herz weit öffnet und für die ganze Menge der Tausende Israels fürbittend aufschaut. Wir sehen den alten Gottesstreiter Mose mitten im Lager in der Nähe der Stiftshütte stehen, wie er hinblickt über die Tausende von Zelten die weithin um ihn herum liegen. Er blickt über sie alle hin und gedenkt an alle besonderen Nöte, Schwierigkeiten, Sünden, die in jedem einzelnen Zelt verborgen liegen, schaut auf gen Himmel und spricht: "Zu diesen allen, o Herr, ohne Ausnahme, in all diese Hütten wollest du heute abend einkehren. Besuche Familie für Familie, Stamm für Stamm in dieser Stunde mit deiner Nähe und Gegenwart. Bring du sie auf die Knie, erinnere du sie an das Wort, geh du ihnen nach. Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende Israels." Daraus lasst uns für unser tägliches Abendgebet die Lehre entnehmen, dass wir die Fürbitte für andere nicht vergessen sollen. Nicht nur für sich selbst und sein Haus soll der Christ täglich beten, sondern für die ganze Menge der Tausende Israels, für das ganze Volk Gottes auf dem weiten Erdkreis, besonders für alle Gebundenen, Kranken und Verfolgten. "Wachet mit Flehen für alle Heiligen", sagt Paulus (Eph. 6, 18). Wo sind die Beter, die nach ihrer Arbeit, wenn für sie die Bundeslade haltmacht zum Ruhen, auf ihre Knie sinken und die Menge der Tausende Israels vor den Gnadenthron bringen? Wo sind die Beter, die den Zustand der ganzen Gemeinde Gottes mit Tränen vor Gott ausbreiten mit all ihrer Zerrissenheit und Geistesarmut, die allabendlich um neue Geisteszuflüsse rufen für die ganze Gemeinde Gottes auf Erden? O, weg mit unserer Lauheit und Trägheit im Gebet! Lasst uns mit der treuen Beterschar aller Länder eine Gebetskette bilden und mit der triumphierenden Gemeinde uns zusammenschließen, indem wir mitbeten: "Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende deines Volkes. Besuche auch die kleinen, abgesplitterten Häuflein, die durch allerlei Absonderung eines großen Segens verlustig gehen. Sie gehören ja mit zu der Menge der Tausende des Gottesvolkes. Komm wieder, Herr, zu der Menge der Tausende, die noch in unsicherer Verfolgungszeit stehen, komm wieder, Herr, zu der Schar der neuerweckten Christen in Japan, in Afrika, in Indien." Die Menge der Tausende Israels ist ja jetzt zerstreut über alle Länder der Erde. So öffne denn der Herr unsere Herzen weit für ein tägliches, priesterliches Anrufen für die Menge der Tausende in Israel, dass wir den ganzen Segen der Fürbitte für unser eigenes inneres Leben reichlich erfahren!