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Predigten zu 4. Mose 18,20

"Und der HERR sprach zu Aaron: In ihrem Lande sollst du nichts erben und sollst kein Teil in ihrer Mitte haben; ich bin dein Teil und dein Erbe inmitten der Kinder Israel."

Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Also spricht der HErr mit Aaron und Levi. Die bekamen kein besonderes Erbe im Lande, wie die andern Stämme Israels; sondern sie wurden durchs ganze Land verteilt, und bekamen im Ganzen 48 Städte, große Städte mit geräumigen Vorhöfen. In jedem Stamm, nach der Größe des Stammes, lagen solche Leviten- und Priesterstädte. Das war alles, was sie bekamen. Hingegen wollte der HErr „ihr Teil und Erbgut“ sein. Dies geschah so, daß, was man dem HErrn weihte und opferte, so weit es der Altar, wie in Silo und später im Tempel zu Jerusalem, - denn sonst durfte nirgends geopfert werden, - nicht verzehrte, den Priestern und Leviten, deren Familien mit allen Nachkommen, gehören sollte. Namentlich mußte ihnen der Zehnte von allem gegeben werden. Das wurde als dem HErrn gegeben angesehen, und war also heilig, - und davon lebten die Priester und Leviten. Diese konnten so nicht eigentlich, wie man sagt, reich werden, weil sie keine Güter erwerben durften, und was man Kapitalisten heißt, in der alten Zeit etwas Unbekanntes war.

Wenn es heißt: „Ich bin dein Teil und dein Erbgut,“ so waren die Leviten und Priester bei obiger Einrichtung um so glücklicher, je mehr der HErr unter dem Volke galt. Das macht überhaupt auch in unsern Tagen das Glück jeder Stadt und jedes Dorfes aus. Je mehr der HErr gilt, und die christlichen Ordnungen gelten, desto unangefochtener geht das Leben des Ganzen fort, dabei denn auch im Äußern der Segen sich verspüren läßt. So hast auch du, je mehr der HErr bei dir gilt und seine Ordnung, desto mehr Teil und Erbgut an Ihm nach Seele und Leib.

Zusatz. Leviten und Priester hingen nach dem Obigen immer vom Volk ab. Je nachdem dieses bereitwillig war, in heiliger Andacht dem HErrn zu dienen, und zu geben, was gefordert wurde, hatten sie Überfluß oder mußten sie darben. Ihre ganze Existenz ruhte auf dem Stande der Gottesfurcht in Israe1 und war auf G1auben gegründet. Eben damit war ihnen aber auch die Notwendigkeit auferlegt, dafür zu sorgen, daß die Furcht des HErrn nicht abnehme im Lande. Schon um ihrer Existenz willen mußte ihnen alles daran liegen, daß das Volk beim Gesetz bleibe, während ihnen, wenn sie unabhängig vom Volk alles in Hülle und Fülle gehabt hätten, keinerlei Interesse geblieben wäre, für den HErrn und des HErrn Sache zu sorgen. Wenn aber Menschen am Eigennutz angegriffen werden, dann gehen sie am Ende auch ein bißchen ihrer Pflicht nach. So war also auch auf diesem Wege dafür gesorgt, daß das dem Volk Geoffenbarte nicht so leicht, in Zeiten nicht, da alles der Abgötterei anzuhängen schien, ganz untergehen konnte.

Es waren die Leviten, deren Hauptaufgabe Unterweisung des Volks war, auch diejenigen, welche die Beschneidung besorgten, - wie bis auf den heutigen Tag, - und die überhaupt in allerlei Sachen zu Rat gezogen wurden, wie in Krankheiten. Sie mußten Häuser und Äcker einweihen, Ehen schließen und vieles besorgen, was man im täglichen Leben durch erfahrene Leute nötig hat. Dadurch blieben sie dem Volke stets nahe, in seiner Gemeinschaft und Verbindung; und weil es immerhin mit ihrem Lebensunterhalt im Zusammenhang blieb, ging alles so in seiner Ordnung fort. Sonst würde oft alles schnell aufgehört haben, auch nicht wieder bei Zerstörungen aufgebaut worden sein, wenn nicht durchs ganze Volk hin das Dasein eines solchen Stammes bestanden hätte.

Mel. Wach auf, mein Herz. Der HErr, der aller Enden Regiert mit Seinen Händen, Der Brunn der ewgen Güter, Der ist mein Hirt' und Hüter. So lang' ich Diesen habe, fehlt's mir an keiner Gabe. Der Reichtum Seiner Fülle Giebt mir die Füll' und Hülle.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Ich bin dein Teil und dein Erbgut

Des HERRN Teil ist Sein Volk; Israel ist Sein Erbteil; und Er spricht wiederum zu der Seele: „Ich bin dein Teil und dein Erbgut.“ „Wir, mit allem was wir haben, sind Gottes, und Gott, mit allem, was Er hat, ist unser.

1. Wir sind gleich den Aussiedlern an der Grenze ihres Gebiets

Dem Auswanderer nach dem fernen Westen wird ein Stück Landes zugewiesen: aber wie wenig weiß er, was er darin finden wird! Es mag Kohlen oder Eisen enthalten, die Flüsse mögen reich an Fischen, der Boden fruchtbar sein. Er lässt sich an der Grenze nieder; aber jedes Jahr dringt er weiter vorwärts, und nimmt mehr von dem Lande ein, das ihm ganz gehört, aber bis jetzt noch nicht urbar, nicht nutzbringend gemacht worden ist. So sollten auch wir Jahr für Jahr zunehmen an der Erkenntnis Gottes und dessen, was Er bereit ist, uns zu sein. Nicht, dass wir schon vollkommen wären; wir jagen ihm aber nach, ob wir es auch ergreifen möchten, nachdem wir von Christo Jesu ergriffen sind.

2. Unser Besitzen der Fülle Gottes wird wesentlich davon abhängen, inwiefern Er von uns Besitz genommen hat

Es wundern sich manche, dass Gott anderen mehr ist als ihnen. Liegt nicht die Antwort darin, dass sie noch so vieles zurückhalten, was sie Ihm zur Verfügung stellen könnten? Willst du alles von Gott erwarten, so musst du Ihm auch alles geben. Deine Freude an Gott wird in genauem Verhältnis stehen zu der zunehmenden und sich vertiefenden Hingabe deines Lebens an Ihn. Warum sollte einer von uns arm oder kraftlos oder ängstlich sein, da doch die Fülle der Gottheit, in Jesu, für uns offen steht, und Er nur darauf wartet, dass wir sie uns aneignen? Ziehe hinauf und nimm Besitz von dem unendlichen Gebiet, wo Milch und Honig fließt, das getränkt wird von dem Tau des Himmels und reich ist an allen Schätzen.